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Meisterschaft des FC Bayern:Zu gut für die Geister

SV Werder Bremen v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Zumindest für ihn ist es eine Premiere: Hansi Flick feiert seinen ersten Meistertitel als Cheftrainer.

(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Die Corona-Pause konnte dem FC Bayern auf dem Weg zur Meisterschaft nichts anhaben - der entscheidende Einschnitt dieser Saison war ohnehin bereits im Herbst.

Kommentar von Christof Kneer

Am 24. Spieltag hat der FC Bayern 6:0 in Hoffenheim gewonnen, am 25. Spieltag bezwangen die Münchner den FC Augsburg mit 2:0. Am 26. und 27. Spieltag waren die Bayern ebenfalls siegreich, einem 2:0 bei Union Berlin folgte ein 5:2 gegen Frankfurt. Von so einer coolen Serie würden die Spieler anderer Teams bestimmt ihren Enkeln erzählen; man darf aber sehr sicher sein, dass die aktuellen Bayern-Spieler diese lächerlich kleine Erfolgskette längst vergessen haben, wenn (falls) sie mal Opas sein sollten.

Ein paar Geschichten aus der Zeit, in der sie diese Siege aneinanderreihten, werden sie beim Familientreffen aber schon zum Besten geben: Es war die Zeit, als die Welt nicht wusste, ob sie unmittelbar vor dem Untergang steht oder doch nur auf eine kleine Grippe reinfällt - der Fußball aber, der bekanntlich größer ist als die Welt, war in diesem Frühjahr 2020 nur kurz bedroht. Er machte irgendwann einfach weiter, nur halt ohne Zuschauer.

Und das, liebe Enkel, ist dann doch das Besondere an der Siegesserie von oben: Zwischen dem 25. und dem 26. Spieltag lagen mehr als zwei Monate.

Der Wechsel von Kovac zu Flick veränderte den Stil der Elf

Ja, die 30. Meisterschaft des FC Bayern wird für immer die Geistermeisterschaft sein, einerseits, weil sie nun mal in jene Tage fiel, in denen das Virus so viele Gewissheiten angriff. Andererseits ist diese achte Meisterschaft hintereinander auch einfach nur eine Meisterschaft. Die Bayern haben Corona nicht gebraucht für diesen Titel, sie haben sich weder vom Virus anstecken lassen noch von den Ungewissheiten. Natürlich hat diese historisch einmalige Pause die Liga verändert, manche Teams haben ihren Lauf vom März im Mai nicht mehr wiedergefunden, auch der Heimvorteil hat sich ohne Zuschauer mancherorts fast in einen Heimnachteil verwandelt - den Bayern war das alles wurscht. Sie waren zu gut für die Geister, sie haben ungerührt weitergesiegt.

Die Bayern sind einfach Meister geworden, "einfach" im besten Sinne. Für den alten und neuen Meister markierte nicht der Corona-Frühling den entscheidenden Saison-Einschnitt, sondern der Trainer-Herbst. Der Wechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick veränderte den Stil der Elf ebenso wie ihr Innenleben. Mit ein paar klassischen Handgriffen (Kimmich ins Mittelfeld, Alaba ins Abwehrzentrum) mobilisierte Flick die Widerstandskräfte, mit einem deutlich offensiver definierten Fußball stärkte er Lust & Laune, und er nutzte das in gemeinsamen Weltmeistertagen angesammelte gegenseitige Vertrauen, um aus Ex-Fußballern wie Thomas Müller und Jérôme Boateng wieder konkurrenzfähige Spitzensportler zu machen. Flick leistete Hilfe zur Selbsthilfe, nun regelt die Elf auch mal was alleine.

Die Münchner haben einen jungen Kader, ein paar Verträge haben sie in der Corona-Pause schon verlängert. Die Zeit, die jetzt beginnt, könnte die Zeit vor der neunten Meisterschaft in Serie sein.

© SZ vom 17.06.2020/ebc
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