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Siegtorschützin Däbritz:Mit Ruhe und Eleganz

Fußballnationalmannschaft der Frauen - Fototermin

Sara Däbritz könnte in Zukunft zu den großen Namen des internationalen Fußballs gehören.

(Foto: dpa)
  • Die Siegtorschützin im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien bewegt sich auf einer Ebene, die für Fußballerinnen nicht selbstverständlich ist.
  • Sara Däbritz könnte in Zukunft auf eine Stufe mit Marta, Alex Morgan oder Ada Hegerberg gestellt werden.
  • Ihre Eleganz und Ruhe am Ball, die gute Technik und Torgefahr sind das eine, die große Entschlossenheit, der Ehrgeiz und kämpferische Wille das andere.

Bevor diese Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Frankreich vor einer Woche losging, war eine schöne Vision zu sehen, in drei Minuten zusammengefasst. Sie beginnt mit der Luftaufnahme eines Stadions, ausverkauft und laut. "Eine Milliarde Zuschauer warten gespannt auf das Spiel zwischen ...", teilt ein Sprecher mit, die Kamera bewegt sich in den Kabinengang. Und dann beginnt die fantastische Reise eines Einlaufmädchens, das von Lieke Martens, der Europameisterin aus den Niederlanden, gefragt wird: "Bist du bereit?"

Das Mädchen betritt das Feld. Es wird an der Hand geführt von prominenten Spielerinnen aus verschiedenen Nationen, dribbelt mit, treibt selbst den Ball, feiert in der Kabine, kehrt zurück auf den Platz, steht an der Seitenlinie bei einer Trainerin, die Philippe Coutinho und Gerard Piqué vom FC Barcelona taktische Anweisungen gibt. Schauspiel auf der ganz großen Bühne.

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Die deutschen Fußballerinnen bleiben auch beim 1:0 gegen Spanien spielerisch einiges schuldig, zeigen sich aber kämpferisch stark. Bestes Beispiel: das Siegtor von Sara Däbritz, das nah ans Achtelfinale führt.   Von Ulrich Hartmann

In diesem Werbespot stellt sich ein Sportartikelhersteller den Frauenfußball in der nächsten Dimension vor: gesellschaftlich global akzeptiert, frenetisch gefeiert. Unter all den Stars ist eine einzige Deutsche zu entdecken: Sara Däbritz.

Diese WM der Frauen könnte die bislang größte werden, mit dem bisher härtesten Konkurrenzkampf um die Trophäe und einem sehr hohen Zuschauerinteresse. Bis, wie im visionären Werbespot, ein Milliardenpublikum zuschaut und eine Frau den FC Barcelona trainiert, wird es noch sehr lange dauern. Dass Däbritz zu den bekanntesten Gesichtern zählt, zu jenen Fußballerinnen, die im Fokus stehen, das ist aber schon heute so.

Däbritz ist weit davon entfernt abzuheben

Däbritz bewegt sich auf einer Ebene, die für Fußballerinnen nicht selbstverständlich ist - weil ihr Weg meist anders verläuft als jener der Männer, nicht nur geprägt vom sportlichen Konkurrenzkampf, sondern auch von gesellschaftlichen Hürden. Noch steht sie nicht auf einer Stufe mit Stars wie Alex Morgan aus den USA, der Norwegerin Ada Hegerberg oder der Brasilianerin Marta. Aber Däbritz entwickelt sich in diese Richtung, sie ist erst 24, ausgeschlossen ist es nicht, dass sie ähnliche Popularität erreicht. Ihr Sponsor (Nike) hat sie schon im Visier.

Bei sich selbst zu bleiben, ist da eine ganz gute Eigenschaft, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, wenn viele an einem zerren. Däbritz kommt aus Amberg in der Oberpfalz, wenn sie spricht, ist das deutlich zu hören, sie rollt das "r" schön lange, Sarrra Däbrrritz - manchmal muss sie selbst darüber lachen. Däbritz ist weit davon entfernt, abzuheben. Sie hat einen bisweilen extravaganten Modegeschmack, ansonsten: eine angenehm lockere, unkomplizierte und offene Art. Zumindest neben dem Platz.