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Fifa:So trickst Infantino, um sein Milliarden-Projekt zu retten

  • Fifa-Präsident Gianni Infantino will unbedingt sein geheimes Milliarden-Projekt vorantreiben.
  • Dafür verfolgt der Schweizer eine neue Strategie: Er versucht, die kleinen Fußballverbände wie den von Guam oder Vanuatu einzuwickeln.
  • Der DFB bezeichnet die Taktiken des Fifa-Präsidenten sogar als "unseriös".

Mitte November flog der Geheimplan auf: Fifa-Präsident Gianni Infantino will zentrale Rechte des Fußballweltverbands verkaufen. Für 25 Milliarden Dollar. Aber Infantino betreibt diesen Deal hoch diskret: Seit einem Jahr bastelt er mit anonym gehaltenen, arabisch-asiatischen Investoren an einem Firmengebilde, das Kernbereiche der Fifa übernehmen will. Und in dem er selbst - besonders brisant! - als Aufsichtsratchef fungieren soll. Compliance-Experten wie der Schweizer Mark Pieth sprechen von einem heimlichen "Raubzug" an den Gütern des Verbandes, der sogar strafrechtlich relevant sein könnte. Doch Infantino lässt das unbeeindruckt.

Seit Dienstag lässt er die 211 Nationalverbände der Welt in der Sache bearbeiten. Er tut das höchst trickreich - stößt aber auf massiven Widerstand in Europa. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bezeichnet Infantinos Vorgehen nun sogar als "unseriös". Er hat dabei die Rückendeckung der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Der Fußball driftet in die Zerreißprobe. Groß war die Bestürzung in der Branche, als die SZ kürzlich ein "Term Sheet" der Fifa enthüllte: ein internes Arbeitspapier zu Infantinos geheimem "Project Trophy". Mit bis zu 25 Milliarden Dollar will eine Investorengruppe um den japanischen Tech-Konzern Softbank in das Projekt einsteigen. Offiziell dreht sich der Deal nur um neue Turnierformate: eine reformierte Klub-WM und eine neue World League für Nationalteams. Doch diese Events sind als Blendwerk gedacht, das verrät das Papier selbst. Die Investoren könnten vorzeitig aus den Turnieren aussteigen. Trotzdem bliebe ihnen das Gut erhalten, um das sich in Wahrheit alles dreht: der Zugriff auf quasi alle Fifa-Rechte, von digitalen Formaten bis zu den WM-Turnieren ab 2026; alles soll in eine neue Firma mit dem Arbeitstitel Fifa Digital Corp. (FDC) übertragen werden. So steht es im Arbeitspapier - das die Fifa selbst nicht leugnet, aber als "veraltet" und "eines von Hunderten" herunterzuspielen versucht.

Dabei war das Term Sheet die Basis, als Infantino im März den Fifa-Vorstand erstmals mit der Milliardenofferte zu überrumpeln versuchte. Wochen später legte er das Papier den Hausjustiziaren vor. Marco Villiger und Jörg Vollmüller waren geschockt, sie warnten in einer 16-seitigen Expertise, die der SZ ebenfalls vorliegt, vor enormen Risiken: vom Kontrollverlust im Kerngeschäft über den Verlust der Steuerbefreiung bis zu Kartell- und Schadenersatzfragen. Das Gutachten hatte Konsequenzen: Villiger und Vollmüller mussten die Fifa verlassen.

Das wirklich Relevante bleibt im Dunkeln

Seit das publik ist, hat Infantino ein Problem. Die Uefa stemmt sich gegen sein "Project Trophy". Und wenn der relevante Teil der Fußballwelt - Europa - nicht mitzieht, ist der Deal tot. Denn für neue Formate zwischen Feuer- und Neuseeland blättert kein Investor Milliarden hin.

Mit allerlei Finten versucht Infantino daher, das Milliardengeschäft zu retten. Das soll bereits beim nächsten Vorstandstreff im März abgesegnet werden - bisher ohne Aufklärung zu den Hintergründen. Die gab es auch nicht beim Treffen einer neu geschaffenen Taskforce, die unter der Regie von Infantinos Adjutanten Zvonimir Boban tagte. Die Taskforce befasse sich mit den sportlichen und technischen Fragen der neuen Formate, teilt die Fifa mit. Das wirklich Relevante, der geplante Rechte-Ausverkauf, bleibt weiter im Dunkeln.

Und dieselbe Masche spielt Infantino nun beim Versuch, die 211 Verbände der Welt einzeln zu bekehren. Von Dienstag bis Donnerstag fanden in Katar die ersten drei von insgesamt neun "Fußball-Gipfeln" statt. Ein Kernthema der Agenda: "die Zukunft der Fifa-Wettbewerbe".

Die "Zukunft": Das ist der Milliarden-deal. Infantinos Plan sieht nun so aus, dass erst die Kleinverbände eingewickelt werden sollen, die sich kaum bis gar nicht für Turniere interessieren, in denen sie keine Rolle spielen - die aber dieselbe Stimme in der Fifa haben wie die Großverbände. Erst am Ende geht es an die kritische Masse: Europas Topvertreter, die sich mit dem Thema nur befassen wollen, wenn sie alle Details des Milliardendeals kennen.

