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Frauenfußball-Bundesliga:"Ein sehr interessanter Markt"

FC Bayern Women v VfL Wolfsburg Women - Flyeralarm Frauen Bundesliga

Am Sonntag gewann der FC Bayern das Topspiel gegen den VfL Wolfsburg.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die DFL ist laut Christian Seifert bereit, mittelfristig auch die Fußball-Bundesliga der Frauen zu betreuen. Unklar ist, ob der DFB seine Zuständigkeit überhaupt abgeben möchte.

Von Caspar Busse, Berlin

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist bereit, künftig auch die Frauen-Bundesliga zu betreuen. "Das ist ein sehr interessanter Markt", sagte DFL-Chef Christian Seifert beim SZ-Wirtschaftsgipfel in Berlin. "Ich glaube, mittelfristig könnte es sinnvoll sein, darüber nachzudenken, dass eine Organisation wie die DFL sich um die ersten Ligen einer Sportart kümmert, also auch um den Frauenfußball."

Die DFL vertritt derzeit die 36 Profiklubs der ersten und zweiten Bundesliga. Alle anderen Ligen, auch die Frauen-Bundesliga, werden vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) betreut. Frauenfußball sei ein "Phänomen", sagte Seifert. Welt- und Europameisterschaften würden regelmäßig sehr viele Zuschauer vor die Bildschirme locken, das Interesse für die nationale Liga sei dagegen nicht so groß. Man müsse überlegen, wie die Frauen-Bundesliga "attraktiv gestaltet und positioniert" werden könnte. Unklar ist, ob der DFB die Zuständigkeit für die Frauen-Bundesliga überhaupt abgeben würde.

Die DFL kümmert sich derzeit um den Spielbetrieb der ersten und zweiten Männer-Bundesliga. Unter anderem werden die Medienrechte für Deutschland und international verkauft, die Erlöse fließen dann den Vereinen zu, über die Aufteilung wird gerade gestritten. Nach aktuellem Stand ist das mehr als eine Milliarde Euro im Jahr. Der Profifußball ist momentan von der Corona-Pandemie stark getroffen. Seifert geht davon aus, dass der gesamte Umsatz der 36 Vereine in der abgelaufenen Saison 2019/20 um etwa sechs Prozent sinken werde, in der laufenden Saison noch stärker. 2018/19 hatten die gesamten Erlöse noch bei 4,8 Milliarden Euro gelegen. Alleine durch fehlende Zuschauereinnahmen wegen der corona-bedingten Geisterspiele könnten bis zu 600 Millionen Euro verloren gehen.

"Die Bundesliga wird diese Krise besser durchleben als andere", glaubt Seifert

"Niemand sollte glauben, dass wir in dieser Saison noch mal volle Stadien sehen werden", sagte Seifert. Er geht auch davon aus, dass die Spielergehälter und die Transfererlöse weiter sinken werden. Im europaweiten Vergleich stehe der deutsche Fußball aber gut da. "Die Bundesliga wird diese Krise besser durchleben als andere", sagte Seifert. Die Zuschauerquoten im Fernsehen seien nach wie vor eher hoch, Sky und der Streamingdienst Dazn realisierten derzeit "sehr gute Erfolge". Auch bei der ARD-Sportschau stiegen die Zuschauerquoten zuletzt wieder leicht an.

Seifert hat kürzlich angekündigt, seinen Vertrag, der bis 2022 läuft, nicht zu verlängern, er habe das für sich selbst bereits an Weihnachten 2019, also vor der Pandemie, beschlossen. Was er danach macht, sei offen: "Ich werde mir jetzt in aller Ruhe Gedanken machen."

© SZ vom 18.11.2020/chge
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