FC Bayern in der Einzelkritik:Lewandowski wird emotional

Lesezeit: 4 min

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(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Nachdem Salihamidzic den Abschiedswunsch des Stürmers offiziell macht, geht Lewandowski sichtlich bewegt in die Kurve. Trainer Nagelsmann löst ein Versprechen ein. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Felix Haselsteiner, Wolfsburg

Manuel Neuer

Gilt gemeinhin als recht ehrgeiziger Spieler, dürfte also kaum damit zufrieden sein, dass er mit dem FC Bayern das letzte Saisonspiel in der Volkswagen-Arena bestritt und nicht etwa im Berliner Olympiastadion (DFB-Pokal) oder im Stade de France in Paris (Champions League). In der Vergangenheit hatte er an solchen Bundesliga-Tagen immerhin Zeit, in Ruhe über mögliche Verbesserungen in der Zukunft nachzudenken oder ein gutes Buch zu lesen, nur lässt das die Bayern-Defensive im Mai 2022 nicht zu: Neuer musste auch gegen Wolfsburg eingreifen und zweimal hinter sich greifen, worin eine der Antworten auf die Frage lag, warum der FC Bayern in diesem Jahr kein Finale erreicht hat.

Josip Stanisic

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(Foto: IMAGO/Joachim Sielski/IMAGO/Joachim Sielski)

War bislang in der Bundesliga nicht für Torgefahr bekannt und bekam daher bei einem Eckball in der 17. Minute weniger Aufmerksamkeit von Wolfsburgs Hintermannschaft als etwa Robert Lewandowski, dessen Torgefahr bis heute viele Niedersachsen in ihren Albträumen heimsucht. Nutzte das bisschen Freiraum für einen sehenswerten Lupfer-Kopfball zum 1:0, kann nun die Sommerpause über von seinem zweiten Treffer für den FC Bayern träumen - oder von Noussair Mazraoui, seinem neuen Konkurrenten auf der rechten Abwehrseite.

Dayot Upamecano

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(Foto: RONNY HARTMANN/AFP)

Kennt das Stade de France als Franzose bestens und wirkte vollumfänglich zufrieden damit, am 34. Spieltag als Münchner Abwehrchef aufzulaufen, das war schließlich im Saisonverlauf nicht immer der Fall gewesen. Sollte sich auch weiterhin darauf konzentrieren, unbedeutende Partien gegen Wolfsburg als Weiterbildung zu nutzen. Nicht dass der FC Bayern irgendwann doch wieder große Spiele bestreitet - ohne Upamecano als Chef.

Lucas Hernandez

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(Foto: IMAGO/IMAGO/MIS)

Ist ebenfalls noch nicht der erhoffte Chef-Nachfolger von David Alaba in der Münchner Abwehr, sondern besticht meist durch Unauffälligkeit. War auch gegen Wolfsburg nur selten in Aktion zu sehen, außer wenn er zu spät kam. So wie beim 2:2 von Max Kruse.

Alphonso Davies

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(Foto: IMAGO/Teresa Kröger/IMAGO/Kirchner-Media)

Verhinderte in der 24. Minute einen Treffer, aber leider auf der falschen Seite: Rannte beim Abschluss von Jamal Musiala in Torwart Koen Casteels rein und behinderte diesen bei einer möglichen, aber eher aussichtslosen Parade, sodass der Schiedsrichter die Chance abpfiff. Ein durchaus historischer Moment: Zum ersten Mal in seiner Karriere als Bayern-Spieler hätte es Davies gut getan, nicht so schnell zu laufen.

Joshua Kimmich

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(Foto: RONNY HARTMANN/AFP)

Völlig egal ob der FC Bayern in großen europäischen Arenen, in Drochtersen/Assel oder eben in Wolfsburg spielt: Joshua Kimmich ist stets der erste Spieler auf dem Platz zum Aufwärmen. Ließ auch am 34. Spieltag nichts von seinem Organisationstalent vermissen, leitete das Spiel der Münchner von hinten nach vorne, spielte gute Pässe und bestritt Zweikämpfe, wo immer er konnte. Dürfte allerdings auch erster Unterzeichner von Manuel Neuers Petition für bedeutungsvollere Spiele am Saisonende sein.

Leon Goretzka

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(Foto: RONNY HARTMANN/AFP)

Stellvertretender Schulleiter auf der Joshua-Kimmich-Schule für die richtige Einstellung gegenüber unwichtigen Bundesligaspielen. Ging lange Wege und richtete nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich mahnende Worte an Rechtsverteidiger Stanisic. Wird auch in der kommenden Saison für Disziplin auf Münchner Klassenfahrten sorgen.

