Führungswechsel beim FC Barcelona:Alles über die Kaimaninseln

Die ISE firmiert auf den Kaimaninseln. Wer mit dem fünfmaligen Weltmeister ein Showspiel bestreiten will, muss also das Finanzielle über die ISE regeln, nicht mit dem Verband - für den diese Spiele Haupteinnahmequelle sind. Die ISE reicht dann Teile der Gagen an die Uptrend Development weiter.

Dies offenbart ein in Brasilien publizierter Vertrag, der ein Schema der Unterschlagung nahelegt: Pro Freundschaftsspiel fließen knapp 1,6 Millionen Dollar Antrittsgeld an die ISE - die 1,1 Millionen an den CBF weiterreicht, die übrigen 450.000 Dollar wandern auf Konten der US-Firma, die Rosell gehört. Insgesamt kassiert dessen Agentur aus vertraglich vereinbarten 24 Seleção-Auftritten knapp elf Millionen.

Hinter der ISE finden sich saudische und katarische Investoren. Auch mit solchen ist Rosell eng. Als Barças Klubchef ab Mai 2010 brach er mit der eisernen Tradition, die Trikots werbefrei zu halten. Den Zuschlag erhielt Katar. Schon zuvor war der Kontakt bestens; eine Agentur Rosells war sogar am Aufbau von Katars weltweit bekanntem Aspire-Sportzentrum beteiligt. Aber nur als Freundschaftsdienst, versicherte er im Präsidentschaftswahlkampf 2010, als ihm Mitbewerber Interessenskonflikte vorwarfen.

Freundschaftsdienste leistet Rosell auch für Teixeira. Der muss ja befürchten, dass ihn die USA im Fall einer Verurteilung nach Brasilien ausliefern. So suchte er jüngst mit Rosells Hilfe Exil in Andorra - das Finanzparadies an Kataloniens Grenze liefert nicht aus. Doch Andorra will Teixeira nicht. Dabei ließ dieser einst von dort aus, mithilfe alter Rosell-Kontakte, auch Gelder im berüchtigten ISL-Schmiergeldkomplex transferieren. Die ISL-Affäre hielt die Fifa gut eine Dekade lang in Atem.

Apropos Fifa: Auch Jerome Valcke, der Fifa-Generalsekretär, traf sich gern mit dem Duo, per Helikopter ging's in Teixeiras Luxusdomizil. Dem hatte Valcke 2007 sogar beim Erstellen des WM-Dossiers für Brasilien assistiert. So birgt der Geschäftsmix Rosell/Teixeira, in dem auch die Kernidee zum Neymar-Transfer erwachsen sein könnte, jede Menge Sprengstoff.

Und was sagt Rosell dazu? Alle Vorwürfe seien unfair und zeugten von der Verzweiflung seiner Rivalen, erzählte er beim Rücktritt. Schlüssige Argumente waren eben nie seine Stärke. Und ein Klubchef, der wegen völlig erlogener Vorwürfe ohne Gegenwehr einfach so abtritt, wäre ein Novum; speziell in der schillernden Kickerbranche.

© SZ vom 27.01.2014/jbe
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