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Sportpolitik:Ein Freund, ein guter Freund

FILE PHOTO: FIFA President Gianni Infantino Media Briefing

Rätselhafte Treffen mit der Staatsanwaltschaft: Gianni Infantino.

(Foto: Murad Sezer/Reuters)
  • Gegen den Schweizer Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold wurde intern ermittelt. Es ging um sein Verhältnis zu Fifa-Boss Gianni Infantino.
  • Sonderermittler Damian Graf fand heraus, dass Arnold teure Geschenke von Infantino bekam und es ein geheimes Treffen gab. Doch das Verfahren wurde nun eingestellt.
  • Die 20-seitige Einstellungsverfügung gibt Einblick in eine Realsatire.

Am Freitag legte Damian Graf, Sonderermittler im Kanton Wallis, seine Einstellungsverfügung zur internen Strafuntersuchung gegen den Kollegen Rinaldo Arnold vor. Das 20-seitige Papier verrät, wie wenig hohe Amtsträger von der Schweizer Justiz zu befürchten haben. Und es zeichnet das Gebaren von Gianni Infantino nach, dem welthöchsten Fußballfunktionär. Weil aber die Ungereimtheiten im Verhältnis zwischen Fifa und der Justiz, die offiziell gern behauptet, dass sie seit 2015 ganz hart in den Korruptionssümpfen um den Weltverband ermittle, längst haarsträubend sind, sei hier die Realsatire niedergeschrieben, die sich in großer Klarheit aus dem neuen Justizpapier ergibt.

Gianni Infantino war wohl ein einsamer Mann. Kaum Freunde; na gut, bis auf den Schulfreund Rinaldo, vor Jahrzehnten im Walliser Heimatort Brig. Aber bald verlor er ihn aus den Augen. Gianni machte steil Karriere, bis sich das große Ziel auftat: der Fifa-Thron. Er zog mit Mitteln der europäischen Fußball-Union Uefa 2015 in die Wahlschlacht, parallel passierte es: Gianni fand den Freund fürs Leben, Rinaldo Arnold.

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Der Bub aus Brig war mittlerweile Oberstaatsanwalt. Aber nein, das spielte für die jäh erblühte Freundschaft keine Rolle. Gianni mochte ihn einfach, deshalb lud er ihn zu Uefa-Treffen ein oder schenkte ihm Karten fürs Champions-League-Finale. Als Fifa-Boss, der er ab Februar 2016 war, griff er noch tiefer in die Geschenkekiste: Arnold jettete zum Fifa-Kongress nach Mexiko, wo er Infantino, laut Justizpapier, über den Trennungsschmerz von der abwesenden Familie hinweghalf. Bei der WM in Russland erhielt Arnold sieben VIP-Karten und adäquate Unterkunft, wobei die Tickets von der Güte waren, dass er ein Selfie mit einem anderen Logen-Gast schießen konnte, Spaniens König Felipe VI. All die Freundesgaben addierten sich auf rund 20 000 Franken, nicht eingerechnet die Vip-Karten, denen Experten allein einen fünfstelligen Gesamtwert zuordnen.

Trotzdem, es fehlte den Freunden die Nähe. So traf sich gut, dass die Fifa ein mit 75 000 Franken pro Jahr dotiertes Amt in ihrer Schlichtungsstelle besetzen wollte. Dafür wurde Arnold auserkoren, dessen Ruf als Idealbesetzung bis in die Fifa vorgedrungen war - und das sicher ganz ohne Zutun von Freund Infantino! Oder? Die Fifa will diese Frage nicht beantworten.

Aus der Berufung wurde nichts, im Herbst 2018 funkte die Presse dazwischen. Das diskrete Amigo-Verhältnis, zu dem auch Arnold tüchtig beigetragen hatte, flog auf, und brachte plötzlich die Berner Justiz ins Zwielicht. Der Bundesbeamte, der jahrelang die Korruptionsermittlungen der Bundesanwaltschaft (BA) im Fifa-Komplex geführt hatte, musste gehen. Auch die Walliser Justiz sorgte sich nun um die Rolle ihres Oberstaatsanwalts. Sie schob die interne Ermittlung unter Damian Graf an.

Denn der üppig beschenkte Arnold hatte ja seinerseits viel Gutes für Infantino getan. Gleich nach der Thronkür arrangierte er dem Fifa-Boss zwei Treffen, die laut Compliance-Experten kein Normalbürger erhält: mit Bundesanwalt Michael Lauber. Laubers Leute ermittelten da bereits um die Fifa, sie hatten sogar Infantinos vormalige Arbeitsstätte, die Uefa, heimgesucht und ein Verfahren gegen Unbekannt eröffnet: wegen eines sinistren TV-Deals, der Infantinos Unterschrift trug. Arnold bat die BA auch um eine positive Presseerklärung pro Infantino. Das war selbst Bern zu viel. Herbst 2018 räumte Lauber öffentlich zwei Treffen mit Infantino ein, er pochte jedoch darauf, das seien übliche "Koordinationstreffen" gewesen. Warum sie weder protokolliert wurden noch in der Behörde stattfanden, warum Arnold dabeisein durfte, erklärte Lauber nicht. Der Mann, der im Juni als Chefankläger der Schweiz wiedergewählt werden will, fand das alles okay und ließ darlegen, auch die Aufsichtsstelle für die BA habe ja nur den Verzicht aufs Protokollieren der Treffen moniert.