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Fifa:Der DFB geht auf Kollisionskurs

Die Verbände wurden in Doha in Gruppen aufgeteilt, jede Delegation erhielt ein iPad mit Fragen: Soll die World League kontinental begrenzt oder global ausgespielt werden? Soll sie anfangs auf dem Kontinent gespielt und die Finalrunde weltweit ausgetragen werden? Wie sieht die neue Klub-WM aus: 16, 24 oder 32 Teams? Jährlich, alle zwei oder alle vier Jahre? Die Antwortoptionen jeweils: Ja oder Nein. Auf Drängen europäischer Vertreter wie Georgien und Litauen wurde eine dritte hinzugefügt: Enthaltung.

Die Sache lief nicht so glatt wie von der Fifa erhofft. Die Europäer stimmten nach SZ-Informationen gar nicht ab - weil sie nicht riskieren wollen, dass ihr Votum bei der Fifa-Ratssitzung im März missbraucht werden kann. Die Verweigerung sei "hart und direkt" vorgetragen worden, bestätigt ein Beobachter der SZ.

Der DFB geht sogar auf Kollisionskurs. "Ohne nähere Fakten zu kennen und die Ergebnisse der Beratungen der Taskforce abzuwarten, ist es unseriös, nationale Verbände ganz allgemein abstimmen zu lassen, ob sie für oder gegen eine Klub-WM oder die Global Nations League sind", teilte der DFB auf SZ-Anfrage mit. "Nach unseren Informationen haben sich einige, vielleicht sogar alle in Doha anwesenden europäischen Verbände deshalb nicht an der Abstimmung beteiligt. Sie vertrauen auf die konstruktive Arbeit der Uefa-Vertreter in der Taskforce." Der Ton gegenüber den Verweigerern soll aggressiv geworden sein. Es soll ihnen sogar bedeutet worden sein, dass Infantino auch ihr Präsident sei - und ihm daher Folge zu leisten sei.

Der DFB will sich "auf keinen Fall" an Abstimmungen beteiligen

Während der Fifa-Chef in Doha also Tonga und Vanuatu umgarnte, saß in Zürich der Generalsekretär des Ligenzusammenschlusses World League Forum (WLF), Jerome Perlemuter, bei Boban. Und bekräftigte die ablehnende Position des WLF, insbesondere von Europas Ligen. Die Großen misstrauen Infantino. In den Fokus rückt die Frage, warum er so verzweifelt an einem Geheimprojekt festhält, dessen Hintergründe er nicht mal den Fifa-Vorständen enthüllt. Dieses Verhalten legt beunruhigende Schlüsse nahe.

Die Fifa-Gipfel vier bis sechs folgen Mitte Januar in Marrakesch und Ende Januar in Rom. Der DFB ist erst zum neunten geladen, aber Präsident Reinhard Grindel, der auch in den Vorständen von Fifa und Uefa sitzt, sagte der SZ: "Der DFB wird sich auf keinen Fall beim Fifa-Gipfel in Rom an Abstimmungen beteiligen, sondern erwartet, dass die Fifa-Administration bei dieser Gelegenheit alle Informationen zu den beiden Wettbewerben auf den Tisch legt."

Das genau ist offenbar Infantinos Problem: alle Informationen preiszugeben. Denn selbst wenn die Welt begeistert wäre von den neuen Turnieren, eines ist völlig klar: Sie brächten nicht den Bruchteil von 25 Milliarden Dollar ein. Der Ausverkauf der Fifa-Rechte hingegen schon.

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