Fifa "Personen können weglaufen - Bankdaten nicht"

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Urs Linsi, den früheren Generalsekretär des Fußball-Weltverbands Fifa.

(Foto: dpa)
  • Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Urs Linsi, den früheren Generalsekretär des Fußball-Weltverbands Fifa.
  • Die BA in Bern spielt die Schlüsselrolle bei der Aufklärung der Affäre um die WM 2006.
  • Ein zentrales Verfahren betrifft jene ominösen 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee an die Fifa flossen.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Die Aufklärung der Sommermärchen-Affäre nimmt Fahrt auf; zumindest im Ausland. Am Mittwoch bestätigte die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA), dass sie im Kontext ihrer Strafuntersuchung zur WM-Vergabe 2006 an Deutschland nun auch gegen Urs Linsi ermittelt, den früheren Generalsekretär des Fußball-Weltverbands Fifa. Mitte vergangener Woche gab es mehrere Durchsuchungen in der Deutschschweiz, nach SZ-Informationen nicht nur in Anwesen von Linsi selbst, sondern auch andernorts. Die Behörden erhoffen sich davon wichtige neue Erkenntnisse.

Die BA in Bern spielt die Schlüsselrolle bei der WM-2006-Aufklärung, sie ermittelt seit Jahren im Geschäftssumpf um die Fifa. Mehr als ein Dutzend verschiedener Verfahren laufen derzeit. Ein zentrales betrifft jene ominösen 6,7 Millionen Euro, denen auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft nachspürt. Sie flossen 2005 vom deutschen Organisationskomitee (OK) an die Fifa, getarnt als Beitrag für eine Kulturgala, die nie stattfand. Tatsächlich wanderte das Geld an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus - die Fifa fungierte als Drehscheibe für die verschleierte Transaktion.

Linsi war über Jahre einer der engsten Vertrauten von Sepp Blatter

Louis-Dreyfus hatte dem DFB drei Jahre zuvor Millionen ausgelegt, die wiederum beim katarischen Fifa-Skandalfunktionär Mohammed bin Hammam landeten. Zweck der Zahlung? Bis heute ungeklärt. Die Ermittler schwanken zwischen zwei Optionen. Waren es Dankeschön-Gelder für Voten, die Deutschland zu dem knappen 12:11-Sieg über Südafrika bei der Vergabe der WM 2006 verholfen hatten? Oder waren es Zahlungen in eine Wahlkampfkasse für Präsident Sepp Blatter anno 2002, als dieser schwer unter Druck stand?

Die Schweizer führen das Verfahren seit Beginn der WM-Affäre im Herbst 2015, unter anderem wegen des Verdachts auf Betrug, Geldwäsche und Untreue. Sie ermitteln gegen die damaligen OK-Verantwortlichen Franz Beckenbauer, Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt, Wolfgang Niersbach - und nun auch gegen Urs Linsi.

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Das könnte zielführend sein, weil Linsi, 67, über Jahre oberster Fifa-Hauptamtlicher und einer der engsten Vertrauten von Sepp Blatter war. Zuvor hatte er als listenreicher Finanzchef maßgeblich zu Blatters Machterhalt im Sommer 2002 beigetragen; Ende 2002 stieg er überraschend zum Generalsekretär auf. Im Frühjahr 2005 wickelte er die administrative Rückzahlung des DFB-Geldes ab. Linsi stimmte mit den zuständigen OK-Vertretern den letztlich falschen Verwendungszweck "Kulturgala" ab; und er instruierte sie, welches Konto für die Zahlung zu bedienen sei.

Die aktuelle DFB-Spitze um Präsident Reinhard Grindel vertritt angesichts der tiefen Einbindung des Blatter-Vertrauten Linsi in die Rückzahlung die These, dass auch die Einzahlung im Interesse von Weltverband beziehungsweise Blatter gelegen haben muss. So legt Grindel nahe, dass die 6,7 Millionen Euro nicht für einen Stimmenkauf bei der WM-Vergabe flossen, sondern die Summe im Kontext der Präsidentschaftskür Blatters 2002 zu sehen sei.