Zu den ersten drei "Fifa Executive Football Summits" in Doha wurden 52 Verbände eingeladen. Darunter Jemen und Gambia, Somalia und Samoa, die Cook-, die Kaiman- und die Jungferninseln, Tonga, Vanuatu und Bhutan, Nepal, Samoa und die Solomons, Guam und Lesotho. Auch neun Vertreter aus Europas Osten wurden gerufen, von Russland bis Moldawien. Alle sollten abstimmen - aber nicht darüber, ob sie die neuen Turnierformate überhaupt wollen: die reformierte Klub-WM (die aktuelle läuft fast unbemerkt seit Mittwoch, Al-Ain aus den Emiraten bezwang Phoenix Wellington im Elfmeterschießen) sowie die Weltliga, die in direkte Konkurrenz zum Kernprodukt der Fifa träte, der Fußball-WM. Abgestimmt werden sollte nur über einen festen Fragenkatalog zu Terminen, Teilnehmerzahlen und Spielmodi.

Ein manipuliertes Votum? Keineswegs, beteuert die Fifa auf SZ-Anfrage: "Jeder kann sich auch gegen jeden Vorschlag aussprechen." Jedoch fanden weder die Doha-Teilnehmer eine solche Veto-Option vor, noch ist sie in dem Fragepapier enthalten, das die Fifa vorab verschickte.

Der DFB geht auf Kollisionskurs

Die Verbände wurden in Doha in Gruppen aufgeteilt, jede Delegation erhielt ein iPad mit Fragen: Soll die World League kontinental begrenzt oder global ausgespielt werden? Soll sie anfangs auf dem Kontinent gespielt und die Finalrunde weltweit ausgetragen werden? Wie sieht die neue Klub-WM aus: 16, 24 oder 32 Teams? Jährlich, alle zwei oder alle vier Jahre? Die Antwortoptionen jeweils: Ja oder Nein. Auf Drängen europäischer Vertreter wie Georgien und Litauen wurde eine dritte hinzugefügt: Enthaltung.

Die Sache lief nicht so glatt wie von der Fifa erhofft. Die Europäer stimmten nach SZ-Informationen gar nicht ab - weil sie nicht riskieren wollen, dass ihr Votum bei der Fifa-Ratssitzung im März missbraucht werden kann. Die Verweigerung sei "hart und direkt" vorgetragen worden, bestätigt ein Beobachter der SZ.

Der DFB geht sogar auf Kollisionskurs. "Ohne nähere Fakten zu kennen und die Ergebnisse der Beratungen der Taskforce abzuwarten, ist es unseriös, nationale Verbände ganz allgemein abstimmen zu lassen, ob sie für oder gegen eine Klub-WM oder die Global Nations League sind", teilte der DFB auf SZ-Anfrage mit. "Nach unseren Informationen haben sich einige, vielleicht sogar alle in Doha anwesenden europäischen Verbände deshalb nicht an der Abstimmung beteiligt. Sie vertrauen auf die konstruktive Arbeit der Uefa-Vertreter in der Taskforce." Der Ton gegenüber den Verweigerern soll aggressiv geworden sein. Es soll ihnen sogar bedeutet worden sein, dass Infantino auch ihr Präsident sei - und ihm daher Folge zu leisten sei.

Der DFB will sich "auf keinen Fall" an Abstimmungen beteiligen

Während der Fifa-Chef in Doha also Tonga und Vanuatu umgarnte, saß in Zürich der Generalsekretär des Ligenzusammenschlusses World League Forum (WLF), Jerome Perlemuter, bei Boban. Und bekräftigte die ablehnende Position des WLF, insbesondere von Europas Ligen. Die Großen misstrauen Infantino. In den Fokus rückt die Frage, warum er so verzweifelt an einem Geheimprojekt festhält, dessen Hintergründe er nicht mal den Fifa-Vorständen enthüllt. Dieses Verhalten legt beunruhigende Schlüsse nahe.

Die Fifa-Gipfel vier bis sechs folgen Mitte Januar in Marrakesch und Ende Januar in Rom. Der DFB ist erst zum neunten geladen, aber Präsident Reinhard Grindel, der auch in den Vorständen von Fifa und Uefa sitzt, sagte der SZ: "Der DFB wird sich auf keinen Fall beim Fifa-Gipfel in Rom an Abstimmungen beteiligen, sondern erwartet, dass die Fifa-Administration bei dieser Gelegenheit alle Informationen zu den beiden Wettbewerben auf den Tisch legt."

Das genau ist offenbar Infantinos Problem: alle Informationen preiszugeben. Denn selbst wenn die Welt begeistert wäre von den neuen Turnieren, eines ist völlig klar: Sie brächten nicht den Bruchteil von 25 Milliarden Dollar ein. Der Ausverkauf der Fifa-Rechte hingegen schon.

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Quelle:
SZ vom 15.12.2018/tbr
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