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DFB-Affäre:DFB-Affäre: Jetzt bebt es richtig

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Das eine Turnier ist noch nicht aufgearbeitet, das andere steht schon bevor: DFB-Präsident Grindel vor dem Münchner EM-Logo für 2020.

(Foto: ddp images/abaca press)
  • Die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilt der SZ mit, dass der DFB bei der Aufklärung der WM-Affäre nur noch stark eingeschränkt kooperiere.
  • Wichtige Daten seien vom Deutschen Fußball-Bund nicht weitergegeben worden.

Eine verschlüsselte Computerdatei aus einem Ordner namens "Erdbeben" erschüttert den Deutschen Fußball-Bund. Offen beklagt die Frankfurter Staatsanwaltschaft eine mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens des DFB bei der Untersuchung der Sommermärchen-Affäre rund um die WM 2006. Der DFB habe "seine ursprüngliche Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlungsbehörden ab Anfang 2016 stark eingeschränkt", teilt die Behörde der SZ mit. Zugleich wehrt sie sich gegen die Behauptung der Topfunktionäre, der DFB hätte bisher kaum bis gar keinen Zugang zu den Akten, die von den Ermittlern bereits im Vorjahr konfisziert worden waren.

Warum blieb die Datei namens "Erdbeben" unter Verschluss?

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Der DFB hat einen womöglich brisanten Informationsträger zur WM-Affäre seit 12. November 2015 auf dem Server liegen, den Ermittlern aber wurde die Datei mit dem beziehungsreichen Namen "Komplex Jack Warner" erst Mitte dieser Woche ausgehändigt. Die Behörde wiederum hatte bei ihrer Razzia am 3. November 2015 diese Datei gar nicht finden können, weil sie erst später erstellt wurde. Der frühere Fifa-Vize Warner zählt zu den korruptesten Funktionären und ist eine Schlüsselfigur der WM-2006-Affäre. Die US-Justiz betreibt seine Auslieferung aus Trinidad.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bringen den DFB in Erklärungsnot - zumal Präsident Reinhard Grindel betont, man habe alles getan, um die Aufklärung der Affäre voranzubringen. Grindel ist nur an die DFB-Spitze gelangt, weil die Affäre seinen Vorgänger Wolfgang Niersbach das Amt kostete. Am 17. November 2015 riefen ihn die Amateurvertreter zu ihrem Präsidentschaftskandidaten aus, im April wählte ihn der DFB-Bundestag kommissarisch ins Amt, Anfang November erhielt er das reguläre Drei-Jahres-Mandat.

Hohe DFB-Vertreter hatten mitgeteilt, der Verband habe die vom früheren Vize-Verbandsgeneral Stefan Hans angefertigte Datei zunächst selbst öffnen wollen. Vizepräsident Rainer Koch sagte der SZ, man hätte das Material sonst wohl lange Zeit nicht mehr wiedergesehen: "Hätte die Staatsanwaltschaft das gekriegt, wäre es jetzt noch dort." Zum Innenverhältnis mit den Behörde wird aus der Verbandsspitze festgehalten, dass der DFB eine Art "Beschuldigtenstatus gegenüber der Staatanwaltschaft" habe.

Diese wiederum betont nun, der DFB hätte trotzdem Einsicht in gewünschte Dokumente erhalten können. Ermittelt wird wegen Steuerhinterziehung, es geht um 6,7 Millionen Euro, die von den damaligen WM-Organisatoren falsch deklariert worden waren. Zu den Begünstigten der Zahlung könnte auch Warner zählen. Umso mehr stellt sich die Frage, warum der DFB das "Erdbeben" nicht den Behörden übergab, nachdem er selbst aus Kostengründen auf die Datei-Öffnung durch Experten verzichtet hatte. Schon am 4. März hatte die vom DFB mit der Prüfung der Affäre beauftragte Kanzlei Freshfields ihren Bericht vorgelegt. Warum wanderte da nicht die Datei an die Ermittler? Frühestens durch den Report hatte die Behörde von der Datei erfahren. Eine Fußnote erwähnt den "Komplex Jack Warner", der Ordner "Erdbeben" taucht nicht auf. Die Staatsanwaltschaft hatte dies wohl registriert - sie verweist aber auf die Gesetzlage, nach der ein Beschlagnahmeverbot für die Datei bestanden habe. Zwar hätte sie den Verband um "freiwillige Herausgabe" ersuchen können, doch dem habe der bereits "stark eingeschränkte" Kooperationswille des DFB entgegengestanden.

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Die Behörde benennt massive Probleme im Austausch mit dem DFB. So sei ihr am 15. März von Freshfields eröffnet worden, dass die Kanzlei "nicht bereit sei, Protokolle von Befragungen von Auskunftspersonen" herauszugeben. Früher seien ihr noch Befragungsprotokolle ausgehändigt worden, "ab Anfang 2016 war dies aber nicht mehr der Fall". Diese Vorwürfe bringen den DFB nun selbst in dem Fall unter Druck, dass das "Erdbeben" gar keine umwälzenden Neuigkeiten bringen sollte.