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FC Bayern München:Torwartduelle können einen Klub wahnsinnig machen

Neuer bekommt Konkurrenz: FC Bayern bestätigt Nübel-Verpflichtung

Ab Sommer Konkurrenten beim FC Bayern: Manuel Neuer (l.) und Alexander Nübel.

(Foto: dpa)

Die Neuer-Nübel-Debatte hat das Potenzial, beim FC Bayern die nächsten Monate bis zur EM zu prägen. Es drohen die herrlichsten Interessenskonflikte.

Der Schalker Torwart Alexander Nübel ist wegen einer roten Karte gesperrt, er wird am Samstag also nicht in der Münchner Arena sitzen, um seine beiden Konkurrenten zu beobachten. Das ist schade, Nübel hätte durchaus stolz sein können auf seinen speziellen Blickwinkel. Welcher Torwart kann schon von sich behaupten, dass er zwei Konkurrenten gleichzeitig hat, einen im einen und den andern im andern Tor? Im Schalker Tor steht Markus Schubert, ein 21-Jähriger, der in der Rückrunde seinen Platz gegen Nübel verteidigen möchte. Im Münchner Tor steht Manuel Neuer, der aktuell wieder in Normalform (= Weltklasse) spielt. Zwar ist Neuer schon 33, aber erstens gehört ein Torhüter damit immer noch zur Generation der best ager, und zweitens ist Neuer mit 33 besser als mit 31. Mit 31 war er verletzt, seine Karriere stand in Frage, und nun ist Neuer fest entschlossen, die vorübergehend verlorene Zeit an seine Karriere hinten dran zu hängen, so dass er also spielen wird bis ... bis er von Alexander Nübel verdrängt wird?

"Mittelfristig" wolle sein Klient den Konkurrenten Neuer "verdrängen", hat Stefan Backs gerade dem Magazin 11 Freunde gesagt. Backs ist Nübels Laufbahnberater, unter seiner Federführung hat der Torwart sich entschieden, Schalke im Sommer zu verlassen und zum FC Bayern überzulaufen. Immer noch haben gut 100 Prozent der Branche diesen Transfer nicht komplett verstanden, abzüglich der Laufbahnberater und hoffentlich des Torwarts selbst, der inzwischen aber registriert haben dürfte, wie klar sich Oliver Kahn kürzlich pro Neuer positioniert hat.

Es war nicht der Ex-Torwart Kahn, der da sprach und auch nicht der ZDF-Experte. Es war der neue FC-Bayern-Vorstand.

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Lassen die Bayern die Debatte laufen oder muss sich Kahn als Troubleshooter einschalten?

So wie man einen Wechsel in Neuers Revier mindestens mutig finden darf, so darf man nun auch den Wortbeitrag des Beraters für verwegen halten. Neuer verdrängen: Es hätten sich gewiss friedlichere Formulierungen im Interview finden lassen als diese. Die Formulierung gleicht einer Kampfansage, nur leicht abgemildert durch das Wort "mittelfristig".

Auf jeden Fall steht nun fest, dass eine Debatte, die der FC Bayern in der neuen Saison ohnehin aushalten und fürchten muss, ohne Not in die aktuelle Saison vorverlegt wird. Bayern spielt am Samstag gegen Schalke und bald gegen Leipzig und Chelsea, und das in einem Klima, in dem jeder potenzielle Mini-Wackler von Manuel Neuer in einen größeren Zusammenhang gestellt würde: Wird ihn Nübel doch eher kurz- als mittelfristig verdrängen? Der Satz des Nübel-Beraters dürfte die Bayern durch die Rückrunde begleiten.

Torwartduelle können einen Verein wahnsinnig machen, und man darf gespannt sein, ob die Bayern die Debatte laufen lassen oder ob sich der Torwartexperte Kahn als Troubleshooter einschalten wird. Im Moment laufen die Bayern ja Gefahr, dass beide Torhüter in der Debatte kleiner werden. Sehr sicher wird ja auch der junge Nübel nicht von den forschen Sätzen seiner Sachwalter profitieren, er ist im Moment ein absurder Herausforderer, ein Torwart ohne Tor. Er spielt auf Schalke nicht mehr und in München noch lange nicht. Und das letzte Bild, das die Branche von Nübel in Erinnerung hat, ist sein ungelenker Kung-Fu-Tritt, der ihm seine aktuelle Sperre einbrachte.

Die Neuer-Nübel-Debatte hat das Potenzial, die nächsten Monate bis zur EM zu prägen, es drohen die herrlichsten Interessenskonflikte. Bei der EM wird der deutsche Torwart Neuer dann vom ZDF-Experten Kahn bewertet.

© SZ vom 24.01.2020/jki
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