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FC Bayern vor Donezk-Spiel:Es droht der signalrote Bereich

Großes Lob für Schachtjor Donezk: Bayern-Trainer Pep Guardiola.

(Foto: AFP)
  • Der FC Bayern blickt mit kleinen Sorgen auf das Spiel gegen Donezk - nach dem 0:0 im Hinspiel müssen unbedingt Tore her.
  • Xabi Alonso fällt gesperrt aus
  • Frank Ribéry: "Wir dürfen nicht denken: Wir spielen zu Hause und gewinnen locker 3:0."

Von Jonas Beckenkamp

Die schicken Klamotten ließ Pep Guardiola diesmal im Schränkchen, dafür trug er einen knalligen Sportsweater. Natürlich steht diesem Mann von Welt jede Farbe, er hätte auch Lila, Grau oder Magenta tragen können - sind ja auch super, super Farben. Aber der Bayern-Coach kleidete sich in Signalfarbe Rot und das passte irgendwie zu seinen Ausführungen. Es gilt aufzupassen im vielleicht wichtigsten Spiel der bisherigen Saison. Die Bayern gehen mit einer Hypothek ins Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Schachtjor Donezk.

Das Hinspiel war ein ziemliches Gekloppe, es ging knackig zur Sache und Xabi Alonso sah nach mehreren unsanften Aktionen die gelb-rote Karte - die Signalfarbe lernte also auch der Spanier kennen. Dass es am Ende 0:0 stand, gibt Anlass zur Sorge, denn "wir müssen ein Tor schießen", wusste Guardiola auf der Pressekonferenz an diesem Dienstag zu berichten. Der Katalane ist keiner, der zu übermäßigem Optimismus neigt, deshalb zierten seine Stirn in diesem Moment ein paar Sorgenwölbungen. In Kombination mit dem roten Pulli ergab das ein interessantes Bild.

Ein Treffer der Münchner würde freilich nur dann reichen, wenn die Ukrainer keinen erzielen, aber solche Rechenspiele will Guardiola gar nicht erst zulassen. Am besten wären zwei oder drei Tore gegen das seltsame Gefühl. Das Gefühl, dass es doch schief gehen könnte. Dass mit einem Ausscheiden die ganze Saison in den roten Signalbereich purzeln würde. Dieses Szenario ist eigentlich kaum vorstellbar bei den Über-Bayern, die in der Bundesliga fast nie 0:0 spielen, sondern gerne mal 8:0 oder 6:0. Aber Donezk ist eben nicht der HSV.

"Wenn Schachtjor in der Bundesliga wäre, bin ich sicher, dass sie um den Titel mitspielen könnten", versicherte Guardiola - eine solch hohe Meinung dürfte er vom ukrainischen Titelträger exklusiv haben. Sollte am Mittwoch das Aus kommen, hätte man "ein großes Problem", denn es gäbe dann "viel Druck, viel Kritik". Trotz aller Respektsbekundungen überwog schließlich doch der Glaube in die eigene Mannschaft, die ist ja auch nicht so schlecht - und spielt in der Bundesliga, nun ja, um den Titel.

Abgesehen von den weiterhin fehlenden Philipp Lahm, Thiago und Javi Martínez seien alle Spieler fit, berichtete der Trainer, er gehe bei allen Warnungen auch mit "viel Vertrauen" in sein Team in die Partie. Eine ähnliche Gemütslage schlug Franck Ribéry an, der vor eigenem Publikum nicht an ein mögliches Scheitern zu denken wagt: "Wir müssen vom Kopf her frei sein - ohne Angst."

Ribéry wusste auch, wie das mit der Psyche genau geht: "Wir dürfen nicht denken: Wir spielen zu Hause und gewinnen locker 3:0. Wir müssen konzentriert sein." Dass besonders der Franzose nicht dazu tendiert, sich zu fürchten, dürfte den Bayern ebenso entgegen kommen wie die Genesung von Verteidiger Holger Badstuber.

Der Linksfuß dürfte nach den Formproblemen seines Kollegen Dante (und dessen früher Auswechslung in Hannover) diesmal neben Jérôme Boateng in der Abwehr spielen. Er gab sich im Abschlussgespräch konzentriert, aber auch entspannt, es sei ein Spiel der Sorte "hopp oder topp."

Dieses Motto gilt auch für die Aufstellung, denn zumindest im Mittelfeld sind Umbauten erforderlich, um Xabi Alonsos Ausfall aufzufangen. Bastian Schweinsteiger wird deshalb wohl vor der Abwehr alleine agieren, was zuletzt die effektivere Variante war, als ein Duett mit David Alaba. "Basti wird die Mannschaft führen", hatte Torwart Manuel Neuer schon am Montag gesagt. Er trug dabei ein schwarzes Shirt. Neuer ist eben keiner, der Signalfarben braucht.

(Mit Material von sid)

© SZ.de/dpa/jbe
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