Fifa und Infantino VIP-Tickets für den Oberstaatsanwalt

Machte er Geschenke mit WM-Tickets? Gianni Infantino.

(Foto: AFP)
  • Rund um Fifa-Boss Infantino zeigt sich erneut, wie nachlässig die Schweizer Justiz mit ihm umgeht.
  • Er soll einem Oberstaatsanwalt VIP-Tickets gegeben haben - die Justiz stellt das Verfahren aber ein.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

In der Affäre um das Verhältnis zwischen Fifa-Chef Gianni Infantino und der Schweizer Justiz gibt es eine irritierende Entscheidung der Staatsanwaltschaft Wallis. Der Sonderermittler Damian Graf stellte jetzt ein Strafverfahren gegen Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold (Verdacht auf Vorteilsannahme) ein. Der Beschluss passt in eine Reihe denkwürdiger Vorgänge der Schweizer Justiz im Umgang mit dem Fußball-Weltverband: Denn gemäß der Einstellungsverfügung, die der SZ vorliegt, ergab die Untersuchung des Sonderstaatsanwalts mehr Zweifel am Verhalten der Beteiligten.

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Im Herbst war aufgeflogen, dass Arnold für seinen Jugendfreund Infantino Treffen mit der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) organisiert und zugleich Geschenke wie Tickets für die WM in Russland erhalten hatte. Das ist umso pikanter, als die BA seit 2015 im Fußball-Korruptionssumpf ermittelt. In einem Fall spielte Infantino sogar selbst eine Rolle.

Nun ergab Grafs Ermittlung, dass Arnold nicht nur (wie bekannt) zwei Treffen mit hohen BA-Vertretern im Frühjahr 2016 einfädelte. Im Juni 2017 soll ein drittes Treffen zwischen BA, Infantino und Arnold stattgefunden haben. Darüber hätte ihn aber, so der Sonderermittler, zunächst keine der Parteien informiert. Auf SZ-Anfrage, warum das Treffen verheimlicht wurde, reagierte die BA ausweichend, ohne konkrete Antwort. Auch soll Arnold dem Sonderermittler falsche Angaben über die Kosten für den WM-Besuch gemacht haben. Laut Einstellungspapier sagte er, diese selbst getragen zu haben; die Fifa indes habe Dokumente übermittelt, wonach sie die Hotelkosten übernahm. Den Gesamtwert der Zuwendungen, die Arnold 2016 und 2018 von Uefa und Fifa "namens und im Auftrag" Infantinos erhielt, beziffert Graf auf 15 261 Franken; plus sieben Vip-Tickets, "deren Wert auf mehrere Tausend Franken zu schätzen" seien. Dies seien "erhebliche, sozial unübliche Vorteile".

Dabei stand der größte finanzielle Nutzen für Arnold in diesem Kontext offenbar noch bevor. Im Herbst 2018 sei seine Ernennung zum Vizechef einer Fifa-Kommission vorgesehen gewesen; das Amt ist laut Jahresbericht mit 75 000 Franken per annum vergütet. Dazu kam es nicht - "offenbar als Folge" der ersten Berichterstattung zum Thema, wie Graf festhält. Trotz alledem stellte Graf das Verfahren ein. Kernargument: Arnold habe nicht als Amtsträger, sondern als Privatperson gehandelt.

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Der Schweizer Strafexperte Mark Pieth bestätigt zwar, dass es für die Vorteilsannahme einen Bezug zum Amt brauche und "einen Vorteil, der in die Zukunft wirkt". Beides habe Graf aber nicht überzeugend ausgeschlossen: Die normale Bevölkerung habe "keinen Zugang zur BA, da könnte helfen, dass der Beschuldigte ,Kollege' war". Zudem habe Arnold ja offenbar "auf eine künftige Funktion bei der Fifa spekuliert". Wollte Infantino selbst den Freund ins teure Amt bugsieren? Die Fifa reagiert barsch: "Das ist erledigt, mehr kommentieren wir nicht."

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