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Fifa-Kandidatur von Platini:"Ich bin der Beste, um den Weltfußball zu führen"

Michel Platini

Michel Platini als Fifa-Präsident? Mais bien sur, wie der Franzose sagt.

(Foto: dpa)
  • Die Fifa steckt in einer tiefen Führungskrise - Präsident Sepp Blatter ist suspendiert. Als Nachfolger bringt sich mal wieder Michel Platini in Stellung. Obwohl der selber im Schlamassel steckt.
  • Der Franzose glaubt, er sei "der Beste, um den Weltfußball zu führen".

Michel Platini ist ein ambitionierter Mann, er ist schließlich Franzose und hat im Fußball vieles gewonnen. Im Europäischen Fußballverband Uefa hat er es ganz nach oben gebracht - und wenn es nach ihm geht, soll es jetzt auch bei der Fifa an die Spitze gehen: "Ich bin, in aller Bescheidenheit, der Beste, um den Weltfußball zu führen", sagte der weiter zur Übernahme des Präsidenten-Amtes beim Weltverband Fifa entschlossene suspendierte Chef des Europa-Verbandes Uefa in Interviews mit den Zeitungen Daily Telegraph und Le Matin. Der Franzose kündigte denn auch Einsprüche gegen seine Suspendierung bis zur letztmöglichen Instanz an. "Ich werde bis zum Schluss alle sport- und zivilrechtlichen Schritte gehen, um mich zu verteidigen", sagte der 60-Jährige.

Wegen einer Millionen-Zahlung der Fifa angeblich für Beratertätigkeiten mit fast zehnjähriger Verzögerung ist Platini ebenso wie Fifa-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) von der Ethikkommission des Weltverbandes bis zum 5. Januar suspendiert. Seine Kandidatur für die Wahl eines neuen Fifa-Chefs am 26. Februar in Zürich wird erst danach einem Integritätscheck unterzogen.

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Dem Fußball verspricht Platini für den Fall seiner allgemein nur noch für unwahrscheinlich eingeschätzten Wahl zum Blatter-Nachfolger eine Rückkehr zu den Ursprüngen: "Ich fühle mich wie ein Ritter im Mittelalter, der vor einer Festung steht und versucht hereinzukommen, um der Fifa den Fußball zurückzugeben. Stattdessen werde ich mit heißem Öl übergossen."

Aufgrund seiner Vita bringe er als einziger aller Kandidaten einen "360-Grad-Blick für den Fußball" mit. Im Kampf um die Aufhebung seiner Suspendierung offenbarte Platini, der sich zuletzt auch schon einmal mit der griechischen Mythengestalt Ikarus verglichen hatte, erstmals ausführlicher Einblick in seine Argumentationsstrategie: "Habe ich Arbeit abgeliefert? Ja. Sind mündliche Verträge in der Schweiz gültig? Ja. Habe ich das Recht zur Forderung auf eine Entlohnung? Ja. Habe ich eine ordnungsgemäße Rechnung gestellt? Ja. Habe ich die Zahlung bei der Steuererklärung angegeben? Ja. Würde irgendjemand, der Geld von einem Schwarzgeld-Konto bekommen hat, dieses Einkommen bei der Steuer angeben?"

Hinter den Kulissen scheinen einflussreiche Funktionäre auch weiterhin an Platini zu glauben. Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah (Kuwwait), Mitglied der Fifa-Exekutive und auch des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sagte für den Fall von Platinis Rückkehr ins Amt auch schon einen Rückzug von mehreren der sechs übrigen Kandidaten für die Fifa-Wahl voraus: "Scheich Salman", meinte der Strippenzieher beim Branchendienst Insidethegames, "würde verzichten. Ich denke, einige würden sich zurückziehen."

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