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Frauen-WM: Frankreich - England:Der zehnte Schuss entscheidet

England und Elfmeter, war da was? Völlig entkräftet setzt Faye White den entscheidenden Schuss im WM-Viertelfinale gegen Frankreich an die Querlatte. Die Equipe Tricolore bejubelt einen 5:4-Sieg. Dabei hätte ein kurioser Abwehrfehler beinahe ihr Aus bedeutet.

Ihre Augen verhießen nichts Gutes, als Faye White zur Seitenwahl schritt. Dunkle Schatten hatten sich darunter gebildet - ein Zeugnis der vorangegangenen zwei Stunden. Nach 90 Minuten hatte es zwischen England und Frankreich im WM-Viertelfinale 1:1 gestanden, eine Verlängerung brachte keine Entscheidung. Beide Teams hatten viel, viel Kraft investiert. Faye White vielleicht ein bisschen zu viel, am Ende der Verlängerung taumelte sie eher, als sie lief.

Fussball-WM: England - Frankreich

Die Französinnen jubeln über den späten Ausgleich - und gewinnen schließlich im Elfmeterschießen.

(Foto: dapd)

Die englische Kapitänin schoss den insgesamt zehnten Elfmeter an die Latte und besiegelte das Aus ihrer Mannschaft. Frankreich gewann mit 5:4, obwohl Camille Abily gleich zu Beginn des Elfmeterschießens gescheitert war. Später hatte jedoch auch Claire Rafferty verschossen - damit lag die Entscheidung bei White. Sie scheiterte und begrub ihr Gesicht in ihren Händen.

In der regulären Spielzeit hatte ihr Team lange wie der Sieger ausgesehen: Ein kurioser Fehler der französischen Hintermannschaft hatte das 1:0 für die Britinnen durch Jill Scott begünstigt. Frankreich kam spät durch Elise Bussaglia zum Ausgleich - und wirkte danach frischer, angriffslustiger.

Beide Mannschaften erlebten von Beginn an ein hektisches Spiel. Es war das erste im K.o.-Modus bei dieser Frauen-WM. In der Geschichte der Fußballturniere haben das viele Mannschaften zum Anlass genommen, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, um bloß keinen Fehler zu machen. England und Frankreich hielten sich damit nicht auf.

Es waren genau 13 Sekunden gespielt, als die Engländerin Kelly Smith auf dem rechten Flügel an den Ball kam, und zu ihrem Glück stand sie dort ziemlich allein. Smith sprintete und schoss beinahe unbedrängt, aber der Winkel war doch etwas zu spitz geraten. Torfrau Celine Deville im Tor der Franzosen parierte.

Deville wirkte nicht immer so sicher. Es zeigte sich schnell, warum Trainer Bruno Bini bislang auf Berangere Sapowicz als Stammkeeperin gesetzt hatte. Im letzten Vorrundenspiel hatte Sapowicz jedoch die rote Karte gesehen und musste ersetzt werden. Und weil Bini schon dabei war, veränderte er sein Team auch auf vier Feldspielerpositionen. Es sah zunächst so aus, als wäre das eine gute Idee gewesen.

Die britische Defensive hatte nach Smiths Blitzchance zu Beginn viel Mühe, den Ball vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Weil sie das mit hohen Bällen probierte, die Franzosen jedoch sehr kopfballstark sind mit viel Zug zum Tor spielten, ergab sich eine Art Tennis-Spiel: von links nach rechts, immer wieder über die Mittellinie.

Als es ermüdend zu werden drohte, tat Frankreich etwas Erfrischendes: Gaetane Thiney, im Mittelfeld auf dem linken Flügel beiheimatet, schoss mit voller Wucht aufs Tor. Karen Bardsley im Tor der Engländerinnen hatte Mühe, den Ball abzuwehren (25).

Frankreich hätte noch viele solcher Chancen haben können, doch der entscheidende Pass in die Spitze war häufig mangelhaft adressiert. In der 30. Minute schoss Louisa Necib, als zentrale Mittelfeldspielerin eine ständige Absenderin von Bällen, deshalb selbst aufs Tor -verpasste es jedoch knapp. Andere Französinnen nahmen sich an ihr ein Beispiel - die Torschussquote wies die Equipe Tricolore nach knapp 40 Minuten mit 9:1 als Sieger aus.

Wenn die Engländerinnen gerade einmal nicht in Bedrängnis waren, stellten sie sich nahe der Mittellinie auf - und zwar alle - und versuchten, die Französinnen zu Fehlpässen zu zwingen. Anders herum lief es genauso. Im modernen Fußball wird so eine Spielweise mit dem Attribut "kompakt" umschrieben. Doch in diesem Viertelfinale wäre das euphemistisch gewesen - die Fehlpassquote stieg durch den Dauerdruck auf beiden Seiten auf ein beachtliches Maß.

Frauen-WM: England - Frankreich

Mit Glück und Geschick