FC Bayern Müller hat schlechte Laune

Musste 72 Minuten zusehen: Bayerns Thomas Müller in Bremen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Während Robert Lewandowski den Bremer Beton-Block mit zwei Toren aushebelt, sieht Thomas Müller bis zur 73. Minute von der Bank aus zu.
  • Hinterher grübelt er darüber, warum seine Qualitäten bei Bayern-Trainer Ancelotti offenbar "nicht 100-prozentig" gefragt sind.
Von Benedikt Warmbrunn, Bremen

An diesem grauen Nachmittag, an dem auch die Frage debattiert wurde, wie lange ein Heldenstatus bleibt, wurde schließlich ein erstes Mal gefeiert im Block der Münchner Fans. Ihre Mannschaft war bis dahin eine zähe Stunde lang angerannt, sie hatte so manche Chance gehabt, nur einen Treffer hatte sie nicht erzielt. Nun aber: Torjubel im Fanblock des FC Bayern.

Die Fans riefen: "Badstuber, Badstuber, Badstuber!"

Der erste Spieler, den die Anhänger der Münchner feierten, war also ein Spieler, der gar nicht auf dem Rasen stand. Sie feierten stattdessen einen Spieler, der zwar jahrelang das Trikot des Teams getragen hatte, der nun aber als Torschütze für den VfB Stuttgart auf der Leinwand gemeldet wurde. So bekam zumindest einer der alten Helden der jüngsten goldenen Jahre des Vereins seine Minute des Ruhms.

Nach Lahms Rücktritt ist Müller so etwas wie der letzte Bajuware im Team

2:0 (0:0) gewann der FC Bayern bei Werder Bremen, es war der zweite Sieg im zweiten Ligaspiel der neuen Saison. Es war allerdings auch das zweite Ligaspiel, in dem es hörbar knirschte und knarzte. Nicht nur spielerisch, sondern auch atmosphärisch. Auch dabei ging es um einen alten Helden. In Erinnerung bleiben wird dieser Ausflug nach Bremen wohl vor allem als der Nachmittag, an dem Thomas Müller kurz mal richtig schlechte Laune hatte.

Nach dem Rücktritt von Kapitän Philipp Lahm ist Müller, 27, ja so etwas wie der letzte Bajuware im Team, und er ist diese Aufgabe sehr seriös angegangen. In der Vorbereitung durfte er oft auf seiner Lieblingsposition spielen, direkt hinter dem einzigen Angreifer, er bewegte sich dabei wieder gut in allen vorhandenen Räumen und auch in den Räumen, die es eigentlich nicht gibt. Er war präsent, er schaufelte sich manchmal auch in ein Spiel hinein, wenig erinnerte an die vergangene Saison, als manche Partien eher unglücklich für ihn verlaufen waren.

Da Manuel Neuer, der neue Kapitän, verletzt fehlte, durfte Müller zudem die Binde tragen, auch das machte er sehr seriös. Es sah also alles so aus, als ob dies eine Saison werden könnte, in der Müller nicht nur von der Erinnerung an alte Heldentaten leben müsste, sondern in der er vielleicht auch ein paar neue heldenhafte Taten würde abliefern können. Dann aber kam dieser Nachmittag in Bremen.

Carlo Ancelotti, der Trainer des FC Bayern, nutzt diese erste Phase der Saison noch, um nach seiner idealen Elf zu suchen. Am ersten Spieltag, gegen Leverkusen, stellte er drei zentrale Mittelfeldspieler vor die Abwehr. Klappte 18 Minuten lang. Dann klappte fast gar nichts mehr. In Bremen verschob er daher eine der drei zentralen Positionen weiter nach vorne, er schuf also wieder Müllers Lieblingsposition direkt hinter der einzigen Spitze; dazu kehrte Arjen Robben auf dem rechten Flügel in die Startelf zurück. Außerdem schob Ancelotti eben Müller auf die Bank.

Den Müller, über den Louis van Gaal einst sagte, dass er immer spiele (was allerdings schon Ancelottis Vorgänger Pep Guardiola nicht mehr ganz so entschlossen befolgt hatte). "Das war eine rein technische Entscheidung", sagte der Trainer, "wir wollten das Spiel mehr in die Breite ziehen, mehr Ballbesitz im Mittelfeld haben." Das klappte zwar, irgendwie. Dennoch blieb es zäh.