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French Open:"Er ist hier eine Klasse stärker", sagte Thiem in Paris

Nach einem Aufschlagverlust zum 0:2 schaffte Thiem umgehend das Re-Break, und jetzt lief die Partie so ab, wie es zu erwarten war. Thiem spielte mit vielen Winkeln, Nadal zeigte überraschende Fehler. Einmal schlug ein zweiter Aufschlag von ihm vor der eigenen Netzseite auf. Intensiv waren die Ballwechsel aber, das Stöhnen beider sehr laut. Sie transportierten ihren Service bis zur 5:4-Führung Nadals. Dann stach der Spanier zu. So wie gegen Juan Martín del Potro im Halbfinale, den er im ersten Satz auf die chronologisch gleiche Weise geknackt hatte. Break, 6:4, das war der Tiefschlag, den Thiem vermeiden wollte. Die Bilanz Nadals im Best of 5-Format, wenn er den ersten Satz auf Sand gewonnen hat, lautet: 95:0. Nun wuchs der Berg, den Thiem für sein Comeback erklimmen musste, auf Anden-Höhe an. Mit Sauerstoffflasche.

Doch die Herausforderung wurde nicht geringer. Nadal zog mit dem nächsten Break davon, 2:0, 3:1, 4:2. Kleine Chancen, mal ein 30:0 bei Aufschlag Nadal, mal ein Breakball bei 2:4, verpufften rasch. Einmal gelang Thiem ein gefühlvoller Stopp. Nadal konterte mit zwei Stopps. Er selbst kassierte indes eine Verwarnung für sein bekannt ewig langes Zupfen und Zögern vor dem Aufschlag. 6:4, 6:3. Nun hatte Thiem einen Himalaja-Gipfel vor sich. Ohne Sauerstoffflasche. In Madrid hatte er Nadal im Mai besiegt. "Er ist hier eine Klasse stärker", sagte Thiem in Paris.

Mit neun Fingern mühte er sich

Im dritten Satz spulte Nadal sein Stakkato herunter, gleich zu Beginn hat er vier Breakchancen, im zweiten Aufschlagspiel Thiems luchste er ihm das Spiel ab. Dann aber doch Dramatik: "Ich kann den Finger nicht bewegen", rief er zum Stuhlschiedsrichter, bat um Entschuldigung. Es sah harmlos aus. Aber er musste sich an der linken Schlaghand, an der jeder seiner Finger verpflastert war, tatsächlich plötzlich behandeln lassen und hatte trotzdem weiter Probleme. Mit neun Fingern mühte er sich jetzt. Beim nächsten Seitenwechsel, bei 3:2, wurde ihm der Unterarm massiert. Das deutete auf einen Krampf hin. Eine eigenartige Stimmung herrschte. Tennisprofis nehmen ja manchmal taktisch bedingt Verletzungspausen. Das ist kein Geheimnis.

Aber das waren keine Mätzchen. Nadals Finger schien sich aber zu entkrampfen, zu stabilisieren. Dafür war nun Thiem von der Rolle. 4:2. Ein zweites Break für Nadal. 5:2. Erneut Massagen. Und dann folgte das letzte Spiel dieses Turniers.

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