bedeckt München 11°
vgwortpixel

Führungskrise bei 1860 München:Unklare Motive

Recht verhohnepipelt müssen sich in diesem Zusammenhang Trainer Reiner Maurer und Sportdirektor Florian Hinterberger vorkommen, die in wochenlanger Arbeit Verhandlungen mit den drei Fußballern Tzavellas, Wojtkowiak und Koman geführt hatten, die nun als Bauern vom Schachbrett flogen. "Ein besonderer Dank" gehe an die sportliche Leitung, teilte der Geschäftsführer mit, die "sehr gute Optionen erarbeitet" habe, "die unserer Mannschaft sofort weitergeholfen hätten". Wenn sich derartige Gepflogenheiten in der Branche herumsprechen, wird die Kontaktaufnahme zu Spielern, Beratern und anderen Vereinen in der Zukunft nicht gerade einfacher.

1860 München: Chronik der Horrorzeit

Sogar Mietpflanzen sind weg

Deutlich wird, dass es Ismaik - zumindest in dieser Phase - rein gar nicht ums Sportliche geht, schließlich hätten die drei Spieler ja "sofort weitergeholfen". Vorerst geht es ausschließlich um die Machtübernahme. Der erste Versuch, in Präsident Schneider den letzten Gegenspieler loszuwerden, ist gescheitert. Über weitere Motive kann man derzeit nur spekulieren - es wäre indes nachvollziehbar, wäre Ismaik genervt von Schneiders Popularität. Schließlich hat er 18,4 Millionen Euro investiert, noch einmal 2,3 Millionen hinterhergeschoben und weitere Millionen angekündigt - und ist dennoch nicht richtig beliebt.

Während Schneider bei der Wahl der AZ zur "Sportpersönlichkeit des Jahres" mit 20 Prozent der Stimmen auf Platz eins landete, musste sich Ismaik mit drei Prozent und dem vorletzten Rang begnügen - hinter Josef Köck von den Unterhachinger Volleyballern. Ismaiks Problem scheint zu sein, dass die Menschen bei Sechzig Schneider als den Retter sehen - und nicht ihn selbst. Sie feiern denjenigen, der die Weichen so stellte, dass sich überhaupt jemand fand, der Geld in den maroden Klub investierte.

Die Menschen bejubeln nicht das Geld an sich - geschweige denn den Geldgeber. Zumal Ismaik vielen noch immer suspekt erscheinen muss, weil er einige Versprechen nicht gehalten hat. Eigentlich wollte sich Ismaik eine Wohnung in München suchen: offenbar bisher nicht geschehen. Eigentlich wollte er regelmäßig zu Heimspielen erscheinen: nicht geschehen. Seit Unterzeichnung des Kooperationsvertrages lassen sich Ismaiks Besuche an einer Hand abzählen. Und wenn er erschien, dann nie mit relevanten Botschaften, sondern als Li-La-Launebär ("Ich bin hierher gekommen, um Leute glücklich zu machen"). Kein Wunder, dass er am Freitag nicht kommt.