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Oliver Kahn beim FC Bayern:Beginn der neuen Münchner Zeitrechnung

Bayern Munich Press Conference

Oliver Kahn bei seiner Vorstellung als Vorstandsmitglied des FC Bayern.

(Foto: REUTERS)
  • Mit einer gewissen Leichtigkeit tritt Oliver Kahn seinen neuen Job als Vorstandsmitglied des FC Bayern an.
  • Die Präsentation mit dem neuen Präsidenten Herbert Hainer markiert einen Einschnitt in der Geschichte des FC Bayern, das Ende der jahrezehntelangen Ära des Führungsduos mit Uli Hoeneß und dem Ende 2021 aus dem Amt scheidenden Karl-Heinz Rummenigge.
  • Kahn stärkt auch Stammtorwart Manuel Neuer im sich anbahnenden Konkurrenzkampf mit dem Sommer-Zugang Alexander Nübel.

Oliver Kahn legt seine Stirn in Falten, er kippt den Kopf zur Seite, ganz aufmerksam hört er zu. Dann lächelt er. Er spürt, dass die nächste Frage ihm hervorragend reinläuft, dass er sie nutzen kann, um sich über jemanden lustig zu machen, obendrein über jemanden, über den sich sonst in aller Öffentlichkeit kaum einer traut, Witze zu machen. Er soll darüber reden, was das für ihn, Oliver Kahn - seit Anfang Januar Vorstandsmitglied des FC Bayern, ab Januar 2022 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern und damit einer der mächtigsten Männer des deutschen Fußballs - was es also für ihn bedeute, dass er rund um seine Berufung so viel Lob zu hören bekommt; erst wenige Minuten zuvor wieder von Herbert Hainer, dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Kahn also lächelt. Als die Frage vorbei ist, lässt er sein Gesicht kurz erstarren, er sagt lediglich ein Wort, er bellt es fast. Kahn bellt: "Druck!" Dann lacht er vor sich hin, genüsslich wischt er sich mit der Zunge über die Lippen.

Der Witz, den Kahn zufrieden auskostet, ist einer, der ausschließlich auf seine eigenen Kosten geht.

Es ist ein bemerkenswerter Auftritt, mit dem sich Kahn, 50, am Dienstag in der Arena des FC Bayern vorstellt, bemerkenswert vor allem, weil er etwas ausstrahlt, was in den vergangenen Jahren selten bei einem Vorstandsmitglied des FC Bayern zu spüren war - und fast genauso selten bei Kahn selbst. Kahn, der als Torwart ehrgeizig bis zur Verbissenheit war, der "Eier" gefordert hatte, der gegnerische Spieler und manchmal auch Mitspieler ruppig angepackt hatte, der ekstatisch mit einer Eckfahne gefeiert hatte, der unter Druck also einige verrückte Dinge gemacht hat - er tritt seinen Job mit einer erstaunlichen Leichtigkeit an, fast schon mit Lässigkeit.

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"Emotionalität ist wichtig, für mich war das ein wichtiger Bestandteil als Spieler", sagt Kahn, er erzählt von seinen unternehmerischen Projekten nach seinem Karriereende 2008, von seiner Arbeit als Fernsehexperte, von Projekten also, die in ihrem Anforderungsprofil eher seiner neuen Aufgabe entsprechen als seine Zeit im Fußballtor, "und da ist Emotionalität nicht so hilfreich". Dann kündigt er an, vermutlich auch zur Erleichterung all seiner künftigen Vorstandskollegen: "Ich werde das nicht mehr machen, ich werde auch nicht durch den Meeting-Raum grätschen."

Der Dienstag markiert einen Einschnitt in der Geschichte des FC Bayern, das Ende der ewigen Ära des Führungsduos Uli Hoeneß/Karl-Heinz Rummenigge sitzt ganz real greifbar auf dem Podium in der Arena: Herbert Hainer, der im Herbst den Vorsitz des Aufsichtsrates sowie das Amt des Präsidenten von Hoeneß übernommen hat, und daneben Kahn, der in zwei Jahren den Vorstandsvorsitz von Rummenigge übernehmen wird. Dass Rummenigge aufgrund eines Norovirus unpässlich ist, mag Zufall sein, doch am Dienstag passt es zum Beginn der neuen Zeitrechnung.

Zu diesem Beginn gehört auch, dass Kahn zumindest dosiert über sich selbst lachen kann. Er präsentiert sich also mit einer Eigenschaft, die Hoeneß und Rummenigge ganz sicher nie nachgesagt wurde.

Kahn soll zunächst den Klub genauer kennenlernen, am Dienstag ist er nach Doha geflogen, um Gespräche mit den Spielern und dem Trainerteam zu führen. Wirklich kennenlernen muss das neue Vorstandsmitglied den FC Bayern natürlich nicht, er war in München 14 Jahre lang Spieler, er ist achtmal deutscher Meister geworden und einmal Champions-League-Sieger, "die DNA des Klubs", sagt Kahn, "steckt so tief in einem drin, dass man den Verein nie verlassen kann".

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