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Fußball - Berlin:Derby-Nachwehen: Union acht Wochen ohne Topscorer Kruse

Berlin
Unions Max Kruse (M) geht im Spiel gegen Hertha BSC verletzt zur Seitenlinie. Foto: Odd Andersen/AFP-Pool/dpa (Foto: dpa)

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Berlin (dpa) - Diese Derby-Nachwehen werden den 1. FC Union noch lange begleiten. Nach dem Ende der viel bestaunten Serie ohne Niederlage ausgerechnet im hochemotionalen Berliner Derby müssen die Eisernen neue Lösungen finden - ohne den zwei Monate fehlenden Topspieler Max Kruse und möglicherweise mit einem neuen Torwart.

Und im kommenden Heimspiel geht es ausgerechnet gegen Rekordmeister FC Bayern. "Auf dem Zahnfleisch laufen sie nicht", sagte Trainer Urs Fischer über die Münchner, die nach dem 3:3 gegen RB Leipzig mit viel Biss an die Alte Försterei kommen werden.

Fischer will von Jammermodus aber nichts wissen: "Es ist eine tolle Herausforderung, ein toller Gegner. Das wird eine schwierige Aufgabe. Aber wenn du nicht überzeugt bist, die zu lösen, dann lass es lieber bleiben", sagte der Union-Coach kämpferisch mit Blick auf die Partie am Samstag. "Ich wüsste nicht, warum die Stimmung jetzt kippen sollte", ergänzte der Schweizer angesichts noch immer respektabler 16 Punkte aus den acht Spielen zuvor, in denen keiner Union besiegen konnte.

Die Nachspielzeit hatte das siebte Hauptstadt-Derby für Union endgültig in einen rabenschwarzen Tag verwandelt. Von der frühen Roten Karte für eine rüdes Einsteigen von Robert Andrich hatten sich die Roten noch nicht schocken lassen und hielten lange dagegen. Der erste Tore-Doppelpack von Herthas zuvor eher unglücklich agierenden 24-Millionen-Stürmer Krzysztof Piatek ordneten die Unioner noch unter Kräfteverschleiß ein, auch wenn Fischer sagte: "Es war mehr möglich." Doch die Verletzung von Neuzugang Kruse, mit sechs Toren und fünf Vorbereitungen Topscorer seines Teams, war dann doch zuviel.

Der Ex-Nationalspieler zog sich einen Muskelbündelrisse im hinteren rechten Oberschenkel zu, wie er am Sonntag auf Instagram selbst bekannt gab. "Ich musste es erst einmal verdauen und damit klarkommen", erklärte Kruse: "Ich werde zirka acht Wochen fehlen - plus, minus." Der 32-Jährige selbst hatte zunächst einen Kreuzbandriss im Knie befürchtet. "Zum Glück ist es das nicht", trotzdem sei es ärgerlich: "Ich werde versuchen, so schnell wie möglich wieder auf dem Platz zu sein."

Kruses generelle Mehrwert für Union ist unbestritten. "Man hat gesehen, dass Max für uns wichtig ist. Dieser Verbindungsspieler hat uns gefehlt, der auch für Kreativität und Außergewöhnliches sorgt. Er hat aber auch mitgeholfen, dass wir eine kompakte Organisation auf dem Feld haben", sagte Fischer. Jetzt aber geht es mit anderen Kräften weiter: "Es gilt: Mund abwischen, wieder aufstehen und weiter", gab der 54-Jährige das Motto vor. Andrich, nach dessen Platzverweis im Geisterderby zeitig das Gleichgewicht kippte, ist gegen die Bayern ohnehin gesperrt.

"Doch er bekommt keinen Vorwurf, er muss daraus lernen. Fußball ist ein Kontaktsport, der war zu hart", sagte Fischer. Sein Team müsse nun auch einen Lerneffekt mitnehmen. Kapitän Trimmel ist überzeugt, dass ohne den Platzverweis schon gegen Hertha mehr rausgesprungen wäre: "Mit Elf gegen Elf wäre es ein anderes Resultat gewesen."

Mitentscheidend war auch Herthas schneller Ausgleich kurz nach der Pause, als Torwart Andreas Luthe einen Ball vor die Füße von Torschütze Peter Pekarik pritschte. "Ich bin froh, dass ich noch zur Seite abwehre, er war noch abgefälscht", bemerkte der ehemalige Augsburger. Sein Coach sah Luthes Leistung dennoch als "unglücklich".

Auf der Bank wartet Liverpool-Leihgabe Loris Karius auf seine Chance. "Es ist nicht so, dass die Torhüter nicht unter Beobachtung stehen. Die Diskussion führe ich aber mit meinem Trainerteam", sagte Trainer Fischer. "Wenn wir der Meinung sind, etwas zu ändern, werden wir etwas machen. Wenn wir nicht der Meinung sind, ändern wir nichts." Die Auflösung folgt gegen Bayern.

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