Coming-out im Fußball:Brennans Antwort auf eine homophobe Äußerung findet viel Beachtung

Bevor der Australier seine Sexualität öffentlich thematisierte, holte er sich Rat bei dem amerikanischen Kollegen Collin Martin, Fußballprofi bei Minnesota United in der Major League Soccer (MLS), der diesen Schritt im Juni 2018 gegangen war. Auch damals war das Aufsehen groß - und die Reaktionen sind auch bei ihm fast alle positiv. Als Martin während der ersten Partie nach seinem Coming-out eingewechselt wurde, erhoben sich die Zuschauer im Stadion und klatschten lange. Er habe sich in den vergangenen Monaten auf dem Platz nie unwohl gefühlt, erzählte der US-Profi vor kurzem in einem Interview mit dem Fernsehsender Sky: "Meine Erfahrungen waren nur gut." Ein Sportartikelhersteller veröffentlichte vor einigen Wochen einen Werbefilm, Hauptdarsteller: Collin Martin in einem Trainingsanzug in Regenbogenfarben. "Ich hatte nicht gedacht, wie sehr die Leute meine Geschichte gebraucht haben", sagt der MLS-Spieler in dem Video.

Martin und Brennan sind zu Vorbildern der queeren Bewegung geworden. Brennan tritt bei Veranstaltungen auf, immer wieder melden sich schwule Sportler bei ihm, bedanken sich und bitten ihn um Rat. Als sich der berühmte australische Rugbyspieler Israel Folau homophob äußerte, schrieb der schwule Fußballer in den sozialen Netzwerken einen bewegenden, viel beachteten Beitrag an Folau: "Wenn ich 16 Jahre alt wäre, hätten deine Worte bei mir bewirkt, dass ich mich noch einsamer gefühlt und noch weiter versteckt hätte."

Doch Andy Brennan ist nun 26 und aus dem Versteck herausgekommen. Er wählt seine Worte mit Bedacht, wenn er spricht. Seine Stimme ist ruhig und klar. "Wenn meine Geschichte Leuten helfen kann, sie inspiriert und ihnen Mut gibt, es auch so zu machen, dass sie auch finden, dass es der beste Weg ist, dann ist das ziemlich gut", erklärt er. Er hofft, dass vielleicht bald weitere Fußballer öffentlich über ihre Homosexualität sprechen, er sagt aber auch: "Es muss jeder selbst wissen. Niemand weiß, was passieren wird."

Auf Videos im Internet ist zu sehen, wie Andy Brennan beim Training in Melbourne über den Platz läuft. Das grüne Gully-Trikot flattert um seinen Körper, er schießt den Ball, trifft ins rechte Toreck, dreht sich jubelnd im Kreis herum und lacht. Brennan sagt: "Auf dem Platz bin ich endlich frei."

Zur SZ-Startseite

Iran
:Das "blaue Mädchen" wird zur Ikone des Protests

Der Iranerin Sahar Khodayari drohte eine Gefängnisstrafe, weil sie ein Fußballspiel besuchte. Aus Protest verbrannte sie sich selbst. Das löst heftige Reaktionen aus.

Lesen Sie mehr zum Thema