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FC Liverpool:Jürgen Klopp im Arbeitskampf

Premier League: Jürgen Klopp beim Spiel Wolverhampton Wanderers gegen FC Liverpool

Pocht auf seine Winterpause: Liverpool-Coach Jürgen Klopp.

(Foto: Action Images via Reuters)
  • Jürgen Klopp weigert sich, mit dem FC Liverpool zum Wiederholungsspiel im Pokal Anfang Februar anzutreten.
  • Der Termin liegt in der Winterpause, die die Premier League in dieser Saison erstmals einlegt.
  • Von anderen Mannschaften kommt teilweise harte Kritik.

Die Champions League hat Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool schon gewonnen, dass er englischer Meister wird, ist ebenfalls wahrscheinlich. Nun hat der Trainer eine neue Mission: Klopp, "the German coach", erklärt den Briten den Sinn der Winterpause. Erstmals überhaupt legt die Premier League im Jahr 2020 eine winterliche Unterbrechung ein; keine lange, nicht wie in Deutschland von Mitte Dezember bis Mitte/Ende Januar, aber immerhin: Vom 2. bis zum 15. Februar sollen die Spieler des FC Liverpool freihaben. Fast 13 Tage.

Zumindest in der Theorie, denn als sich der FC Liverpool am Dienstagabend in der dritten Runde des FA Cups beim Drittligisten Shrewsbury Town blamierte (2:2), handelte sich der Klub gemäß der Regularien ein Wiederholungsspiel ein: am 4. Februar. Darauf angesprochen reagierte Klopp unwirsch. Nur zehn statt 13 Tage Pause? "Wir werden nicht da sein", kündigte Klopp an.

Er sehe gar nicht ein, die Winterpause zu verkürzen, nur weil die Verbände ihre Terminangelegenheiten nicht geregelt bekämen. Klopp will die U23 mit Trainer Neil Critchley schicken, "die Kids", wie Klopp sagt: "Ich weiß, dass das nicht sehr populär ist, aber ich sehe das so." Auf seine Winterpause, diese urdeutsche Angelegenheit, will Klopp nicht verzichten, wenn er sie nun schon mal hat. Der Trainer des Arbeitsvereins aus der Arbeiterstadt tritt in den Arbeitskampf - passt ja.

Auf 37 Pflichtspiele kommen Klopps Profis seit August

Wirklich populär ist der Entschluss tatsächlich nicht. Der Vorgang sei "beispiellos, ich bin wirklich enttäuscht", sagte der TV-Experte Martin Keown, der Klopp Überheblichkeit vorwirft, wobei zur Einordnung zu wissen hilft, dass Keown als Profi fast 100 Ligaspiele für Liverpools Merseyside-Rivalen FC Everton absolvierte. Vom Drittligisten Accrington Stanley, einem Ligakonkurrenten von Shrewsbury, kommt ebenfalls harsche Kritik. "Das ist eine Schlacht, die die FA gewinnen muss", andererseits werde ihr "Parade-Wettbewerb komplett untergraben", sagte Accrington-Besitzer Andy Holt: "Liverpool muss getadelt und schwer bestraft werden. Der Fußball gehört nicht ihnen. Er gehört uns allen." Die FA verwies bislang nur darauf, dass die Klubs den Terminplan ja abgesegnet hätten.

Die Situation ist tatsächlich zum Kopfschütteln. Während die Premier League die Winterpause durchgesetzt und die Vereine per Briefpost sogar gebeten hat, in dieser Zeit keine Testspiele anzusetzen, setzt die altehrwürdige FA, die den Pokal austrägt, ihre "Replays" exakt in die freien zwei Wochen, wohl auch in Ermangelung anderer, freier Termine. Klopp sagt, die Funktionäre könnten "nicht mit uns umspringen, als würde das niemanden interessieren", denn eins sei klar: Die Premier League habe um diese Pause gebeten. Und seine Spieler bräuchten diese auch.

Auf 37 Pflichtspiele kommen Liverpools Fußballer seit August bereits, inklusive aller Sperenzchen wie der Klub-WM, die im Dezember bereits dafür sorgte, dass die Termine kollidierten. Binnen 24 Stunden sollte Liverpool im Ligapokal und beim Klub-Wettbewerb antreten. Klopp schickte damals seine "Kids", die im Ligapokal 0:5 gegen Aston Villa untergingen.

Was hinter Klopps harter Haltung steckt: Die Premier League biegt in ihre entscheidenden Wochen ein, wenn Liverpool weiter so erfolgreich ist und siegt, werden die Konkurrenten den aktuellen 16-Punkte-Vorsprung nicht mehr entscheidend verringern können. Eine Winterpause zur Regeneration passt Klopp da bestens in den Plan; und wen kümmert schon dieser FA Cup, wenn am Ende die erste Liverpooler Meisterschaft seit 1990 stünde? Am Mittwoch geht es zunächst auswärts bei West Ham weiter, dann noch das Heimspiel gegen Southampton (1. Februar), dann die Pause. 13 Tage frei, nicht zehn.

© SZ.de/chge
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