Fußball: 1860 vor der Insolvenz:"Mit betriebswirtschaftlichem Denken nichts zu tun"

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Das Sanierer-Duo der Löwen hat, seit sie im Januar spät einen von der DFL geforderten Liquiditätsnachweis über 5,3 Millionen liefern konnten, ungezählte Termine bei möglichen Investoren und Sponsoren gehabt. Alles umsonst. Dabei konnte 1860 der DFL und Geldgebern ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte vorlegen, in der es heißt, der TSV sei durchaus zu sanieren, binnen zwei bis vier Jahren. Dennoch, zu gewagt scheint bisher Geldgebern das Engagement bei dem Klub, der in den Jahren seit dem Bundesliga-Abstieg 2004 sein Image als Krisenklub souverän verstärkte. Die Vertrauensperson Schneider kommt vermutlich zu spät.

Mit Schäfer putzte er diese Woche die letzten Klinken, die sie noch entdeckten, nachdem eine entscheidende Bürgschaft für das Sanierungskonzept, das die Löwen am Montag im Lizenzantrag an die DFL schickten, nun ausbleibt.

Eine Umschuldung ist aber dringend vonnöten, um die bisher bestehenden Bankkredite ablösen zu können, die mit einem Zinssatz von sechs bis sieben Prozent zu Buche schlagen sollen. Private Forderungen werden offenbar sogar mit einem Satz von bis zu neun Prozent verzinst. Auch diese Konstruktion könnte nun das Aus beschleunigen.

Schneider und Schäfer drohen somit an den Fehlern ihrer Vorgänger zu scheitern, ebenso an der offenkundigen Ahnungslosigkeit der Aufsichtsräte. "Die Art der Vereinsführung hat hier mit betriebswirtschaftlichem Denken bisher nichts zu tun gehabt", hatte Schneider im Dezember nach Durchsicht der Bücher offenbart. "Es wurden Einnahmen vorgezogen und Ausgaben ins nächste Jahr geschoben", sagte Schäfer. Vermögenswerte hat 1860 nicht. Sogar die Fernsehgelder dieser Saison sind dem Vernehmen nach bereits verpfändet.

Nach seinem Amtsantritt im Oktober 2010 hatte Schneider zudem errechnet, dass der aktuelle, von Sportdirektor Miroslav Stevic zusammengestellte Kader des finanzschwachen TSV rund 3,5 Millionen Euro mehr kostet als etwa 2007. Damit lagen die Kaderkosten bei etwa zehn Millionen Euro. Auch zu Erstligazeiten war dieser Betrag nicht viel höher. Stevic' Personalpolitik ist intern auch deshalb umstritten, weil er viele große Talente wie Lars und Sven Bender (Leverkusen bzw. Dortmund) ziehen ließ.

Angesichts des aktuellen Szenarios dürfte nun wohl erneut jener Geschäftsmann und Spielerberater ins Spiel gebracht werden, der sich schon 2009 als Investor anbot, mit sieben Millionen Euro, allerdings verteilt auf mehrere Jahre. Der Deal wurde zurückgezogen - die DFL hätte vermutlich interveniert, da dem Investor zu viel Mitspracherecht eingeräumt werden sollte.

So soll der Berliner angeblich Einfluss auf die Besetzung der Managerposition verlangt haben. Stevic wurde damals zeitgleich installiert, Stefan Reuter musste gehen. Stevic, einst ebenfalls Spielerberater, wies die Vorwürfe einer möglichen Geschäftsbeziehung zum Investor zurück. Dem Vernehmen nach soll aber der Mann, den man sogar im Aufsichtsrat "nicht als den Partner" sieht, "mit dem wir in die Zukunft gehen" wollen, die nun so dringend und rasch benötigte Summe gar nicht stemmen können.

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