French Open Keiner, gegen den man gerne spielt

Er hat ja wirklich sein tolles Jahr bestätigt. Was der kritische Geist Bresnik "beeindruckend" findet. Ende 2016 nahm Thiem an den ATP-Finals in London teil, nur die acht Besten einer Saison spielen dort. Thiem ist Siebter der Weltrangliste. Er hat die Großen Vier alle in seinem jeweils letzten Match gegen sie geschlagen, Roger Federer, Rafael Nadal, Andy Murray, Djokovic. Wobei es auch mal holperte. Anfang des Jahres habe Thiem "zu viel erwartet", sagt Bresnik. Auf dem Platz verlor er früher, schimpfte öfter mit sich selbst, eine Marotte, die sein Trainer hasst: "Er darf alles da draußen - aber nicht raunzen!"

Thiem kam wieder in die Spur. Mit dem Turniersieg in Rio setzte er ein Zeichen. In Madrid erreichte er sein erstes Finale bei einem Turnier der Masters-Serie. Er habe sich nochmals "extrem verbessert", sagt Bresnik. Der Aufschlag sei härter, der Return sicherer, er komme besser in den Ballwechsel. Körperlich habe er zugelegt, seine blitzartige Hand- und Armbewegung, die seinen Bällen so viel Spin mitgibt, dass sich die Bälle noch mehr um die eigene Achse drehen als bei Spin-König Nadal, hat er seiner stabileren Beinmuskulatur als Ausgangsbasis zu verdanken.

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Die Lettin ringt in einem spannenden Match Timea Bacsinszky nieder und steht in Paris im Finale. Die Deutsche Anna-Lena Grönefeld verliert im Mixed-Finale auf tragische Weise.

"Er ist keiner, gegen den man gerade auf Sand gerne spielt", sagte der Australier Bernard Tomic in Paris, der in drei Sätzen verlor. Er musste sich nicht grämen. Alle Gegner Thiems verloren bislang in drei Sätzen. Diese Bilanz schafften nur Stan Wawrinka (spielt das zweite Halbfinale gegen Murray) und Nadal. Der Spanier, der La Décima anpeilt, den zehnten Titel in Paris, ist am Freitag Thiems Gegner.

Wie viel Respekt Thiem genießt, lässt sich an zwei Debatten erkennen: Auf der einen Seite wird erstmals über einen Gegner von Nadal spekuliert, ob dieser Nadal schlagen könne. Viele trauen es ihm zu. Auch ein Experte: "Sein Spiel ist sehr mächtig. Vorhand, Rückhand, Aufschlag, diese Waffen sind ziemlich gut. Er gibt einem nicht viele Optionen" - Nadal sagte dies. Auf der anderen Seite hat Thiem eine Diskussion ausgelöst, die einen anderen betrifft - und doch eine Folge seiner Stärke ist. Nachdem er Djokovic demontiert und der Titelverteidiger nichts an Gegenwehr anzubieten hatte, wird der Serbe in die Mangel genommen. Zwar war er nach der Niederlage geständig, Thiem sei einer der "aufstrebenden Stars". Er selbst habe in allen Bereichen Defizite - körperlich, mental, technisch.

"Er hat keine Chance"

Diese Einsicht schützte den zwölfmaligen Grand-Slam-Champion aber nicht. "Inakzeptabel" sei dessen Vorführung im dritten Satz gewesen, sagte John McEnroe der BBC. "Es hatte den Anschein, als wollte er gar nicht mehr auf dem Platz sein." Boris Becker sprach als Eurosport-Kommentator: "Es scheint Gespräche mit möglichen Trainern zu geben. Aber das muss schnell gehen und nicht erst während Wimbledon." Dort erst soll der 30-Jährige, der nach Paris erstmals seit März 2011 nicht mehr die Nummer eins oder zwei im Ranking sein wird, wieder mit seinem neuen Stand-by-Trainer Agassi arbeiten. "Djokovic muss die nächsten drei, vier Wochen nutzen, um zurückzukommen", forderte Becker eindringlich.

Thiem muss das alles nicht tangieren, er hat nun die Ehre, sich mit einem Spieler zu messen, der erst zweimal in Paris verloren hat. Ob er eine Chance hat? Gar an den Titel glaube? "Das ist eine harte Frage", sagte er, aber lächelte auch. Bresnik wiederum sagte klipp und klar über seinen Spieler: "Er hat keine Chance." Er rechne damit, dass er am Samstag wieder in Wien über den geliebten Flohmarkt flanieren könne. Nur: Das mit den "zero chances" hatte Schlitzohr Bresnik auch vor dem Match gegen Djokovic gesagt. Das Ende ist bekannt.

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