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Salihamidzic zu Flick:"Bin kein Freund von medialer Kaderplanung"

FC Bayern: Hasan Salihamidzic im Trainingslager in Doha 2020

Hasan Salihamidzic verfolgt das Training des FC Bayern in Doha.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic zeigt sich im Trainingslager überrascht von den öffentlich geäußerten Spieler-Wünschen von Trainer Hansi Flick.
  • Flick hat sich im Gespräch mit der SZ einen Defensiv- und einen Außenbahnspieler gewünscht.
  • Salihamidzic verwies darauf, dass Transfers im Winter schwierig seien.

Hansi Flick und er seien grundsätzlich einer Meinung, sagte Hasan Salihamidzic, während er auf dem goldumrandeten Stuhl in Doha saß, auf dem Vertreter des FC Bayern in diesem Trainingslager zu sitzen pflegen, wenn sie der mitgereisten Presse etwas verkünden. Dass der Sportdirektor und der Trainer beim FC Bayern die Dinge ähnlich sehen, davon ist man eigentlich ausgegangen. Aber Hansi Flick hatte sich im Gespräch mit der SZ zwei neue Spieler gewünscht und Hasan Salihamidzic fand das offensichtlich mittelgut. Überrascht sei er davon gewesen, sagte er. "Ich bin kein Freund von medialer Kaderplanung." Der Bayern-Kaderplaner wunderte sich öffentlich, warum Flick öffentlich Wünsche äußert, die er offenbar auch schon intern geäußert hatte. "Wir sind sowieso ständig im Austausch", sagte der Sportdirektor.

Warum Salihamidzic kein Freund von medialer Kaderplanung ist, ist indes offensichtlich: Es erhöht den Druck auf ihn selbst. Wenn der Cheftrainer gern zwei Spieler hätte und der Sportdirektor sie nicht liefern kann - dann steht der Sportdirektor blöd da. "Hansi spürt den Erwartungsdruck als Cheftrainer des FC Bayern", sagte Salihamidzic. Ein Satz, den man als Erklärung für Flicks öffentliche Wünsche, aber auch als kleine Retourkutsche für den von Flick an ihn weitergegebenen Druck sehen kann.

Aber wie gesagt, meinte Salihamidzic, man sei ja einer Meinung. Er prüfe, ob es möglich sei, sich im Winter zu verstärken. Aber das sei nicht so einfach, Top-Spieler würden mitten in der Saison von den Klubs in der Regel nicht freigegeben. "Ich möchte unserem Trainer helfen, aber es ist schwer", sagte Salihamidzic. Man sei noch "in keiner Sache weit". Wichtig sei ein Spieler, der dem Team sofort weiterhilft.

Die Verletzten sieht er zudem auf einem guten Weg. Dabei verkündete der FC Bayern erst jüngst, dass neben den Langzeitverletzten Niklas Süle und Lucas Hernández auch Kingsley Coman (Knieverletzung), Javi Martínez (Muskelbündelriss) und Serge Gnabry (Achillessehnenprobleme) erst mal ausfallen. Eine klar positive Prognose gibt es derzeit nur für Robert Lewandowski, der nach einer Leisten-Operation in München trainiert. Auch Thiago reiste vorzeitig aus dem Trainingslager ab - allerdings, weil seine Frau ihr zweites Kind erwartet.

Mitkonkurrent Dortmund holte den umworbenen Stürmer Haaland

Die Saisonziele, sagte Salihamidzic, sehe er auch nicht gefährdet, wenn keine neuen Spieler kämen. Sein Trainer ist da skeptischer. Der SZ sagte Flick: "Ich finde es gut, wenn sich Bayern München die höchsten Ziele steckt, aber wenn man von 'pack mas' und 'voll angreifen' und allen möglichen Titeln spricht, braucht man auch einen Kader, der in der Tiefe genügend Substanz und Qualität besitzt."

Mitkonkurrent Borussia Dortmund hatte in der Winterpause den umworbenen Stürmer Erling Haaland verpflichtet, um die Lücke im Sturmzentrum zu schließen. Flick hätte für seine Lücken gerne einen Abwehrspieler und eine Alternative für die Außenbahn. Kandidaten könnten die Außenverteidiger João Cancelo von Manchester City und Benjamin Henrichs von AS Monaco sein. "Die Zukunft des FC Bayern hängt jetzt nicht von einem Rechtsverteidiger ab", sagte Salihamidzic. Flick ist dagegen der Meinung, dass zumindest die nähere Zukunft durchaus von einem Rechtsverteidiger abhängt. Flick sieht Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld und braucht Benjamin Pavard in der Innenverteidigung.

Salihamidzic sagte beim Pressegespräch in Doha darüber hinaus, dass es keinen Plan gebe, den neuen Torhüter Alexander Nübel zu verleihen. Zuvor hatte Manuel Neuer an gleicher Stelle gesagt, er sei nicht bereit, Spielzeit abzugeben. Auch sei ein Winter-Transfer von Leroy Sané definitiv kein Thema. Sané hätte dem FC Bayern sowieso erst mal nicht weitergeholfen, weil er noch an den Folgen seines Kreuzbandrisses leidet.

© Sz.de/schm
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