Jamal Musiala

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Hat in Wolfsburg vor etwas mehr als einem Jahr mal ein sehenswertes Tor nach einem Dribbling erzielt, damals war das noch recht sensationell: Diesem talentierten Musiala war einiges zuzutrauen! Hat seitdem konsequent alle an ihn gerichteten Erwartungen erfüllt, spielte in Wolfsburg erst auf Links-, dann auf Rechtsaußen und nahm "mit regem Interesse am Spiel teil", so sein Zeugniseintrag an Kimmichs Schule. Mittlerweile braucht es schon verirrte Laufwege schneller Mitspieler, um seine Tore zu verhindern.

Serge Gnabry

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(Foto: IMAGO/Eibner/Memmler/IMAGO/Eibner)

Bekam über die gesamte Spielzeit so viele lange Zuspiele von Joshua Kimmich serviert, dass er gar nicht anders konnte als viel zu laufen. War ein ständiger Gefahrenherd auf Rechtsaußen, allein die Präzision bei Flanken fehlte ihm. Ärgerte sich über zahlreiche geblockte Schüsse und wurde in der 67. Minute für Leroy Sané ausgewechselt.

Thomas Müller

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(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Hat schon oft in wichtigen Spielen wichtige Tore erzielt, verzichtete in Wolfsburg entsprechend und ließ anderen den Vortritt. Spielte unauffällig, was bei Müller allerdings bedeutet, dass er unter dem Strich ein Tor und zahlreiche Chancen vorbereitete. Ging am 34. Spieltag nach 60 Minuten vom Feld, in einer normalen Bayern-Saison könnte man von Schonung für die Finalspiele sprechen, aber wie schon gesagt...die entsprechende Petition liegt vor.

Robert Lewandowski

FC Bayern in der Einzelkritik: Robert Lewandowski klopft vor den Fans mit der Hand auf das Bayern-Wappen.

Robert Lewandowski klopft vor den Fans mit der Hand auf das Bayern-Wappen.

(Foto: Darius Simka/Imago/regios24)

Erzielte gegen den VfL Wolfsburg sein 50. Pflichtspieltor in dieser Saison, aber damit war zu rechnen gewesen. Viel entscheidender waren die kleinen Gesten auf der Suche nach der Erkenntnis, ob es denn auch Lewandowskis letztes Tor für den FC Bayern gewesen sein könnte. Tendenz: gut möglich. Schließlich verkündete Sportvorstand Salihamidzic vor dem Spiel erstmals offiziell, dass der Stürmer den Klub über seinen Abwanderungswunsch informiert habe. Nur wann der Abschied sein wird - diesen oder nächsten Sommer - weiß man nicht. Also, gab es Zeichen? Einmal etwa verzichtete er auf den Abschluss zu Gunsten seines Mitspielers, war das schon ein Abschiedsgeschenk?

Trainer Nagelsmann versuchte es jedenfalls noch mit einer finalen Bitte-bleib-Charme-Kampagne und brachte Christian Früchtl für Kapitän Neuer ins Spiel - wodurch Lewandowski die finalen Minuten des Spiels als Mannschaftskapitän verbrachte. Direkt nach dem Spiel erhielt er dann noch die Torjägerkanone, ging alleine in die Kurve, ließ sich von den Bayern-Fans feiern und klopfte sichtlich emotional mit der Hand aufs Bayern-Wappen. Das sah schon sehr nach Goodbye aus.

Und dass er nach dem Spiel selbst im Interview mit einem polnischen Sender meinte, es könne gut sein, dass dies sein letztes Bayern-Spiel war, stützte den Eindruck. "Klar, ich habe noch ein Jahr Vertrag. Ich habe aber gesagt, dass wir die beste Lösung für beide Seiten finden müssen. Wir müssen abwarten, was passiert", sagte er schließlich dem TV-Sender Sky.

Eric Maxim Choupo-Moting

Kam für Thomas Müller ins Spiel und hätte mehrfach die Gelegenheit zum 3:2 gehabt. Scheiterte daran, durfte aber immerhin nochmal ein paar Minuten gemeinsam mit Robert Lewandowski auf dem Feld verbringen. Wer weiß, wie oft das noch geht!

Leroy Sane

Normalerweise nicht gerade Lieblingsschüler des Duos Kimmich/Goretzka, wenn es um Einsatz geht. Schien sich in Wolfsburg allerdings etwas vorgenommen zu haben: Versuchte alles, um das 2:2 noch in einen Bayern-Sieg zu verwandeln, verpasste den entscheidenden Treffer aber knapp.

Omar Richards/Gabriel Vidovic/Christian Früchtl

Kamen in der 81. Minute ins Spiel und sorgten dafür, dass die Ankündigung von Nagelsmann, er werde in der Endphase der Saison noch Talenten Spielzeit verschaffen, wahr wurde. Zumindest ein kleines bisschen.

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