Champions League der Frauen Ein Schockmoment für die Bayern

Die Bayern-Frauen duellieren sich im Halbfinale mit dem FC Barcelona.

(Foto: Getty Images)
  • Die Fußballerinnen des FC Bayern halten im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Barcelona gut mit, doch sie verlieren 0:1.
  • Gerade in Sachen Effizienz müssen die Münchnerinnen sich noch deutlich verbessern.
Von Anna Dreher

Wie lange, das war von Anfang an die Frage, würden die Fußballerinnen des FC Bayern das wohl durchhalten? Mit so viel Aufwand dem druckvollen Ballbesitzspiel des FC Barcelona Gegenwehr zu leisten, Tore zu verhindern und selbst entscheidende Akzente zu setzen? Die Antwort konnte erst gegeben werden, als dieses Hinspiel im Halbfinale der Champions League am Ostersonntag abgepfiffen wurde. Und es war nicht ganz klar, ob es nun eine zufriedenstellende war oder nicht.

Die Mannschaft von Trainer Thomas Wörle hatte bis zum Schluss mitgehalten, phasenweise sogar dominiert und konnte sich eine Vielzahl von Chancen herausspielen. Letztlich entscheidend für das Ergebnis waren diese aber nicht. Denn das einzige Tor im mit 2500 Zuschauern ausverkauften Stadion des Bayern-Campus, das schoss beim 0:1 (0:0) nun Mal Barcelona. Und so ist die Herausforderung, in einer Woche im mit 15000 Zuschauern ebenfalls ausverkauften Stadion der Katalaninnen erstmals das Endspiel der Champions League zu erreichen, nicht gerade kleiner geworden.

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"Wir hatten uns vorgenommen, hoch zu attackieren, aber das schaffst du nicht die ganze Zeit", sagte Wörle. "Rein fußballerisch kann in Deutschland keine Mannschaft mit Barcelona mithalten. Da kannst du nicht alles verteidigen. Aber wir haben es gut gemacht. Wir waren da, wir haben gekämpft und wir hatten Phasen, in denen wir torgefährlicher waren." Das Problem war ja nur: gefährlicher, aber nicht effizient.

Die Chancenverwertung war schon in den vergangenen Spielen gegen die SGS Essen (2:2) und den SC Sand (1:1) das Problem gewesen, das den Tabellenzweiten der Bundesliga wichtige Punkte im Kampf um die Meisterschaft gekostet hatte. Nun, gegen dieses andere Kaliber von Gegner, kam der hohe Energieverlust hinzu. "Wir hatten wieder gute Möglichkeiten, das zieht sich durch die ganzen letzten Spiele", sagte Kristin Demann. "Vielleicht sind wir zu inkonsequent. Und heute waren wir vielleicht einen Tick zu nervös."

Dabei war Nervosität nicht wirklich spürbar gewesen. Es dauerte nicht lange, bis die Münchnerinnen sich das erste Mal in den Strafraum des FC Barcelona vorgearbeitet hatten und der favorisierten Mannschaft von Lluis Cortés zeigten, dass eben auch sie gefährlich sein können. In der sechsten Minute kam Jovana Damnjanovic zu ihrer ersten Gelegenheit, der flache Schuss ging nur knapp am linken Pfosten vorbei. Barcelona ließ den Ball gut laufen, fand immer wieder Räume und Anspielstationen - aber keine Position von der aus dann in Strafraumnähe tatsächliche Gefahr für Bayerns Torhüterin Laura Benkarth gelauert hätte.

Dass die 26-Jährige und nicht Stammtorhüterin Manuela Zinsberger spielte, kam überraschend. Auch sonst veränderte Wörle seine Aufstellung. Während gegen den SC Sand noch Gina Lewandowski, Carina Wenninger, Lina Magull, Jill Roord und Mandy Islacker begannen, starteten gegen Barcelona Damnjanovic, Sydney Lohmann, Dominika Skorvankova, Simone Laudehr und Fridolina Rolfö.

Das, was Wörle in dieser Woche betont hatte - als Mannschaft funktionieren zu müssen und nur so gegen den stärker besetzten FC Barcelona zu bestehen - funktionierte. Der FC Bayern versuchte, Barcelona in seinem Kurzpassspiel früh zu stören und ließ sich wiederum bei eigenem Ballbesitz von der der engen Bewachung nicht irritieren. Die Katalaninnen jedenfalls schafften es über weite Strecken nicht, aus ihren Ballstafetten Chancen zu erzwingen. Es dauerte 22 Minuten, bis Kheira Hamraoui das klein-klein satt hatte und aus 18 Metern abzog - zur Erleichterung der Gastgeberinnen traf sie die Latte.

Als es Rolfö fünf Minuten später auf die gleiche Weise versuchte, verfehlte sie ihr Ziel deutlich. "Wir waren so sehr mit der Defensive beschäftigt", sagte die Schwedin, "dass am Ende nicht mehr die volle Power in der Offensive da war." Bei Barcelona im Gegenzug dann schon: Kapitänin Vicky Losada zog ab, Benkarth machte sich so lang sie nur konnte - und hatte wieder einen stabilen Helfer: diesmal prallte der Ball vom Pfosten ab. Es war eine Art Weckruf. Erst versuchte es zwei Mal Kristin Demann (38.), kurz darauf Däbritz und im Nachschuss Damnjanovic (39.) und schließlich wieder Rolfö, die bei ihrem Volley nach einer Flanke von Däbritz aber schon perfekt hätte treffen müssen.

Und dann reichte Barcelona eine kleine Unaufmerksamkeit in der sonst so gut arbeitenden Bayern-Defensive, um eben doch noch ein Tor zu erzielen. Mariona Caldentey sah von der Seitenlinie aus eine Lücke, auf die sich Hamraoui zielstrebig zu bewegte, Lohmann kam zu spät, Benkarth nicht mehr dran (63.). Wie lange Hamraoui danach unter ihren Mitspielerinnen begraben lag und wie hoch die Trainer und Spielerinnen von der Bank in die Luft und auf den Rasen sprangen, zeigte die große Erleichterung über dieses 1:0.

Wörle reagierte mit Wechseln, Nationalspielerin Lina Magull kam für Leonie Maier, Lineth Beerensteyn für Jovana Damnjanovic. Das brachte mehr Kreativität, aber kein Tor. Däbritz verpasste mit ihrem Kopf nur knapp die Hereingabe von Rolfö (88.). Zwei Minuten später bei einem Freistoß hatte Däbritz mehr Zeit. Sie schaute aufs Tor, zum Ball, wieder aufs Tor, zog ab mit großer Präzision und Kraft - und traf die Latte.

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