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FC Bayern:Sie werden's nicht glauben: Thomas Müller ist doch fehlbar

FC Bayern Muenchen v Club Atletico de Madrid - UEFA Champions League Semi Final: Second Leg

Einmal nicht der strahlende Sieger: Thomas Müller.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Müllerthomas als tragische Figur - wann hat man das zuletzt erlebt? Seriös geschätzt: Eigentlich nie. Das Spiel gegen Atlético markiert die erste kleine Verletzung in seiner Karriere.

In der 31. Minute dieses Spiels kam einem Thomas Müller sehr bekannt vor. Es gab Freistoß für den FC Bayern, und Müller machte das, was er noch besser kann als Tore schießen: Er redete. Er sprach auf Augusto Fernández ein, verwickelte Diego Godin in einen Dialog, auch Schiedsrichter Cüneyt Cakir bekam ein paar Worte ab. Dann sagte Müller etwas zu Arturo Vidal, und das war alles recht bewundernswert, weil Müller eigentlich gar keine Zeit zum Reden hatte. Erst schubste ihn Fernando Torres in der Mauer herum, dann tauschte Müller kleine Rempler mit Fernandez aus, schließlich hüpfte er über die gesprühte Linie von Schiedsrichter Cakir und wieder zurück.

Müller ist ein gefürchteter Multitasker, er kann reden, schubsen, reden, rempeln, reden, hüpfen und reden gleichzeitig, und an einem guten Tag hätte er noch den Freistoß geschossen und nebenbei, selbstredend, die Mauer beiseite geschoben. Das Selberschießen ließ er an diesem Tag, das Beiseiteschieben gelang ihm dafür besonders eindrucksvoll: Als Xabi Alonso schoss, ging Müller in die Knie und machte einen natürlich sehr unsportlich aussehenden Buckel - er zog dabei aber auch zwei sportliche Spanier mit, und so sauste der Ball durch eine freigemüllerte hohle Gasse zum 1:0 ins Netz.

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Einer wie Müller ist in der Branche gar nicht vorgesehen, deshalb gibt es auch keine angemessenen Statistiken für ihn. Ohne ihn wäre dieses 1:0 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League kaum gefallen, so eine Aktion hätte ihm ganz dringend einen Assistpunkt einbringen müssen. Aber Punkte für Freistoßmauerbuckel werden noch nicht vergeben. Müller muss sich seine Einträge einstweilen anders besorgen, mit Elfmetern zum Beispiel.

Müller plötzlich in der Defensive

Der FC Bayern hat das Champions-League-Finale zum dritten Mal in Serie verpasst, aber als später die Gründe verhandelt wurden, ließ sich gegen den üblichen Verdächtigen selbst bei penibelster Suche nichts vorbringen. Selbst die fundamentalistischsten Mia-san-mia-Traditionalisten haben aus Taktik, Aufstellung und Coaching keinen Vorwurf an Pep Guardiola konstruieren können, und so lag eine verbotene Frage nahe: Hat etwa ein Mia-san-mia-Traditionalist das Duell verloren? Hat's diesmal der Müller vercoacht?

Fußball könne "extrem unfair" sein, das hat Müller nach dem um ein Tor zu niedrigen 2:1-Sieg gegen Atlético Madrid ja selbst gesagt, aber so unfair, dass man die obige Frage bejahen sollte, ist der Fußball dann vielleicht auch wieder nicht. Allerdings hat Müller nur drei Minuten nach seiner buckligen Torvorbereitung tatsächlich einen Elfmeter verschossen, Torwart Jan Oblak war tatsächlich cooler als er. "Zu diesem Zeitpunkt hätte uns eine 2:0-Führung natürlich gut getan", räumte Müller später ein, "aber eine Garantie für ein Weiterkommen wäre es auch nicht gewesen."

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Als Thomas Müller das sagte, kam er einem gar nicht mehr bekannt vor. Ungewöhnlich war ja nicht nur, dass er in der Mixed Zone kein Witzchen machte, kein Kalauer kam über seine Lippen, keine freche Gegenfrage. Wenn man einen Elfmeter schieße, gebe es "immer zwei Möglichkeiten, entweder der Ball geht rein oder er geht nicht rein": Solche Sachen sagte er. Aber ein unorigineller Müller war nicht das Exotischste an diesem Gespräch. Das Exotischste war die Gesprächsgrundlage.

Thomas Müller in der Defensive: Wann hat man das zuletzt erlebt? Seriös geschätzt: Eigentlich nie.