FC Bayern München Uli Hoeneß versteht die Welt nicht mehr

Redet sich im Sky-Interview zwischenzeitlich in Rage: FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß darf am Sonntag im Sky-Interview knappe zwei Stunden über die Lage des Vereins schwadronieren.
  • Kritik am FC Bayern lässt er nicht zu, dafür teilt er aus gegen Mesut Özil, die sozialen Medien und Staaten als Investoren im Fußball.
Von Vivien Timmler

Anderthalb Stunden hat es gedauert, da redet sich Uli Hoeneß das erste Mal so richtig in Rage. Es könne doch nicht sein, dass er nach dem verlorenen DFB-Pokal-Endspiel in die Kabine komme und "Spieler sehe, die schon wieder twittern. Da werde ich wahnsinnig", sagt Hoeneß. Ohnehin müsse man einige Spieler mal wieder aus den sozialen Netzwerken herauslocken und sie daran erinnern, wie es da draußen in der Realität aussehe - sagt Hoeneß im Interview beim TV-Sender Sky und legt gleichzeitig in knapp zwei Stunden selbst seine ganz persönliche Version der Realität dar.

Etwa wenn es darum geht, warum es denn nun am Ende nicht geklappt hat mit dem FC Bayern und Thomas Tuchel. Eine Absage des Trainers jedenfalls habe es laut Hoeneß nie gegeben. "Tuchel hatte uns mitgeteilt, dass er nach Paris gehen wird", sagt er. Da der Trainer aber kein konkretes Angebot gehabt habe, könne man das auch nicht als konkrete Absage werten. Tuchel sei, so Hoeneß, "einfach nervös geworden".

Er selbst sei schon jetzt hoch zufrieden mit Niko Kovac und dessen Arbeit. "Schon nach sechs Wochen kann man sagen, dass wir den richtigen Trainer geholt haben", sagt Hoeneß. Dass der FC Bayern gegen die SV Drochtersen/Assel alles andere als groß aufspielte, sieht er ähnlich gelassen wie Kovac am Vortag: "Unsere Mannschaft hat nicht gut gespielt, keine Frage, aber in der ersten Runde im Pokal muss man nur weiterkommen."

Grindel räumt Fehler im Umgang mit Mesut Özil ein

"Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen", erklärt der DFB-Präsident in einem Interview. An Rücktritt habe er jedoch nicht gedacht. mehr ...

Ohnehin mag Hoeneß im Interview, das stellenweise eher an eine Audienz erinnert, viel lieber über eines reden: das liebe Geld. Er könne einfach nicht nachvollziehen, warum die ganze Welt dem FC Bayern München auf der einen Seite vorwerfe, nicht genug in neue Spieler zu investieren, gleichzeitig aber bemängele, der FC Bayern sei in der Bundesliga zur Zeit nicht anzugreifen. "Wenn wir jetzt auch noch für 400 Millionen Euro Spieler kaufen, kommt keiner mehr an uns vorbei. Wenn wir Ronaldo kaufen, werden wir nicht mit 25, sondern mit 35 Punkten Vorsprung Meister", sagt Hoeneß und schließt mit der Feststellung: "Diese ganze Welt ist ein bisschen schizophren."

Dennoch kündigt er für das kommende Jahr große Investitionen an. "Zur Zeit sammeln wir etwas Geld ein, um im nächsten Jahr vielleicht mal etwas größer einzukaufen", sagt Hoeneß. Fünfzig bis sechzig Millionen müsse man schon jeweils investieren, um Spieler wie Arjen Robben oder Franck Ribéry zu ersetzen. Und wenn dann gleich zwei oder drei Spieler gekauft würden, käme schnell ein dreistelliger Millionenbetrag zusammen. Angebote in Höhe von "150 Millionen Euro" hätte man zwar auch auf einen Schlag für Robert Lewandowski bekommen können, so Hoeneß, die seien aber gar nicht erst bei ihm eingegangen, weil man sie ja ohnehin nicht gewollt habe. So seine Version der Realität.

"Kein Mensch ist 200 Millionen wert"

Dass der FC Bayern bei Transfers von Spielern wie Cristiano Ronaldo oder dem Brasilianer Neymar nicht mitmische, ist für Hoeneß eine Sache der Einstellung. Schließlich weiß er zweierlei: "Nicht die, die am meisten Geld ausgeben, gewinnen am meisten." Und: "Kein Mensch ist 200 Millionen wert." Wenn der "FC Katar" oder der "SV Shangai" das machen wollten, wäre das ihre Sache. "Früher hat man gegen Fußballvereine gespielt und nicht gegen Staaten", wettert er. "Ich möchte jedenfalls nicht von einem Mann abhängig sein, der heute in Fußball investiert und morgen in Pferde."

Zum Abschluss des "bezaubernden Vormittags", wie Moderator Jörg Wontorra findet, kommt die Sprache dann doch noch einmal auf den DFB. Hoeneß fordert, die Nationalmannschaft aus dem Deutschen Fußball-Bund herauszulösen und mit einem "professionellen Management" auszustatten. Die DFB-Führung um Präsident Reinhard Grindel könne dann immer noch als Aufsichtsrat fungieren.

Und auch zur Causa Özil will Hoeneß sich noch einmal äußern - offenbar ist doch noch nicht alles gesagt, zumindest nicht in dem Wortlaut, der Hoeneß vorschwebt. "Özil ist ein gut vermarktetes Produkt", sagt er. Sein Management habe "geschickt das Thema Rassismus ins Spiel gebracht, um davon abzulenken, dass Özil schon lange nicht mehr gut Fußball gespielt hat." Was inhaltlich dann doch alles andere als neu ist - und alles andere als "bezaubernd".

Überm Strich ein bisschen peinlich

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