Nagelsmann-Debüt beim FC Bayern:Dämpferle im Schwarzwald

Sport Bilder des Tages Chef-Trainer Julian Nagelsmann (FC Bayern Muenchen) gibt Anweisungen am Spielfeldrand, FC Bayern

Julian Nagelsmanns erste Partie als Bayern-Coach lief solala.

(Foto: Christian Kolbert/imago)

Die Münchner präsentieren beim 2:3 im Test gegen Köln eine Elf aus lauter Nachwuchsprofis. Der neue Trainer Nagelsmann sieht eine konfuse Defensive - und beklagt drei weitere Verletzte. Müssen die Bayern vielleicht doch noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden?

Von Jonas Beckenkamp, München

Die unwichtigste Nachricht zuerst: Der FC Bayern hat das erste Spiel mit dem neuen Trainer Julian Nagelsmann verloren. Es war kein besonders schlimmer Auftritt, es war aber auch kein Fußballspiel, bei dem man spontan "Champs-Élysées" ruft. Das 2:3 (2:2) gegen den 1. FC Köln im Testkick in Villingen-Schwenningen werden selbst die leidenschaftlichsten Chronisten schnell vergessen haben.

Und damit zur wichtigsten Nachricht: Die Münchner hatten bereits vor der Partie gemeinsam mit den Kölnern eine Kollekte von 100 000 Euro angehäuft, um die Opfer der Hochwasser-Katastrophe zu unterstützen. "Der FC Bayern will den Menschen helfen, die unverschuldet in so schwere Not geraten sind", erklärte Vorstandsboss Oliver Kahn. "Wir wollen die Betroffenen nicht im Stich lassen", bekräftigte Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Die Bayern bieten in Villingen nur eine Art C-Mannschaft auf

Das sogenannte "soziale Gewissen" des Klubs ist also intakt, und falls sich jemand Sorgen macht: Ja, die Profimannschaft ist es trotz dieses ersten kleinen Dämpferles im Schwarzwald ziemlich sicher auch. Sie spielte nämlich gar nicht mit. Es spielte stattdessen: Eine Elf, die mit der Bezeichnung "C-Mannschaft" noch euphorisch beschrieben ist. Mitmachen durften Torben Rhein, Moritz Mosandl oder Armindo Sieb, der am Ende neben dem aus einer Leihe in Italien zurückgekehrten Joshua Zirkzee sogar einer Torschützen war.

Aber um Tore ging es diesmal nicht ausschließlich, es ging eher ums Reinfühlen und Reinschmecken für Nagelsmann, 33. Der Bayern-Coach amtiert erst seit wenigen Wochen, und bisher arbeitet er hauptsächlich mit Fußballern, die ihm fremd sein dürften. Das bayerische Personal besteht zurzeit zum großen Teil aus Teenagern und sogenannten "Ergänzungsspielern".

Als Kapitän fungierte in Villingen der Ersatzmittelstürmer Eric Maxim Choupo-Moting, der kürzlich seinen Vertrag bis 2023 verlängert hat. Die wirkliche Prominenz im Kader ist eben noch verreist. Und wer wissen will, wohin, der braucht nur Instagram aufzumachen. Der eine Teil des FC Bayern macht also noch EM-Urlaub, ein anderer Teil des FC Bayern steckt mitten in der Vorbereitung. Das ist nun die Ausgangslage für Nagelsmann.

"Ein erster Test ist immer interessant", fand er trotzdem tapfer, "in Anbetracht des Kaders war das gut." Was er genau gut fand, behielt der Trainer für sich, aber beim Blick auf den Vortrag der Münchner drängte sich der Eindruck auf, dass es eher nicht die Defensive war. Dort spielten unter anderem die Zugänge Omar Richards (FC Reading) und der 42-Millionen-Mann Dayot Upamecano (RB Leipzig), und bei den zwei Kölner Treffern vor der Pause durch Jan Thielmann und Mark Uth wirkten auch sie reichlich konfus.

Nach der Pause probierte es Nagelsmann dann mit dem Franzosen Tanguy Nianzou, 19, und dem Zwei-Meter-Nachwuchsmann Jamie Lawrence, 18. Das Resultat war, dass beide beim Gegentor zum 2:3 (wieder Uth) ebenso nur als Zuschauer fungierten. Ein Schicksal, dass sich die jungen Kerls mit dem erfahrenen Bouna Sarr teilten, der auch weiterhin kein Stammelf-Kandidat sein dürfte.

"Grundsätzlich wollen wir beim FC Bayern immer gewinnen, das gilt auch für die Testspiele", bemerkte Nagelsmann, der viele Kommandos gab und reichlich Notizen in sein Taktikbuch kritzelte. "Es war unterhaltsam, deswegen können wir auch etwas Positives mitnehmen." Nicht ganz so erbaulich gestaltet sich allerdings die Personallage. Der Spanier Marc Roca, der sich im Training einen Außenbandriss zugezogen hatte, fehlt nun mehrere Wochen. Dazu sind nun auch die Talente Christopher Scott und Taylor Booth (beide muskuläre Probleme) angeschlagen.

Am 26. Juli kommen die meisten Nationalspieler aus dem Urlaub

Den entstandenen Engpass für die weitere Vorbereitung sprach Nagelsmann offen an: "Der Kader ist momentan eh nicht so groß, jetzt haben wir auch noch drei Verletzte dazubekommen." Glücklich wirkte er dabei nicht. Gut möglich, dass die Münchner nun also doch noch etwas Stellenausbau betreiben und sich auf dem Transfermarkt umschauen. "Wir sind täglich im Austausch und sondieren den Markt, was geht und was nicht geht", sagte Nagelsmann über seine neue Zusammenarbeit mit Hasan Salihamidzic.

Die meisten der etablierten Spieler werden nach ihrem Sommerurlaub am 26. Juli zurückerwartet, Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Thomas Müller haben sogar noch bis 31. Juli Sonderurlaub. "Die folgenden Testspiele werden noch mit dem aktuellen Kader stattfinden. Das wird schwierig, da müssen wir schauen, wie wir durchkommen", sagt Nagelsmann, denn immerhin wird seine C-Elf innerhalb von acht Tagen den Topteams Ajax Amsterdam (24. Juli), Borussia Mönchengladbach (28. Juli) und SSC Neapel (31. Juli) begegnen. Mit Blick auf die jeweiligen Bayern-Aufstellungen wird - einerseits - wohl jeder verstehen, wenn da nicht drei hohe Bayern-Siege herausspringen. Andererseits weiß Nagelsmann auch: Es ist nie gut, wenn ein neuer Bayern-Trainer mit Niederlagen startet.

© SZ/schm/jkn
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