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Franz Wagner in Michigan:"Ich musste selber entscheiden"

Moritz Wagner, 22 Jahre alt und 2,11 Meter groß, hat gerade seine erste NBA-Saison bei den Los Angeles Lakers hinter sich; von dort ist er nun zu den Washington Wizards transferiert worden. Moritz Wagner hat einst ebenfalls das Nachwuchsprogramm von Alba durchlaufen und war dann mit einem Stipendium nach Ann Arbor gelockt worden, 2015 war das. Insider behaupten, die Wolverines hätten das nur getan, um seinen Bruder leichter nachholen zu können, den sie für noch talentierter hielten. Wenn dem so gewesen sein sollte, hat es ja geklappt.

Franz Wagner hat aber nicht bloß seinen Bruder befragt, als es um die Entscheidung zwischen Berlin und Ann Arbor ging. Er habe "mit fast jedem gesprochen, der etwas dazu sagen konnte", erzählt er. Mit Bundestrainer Henrik Rödl, der in North Carolina College-Erfahrung gesammelt hatte samt dem nationalen Titel 1993, ehe er in Berlin anheuerte; mit Niels Giffey, Albas Teamkapitän, der mit der University of Connecticut sogar zweimal Collegemeister wurde, 2011 und 2014. "Er hatte eine extrem gute Zeit da", weiß Wagner, "aber es muss nicht bei jedem so laufen." Letztlich war es so: "Alle haben gesagt, dass beide Optionen sehr gut für mich sind. Einen richtigen Rat kann einem keiner geben, das muss ich selbst entscheiden."

Franz Wagner hatte Zeit, um sich alles zu überlegen. Weil er in der Grundschule eine Klasse übersprang, hat er bereits im vorigen Sommer sein Abitur gemacht, als 16-Jähriger, mit einem Schnitt von 1,2. Während viele Jugendliche nach dem Abi durch die Welt gondeln, hat Wagner Basketball trainiert und gespielt. Und er ist dabei offensichtlich zu der Erkenntnis gekommen, dass das auf Dauer zu eintönig ist. Also hat er sich gegen das Geld entschieden, das er als Profi schon hätte verdienen können, und für das Leben, das er nun als Student erst mal genießen will. "Es war nicht so, dass mich Berlin nicht gereizt hätte", versicherte er der Berliner Morgenpost: "Ich habe einfach mehr Lust auf dieses College-Erlebnis als darauf, schon Profi-Basketballer zu werden."

Für einen ambitionierten Athleten ist es ein eher unkonventionelles Karrieremodell, ein Angebot als Profi auszuschlagen. Bei Franz Wagner hat es sicher auch mit seinen Eltern zu tun. Sein Vater war einst Handballer, zu DDR-Zeiten hütete er das Tor der Jugend-Nationalmannschaft; seine Mutter spielte Tennis und schwamm, "mochte aber Wettkämpfe nicht so sehr", wie sie sagt. Beide sind sportaffin, aber beide sind auch Akademiker und wissen: Sport ist nicht alles, es gibt ein Leben davor, daneben und danach. "Michigan kam nur in Frage, weil ich überzeugt bin, dass es mir auch basketballerisch was bringt", sagt Franz Wagner; er versichert, der Sport stehe bei ihm weiter im Vordergrund: "Aber Lebenserfahrung zu sammeln, ist auch ein Faktor gewesen." In Michigan wird er zwar nicht für Geld spielen. Aber umsonst soll es auch nicht sein.

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