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Fußball:Schwalbenkönig Reinhard Grindel

42. Ordentlicher DFB-Bundestag

Wieder zum DFB-Präsidenten gewählt: Reinhard Grindel.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Der im Amt bestätigte DFB-Präsident ist kein Erneuerer, sondern die logische Fortführung des alten Kurses. Nichts von dem, was er sagt oder tut, nährt den Glauben, es könne ein frischer Geist einziehen.

Alles wird jetzt anders, transparenter und integer sowieso. Hat Reinhard Grindel verkündet. Weil sich aber die Krönungsmesse des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht im Aachener Kaiserdom zutrug, sondern im Theater Erfurt, ist das Komödiantische implizit. Denn wer als Fußballfunktionär, zumal als Deutschlands höchster, im Weltverband des Gianni Infantino irgendeine moralische Erneuerung erkennt und dem neuen Fifa-Boss sogar zuruft, er unterstütze dessen Weg zur Good Governance - "weil die Menschen nur dann daran glauben, dass es mit rechten Dingen zugeht!" -, der fliegt schon beim Versuch, den Bruch mit der Vergangenheit vorzutäuschen, als Schwalbenkönig auf.

Fifa-Boss Infantino verkörpert gut erkennbar die Fortsetzung des Seppblatterismus, nur halt jetzt mit neuem Netzwerk. Na und? Es ist fester Brauch im DFB, die Granden des Weltfußballs ehrfurchtsvoll gewähren zu lassen. Man fuhr ja selbst super auf der Opportunitäts-Schiene; speziell in den Nullerjahren, als sich die Fifa in eine Großfamilie sizilianischer Prägung verwandelte (was dummerweise das FBI mitbekam). Gewiss, vereinzelt gab es Aufstände von Anständigen, aber die Deutschen waren nie dabei. Der größte und mächtigste Verband des Fußballplaneten profitierte lieber still vom institutionalisierten Übel auf höchster Verbandsebene: Er zog allzeit tapfer mit und dafür die WM-Turniere der Männer (2006) und Frauen (2011) an Land.

Nur deshalb, weil die DFB-Akteure auch bei der Sommermärchen-Akquise das taten, was die ehrenwerte Fifa-Familie begehrte, wurde nun das Erfurter Thronamt nötig. Damals flossen 6,7 Millionen Euro in korrupte Kanäle, das ganze Honoratiorenkollektiv musste die Bühne räumen: Größen wie Franz Beckenbauer, Theo Zwanziger, Horst R. Schmidt - und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach verstrickte sich so tief in der eigenen Ahnungslosigkeit, dass nur der Rückzug blieb. Die Fifa-Ethiker haben ihn suspendiert, Prozesse gegen die anderen laufen.

Deshalb bräuchte es einen Neustart. Deshalb wählte der DFB jetzt Grindel.