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Fußball-Bundesliga: 8. Spieltag:Das Bayern-Publikum will endlich Tore

Es fehlt an Kreativität und Aggressivität: Nach dem 0:0 gegen Köln müssen sich Trainer van Gaal und die Bayern mit unangenehmen Zahlen beschäftigen.

Uli Hoeneß wählte eine ziemlich umständliche grammatische Konstruktion, um der versammelten Journalistenschar mitzuteilen, dass er an diesem Tag gar nichts mitteilen möchte. "Heute wird nichts gesagt", sagte der Bayern-Manager nach einem über weite Strecken faden 0:0 seiner Mannschaft gegen den 1. FC Köln.

Louis van Gaal (rechts) schaut kritisch auf das Spiel seiner Mannschaft.

(Foto: Foto: dpa)

Er und die anderen 69.000 Zuschauer hatten ein ziemlich merkwürdiges Spiel des deutschen Rekordmeisters gesehen. Die Bayern hielten den Ball konsequent in den eigenen Reihen, passten kreuz und quer und vor und zurück (meistens quer und zurück), sorgten für ein Spiel auf ein Tor, agierten dabei aber so umständlich wie Hoeneß nach dem Spiel formulierte - und kamen so zu kaum einer Torchance.

Zwei Kopfballlattentreffer von Bastian Schweinsteiger (ein echter, ein abgefälschter) sowie zwei Schüsse in der Schlussphase (Andreas Ottl, Ivica Olic) waren die einzigen Möglichkeiten der Münchner. "Wir haben zu wenige hundertprozentige Torchancen kreiert", bemängelte van Gaal.

Dabei gewann seine Elf so ziemlich alles, was es in der Welt der Statistik zu gewinnen gab. Sie erarbeitete sich neun Eckstöße, Köln keinen einzigen. Sie schlug 29 Flanken, Köln nur drei. Sie hatte 65 Prozent Ballbesitz, wobei der neutrale Beobachter bei dieser Zahl den Eindruck haben musste, die Datenbankler hätten den Kölnern noch rasch ein paar Prozentpunkte draufgeschlagen. Doch am Ende gab es nur ein 0:0.

"Es ist immer schwierig, wenn ein Team so verteidigend spielt wie Köln. Mir fehlte die Aggressivität im Sechzehnmeterraum. In der ersten Halbzeit haben wir noch ein bisschen was gemacht, in der zweiten Halbzeit haben wir nicht genug gemacht. Das war einfach zu wenig", sagte van Gaal.

Langsam kommen er und die Bayern nicht um zwei unangenehme Rechenaufgaben herum. Die erste Rechenaufgabe heißt: Addieren Sie, wie lange Sie schon ohne Treffer geblieben sind. 90 torlose Minuten gegen Köln plus 90 torlose Minuten gegen Juventus plus 90 torlose Minuten gegen Hamburg plus jene vier Minuten der DFB-Pokal-Partie gegen Oberhausen, in der Daniel van Buyten in der 86. Minute das bisher letzte Pflichttor der Münchner schoss.

Ausgerechnet diese teure und vielgerühmte Offensive kommt auf eine stolze Zahl von 274 Minuten ohne Treffer, weshalb sich Stürmer Mario Gomez schon an die Vergangenheit erinnert: "Ich habe letztes Jahr achthundertirgendwas Minuten nicht getroffen und hatte trotzdem 25 Tore. Ich weiß nicht, ob wir jetzt schon wieder mit Zahlen spielen sollten."

Nun lassen sich die Begegnungen gegen die schwungvoll mitspielenden Hamburger, gegen die taktisch diszipliniert agierenden Turiner sowie die mit zehn Mann dauerverteidigenden Kölner nicht über einen Kamm scheren. Doch manche Auffälligkeiten ziehen sich quer durch diese drei jüngsten Partien. Aus dem Mittelfeld kommt insgesamt zu wenig Kreativität, die Spieler haben das Prinzip von van Gaals Ballsicherheit zwar verinnerlicht, sparen dafür aber mit Überraschungsmomenten. Gegen Köln, als das Duo Schweinsteiger/Ottl im zentralen Mittelfeld agierte, war das einmal mehr offensichtlich.

Auf der nächsten Seite: In welcher Frage sich van Gaal und Schweinsteiger widersprechen.

Bundesliga: 8. Spieltag

Eine Liga im Taumel