bedeckt München

Fifa: Korruptionsvorwürfe:Teixera unter Druck

Die Zahlungen flossen zwischen 1989 und 1999, doch nur ein kleiner Teil ist persönlichen Empfängern zuzuordnen, weil das Gros an Liechtensteiner Briefkastenfirmen ging und erst von dort an Personen weitergereicht wurde. Eine der von der ISL bedienten Tarnfirmen, Sicuretta, brachte allein rund 50 Millionen Dollar unters Funktionärsvolk. Weitere 9,5 Millionen erhielt die Sanud - diese aber lässt sich mit einem Funktionär verbinden: Mit Ricardo Teixeira, Gottvater der WM 2014 in Brasilien. Der Fußballboss aus Rio, der über Schwiegervater Havelange in die Ämter kam, stand 2001 im Fokus parlamentarischer Untersuchungen. Papiere in Brasilia dokumentieren die Verbindung Teixeiras zur Sanud.

Auch eine weitere Firma, Renford Investment, ist Teixeira und Schwiegervater Havelange zuzurechnen. Diese erhielt laut ISL-Liste 3,5 Millionen Dollar, im Zeitraum von 18. März 1998 bis 4. Februar 1999. Die letzte Zahlung an die Sanud notiert vom 28. November 1997. Teixeira äußerte sich so wenig wie Leoz und Hayatou. Havelange äußerte sich nie zu Vorwürfen. Teixeira aber räumt vor Jahren ein, dass Renford seine Firma sei.

Teixeira ist derzeit auch in Brasilien unter Druck. Für die WM-Organisation 2014 hat er eine Gesellschaft mit sich selbst gegründet: 99,99 Prozent Anteile hält der Landesverband CBF, 0,01 Privatmann Teixeira. Ein WM-Gewinn soll ungeachtet der Besitzverhältnisse verteilt werden, Verluste aber sollen den Anteilen entsprechend getragen werden.

Die Fifa, in der Blatter Wert darauf legt, er habe selbst nie Schmiergelder empfangen, verwies zur ISL-Affäre stets auf die - für Korruptionsfragen irrelevanten - Ergebnisse des Zuger Insolvenzprozesses. Bei Pressekonferenzen verbat sich Blatter konkrete Fragen zur ISL.

Blatter hätte viel zu tun, würde er alle Vorwürfe gegen seine Getreuen kommentieren. Erst Mitte des Monats hatte der Weltverband mehrjährige Sperren gegen Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) aus dem Exekutiv-Komitee verhängt. Adamu und Temarii wurden für drei beziehungsweise ein Jahr von jeglichen Tätigkeiten im Fußball suspendiert - sie hatten ihre Stimme für die WM-Vergabe feilgeboten.

An diesem Montag sorgte zudem Exekutiv-Mitglied Mohamed Bin Hammam aus Katar für Aufregung. Er beurteilt einen möglichen Deal zwischen Katar und Spanien/Portugal keineswegs kritisch. Angeblich soll es Absprachen zwischen ihm und dem spanischen Fifa-Vizepräsidenten Angel Maria Villar Llona geben; Spanien kandidiert zusammen mit Portugal für die WM 2018, Katar für die Endrunde 2022.

Da hat es Züge von Realsatire, wenn Blatter, wie jüngst in Zürich ("Unser Gesellschaft ist voller Teufel, die gibt es auch im Fußball") von der Nulltoleranz seiner Fifa in der Korruptionsbekämpfung predigt. Für die will nun die Schweiz sorgen, die bisher als Eldorado für korrupte Sportpolitiker gilt. Matthias Remund, Chef des Bundesamts für Sport, fordert bereits eine Gesetzesänderung und regt die Gründung einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur an.

© SZ vom 30.11.2010/ebc
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema