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FC Bayern:Oan Neuer

Stammplatz Strafraum: Manuel Neuer bleibt in seinem Hoheitsgebiet.

(Foto: Hannibal Hanschke/AP)

Nationalkeeper Manuel Neuer bleibt drei weitere Jahre beim FC Bayern. Rivale Alexander Nübel muss sich mit einem Schicksal auf der Bank anfreunden - oder doch mit einer Leihe.

Die Funkstille währte genau einen Tag. An diesem einen Tag vor viereinhalb Wochen wartete Manuel Neuer erst mal ab, wie der FC Bayern auf das Interview reagieren würde, das er, Neuer, sittenwidrig am Verein vorbei, lanciert hatte. Und der FC Bayern wartete an diesem Tag auch erst mal ab, oder vielleicht schmollte er auch. Warum macht der Neuer das, dachten die Bayern wohl und stellten sich damit eine ähnliche Frage wie Manuel Neuer. Der dachte: Warum macht der FC Bayern das? Neuer war immer noch verstimmt, weil vertrauliche Details aus Vertragsgesprächen in der Zeitung gelandet waren, und zwar nicht einmal und nicht zweimal, sondern dreimal.

Eben deshalb hatte Neuer ja dieses Interview nach draußen geschmuggelt, in dem er und sein Berater Thomas Kroth den Eindruck erweckten, dass nur drei Leute an den Vertragsgesprächen teilgenommen hätten, nämlich Kroth und die Bayern-Vertreter Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic. Und dass Kroth und Kahn nicht die waren, die geplaudert hatten.

Bis heute ist es übrigens keinesfalls erwiesen, dass die undichte Stelle in Salihamidzic' Büro zu finden war, aber die Fahndung nach dem Maulwurf ist inzwischen ohnehin eingestellt. Eingeweihte erinnern sich, dass schon am zweiten Tag nach Erscheinen des Interviews die Gespräche wieder aufgenommen wurden, und nun, viereinhalb Wochen später, haben die Parteien Vollzug gemeldet. Neuer, 34, hat seinen bis 2021 laufenden Vertrag bis 2023 verlängert, und bei der offiziellen Verkündung der Frohbotschaft setzte ein geradezu rührendes Gedrängel um die besten Plätze in der Pressemitteilung ein. Kraft Amtes kam zunächst Klubchef Karl-Heinz Rummenigge zu Wort ("Manuel ist der beste Torhüter der Welt"), es folgte Vorstand Oliver Kahn ("Ich kann mich sehr gut in die Situation, in der sich Manuel befindet, hineinversetzen"). Anschließend durften auch Neuer und Salihamidzic noch was sagen.

Der Klub zitiert Salihamidzic übrigens mit dem Satz "Gemeinsam haben wir eine Win-win-Situation geschaffen". Eine solche hatte sich Neuer im Interview wortwörtlich gewünscht. Lustig: Der Klub autorisiert quasi nachträglich eine Passage aus einem Interview, das er vorab nicht gesehen hatte und auch nie erlaubt hätte.

Die Beteiligten haben sich jetzt also die Hände oder vielleicht sogar die Armbeugen gereicht: Neuer bleibt drei weitere Jahre, er lobt den Klub, der Klub lobt ihn, und Neuer bekommt im Klub-Statement auch die Gelegenheit, das angebliche Image des gierigen Profis gegen das eines tadellosen Staatsbürgers einzutauschen.

Zu Neuers enormem Missvergnügen war ja vor viereinhalb Wochen auch die Zahl "20 Millionen" nach draußen gedrungen, so viel Gehalt fordere Neuer (angeblich) pro Jahr, hieß es damals, was von Neuers Seite stets dementiert wurde. Im aktuellen Statement darf sich Neuer nun als verantwortungsbewusster FC-Bayern-Kapitän präsentieren, er sagt, dass er "in den Wochen des Shutdowns" bewusst keine Entscheidung treffen wollte; er habe erst abwarten wollen, "wann und wie es mit dem Bundesliga-Fußball weitergeht".

Wer die branchenübliche Übermittlung von Wertschätzung kennt, ahnt, dass Neuer trotzdem nicht weniger verdienen wird als vorher. Und den Vertrag mit Toni Tapalovic, Neuers Lieblingstorwarttrainer, haben die Bayern im Zuge der ganzen Operation auch gleich verlängert, es war so etwas wie Neuers Bedingung. Eine Win-win-win-Situation also. Es ist also alles gut jetzt.

So zumindest geht die eine Geschichte, die, die jetzt so demonstrativ friedlich zu Ende gegangen ist. Es beginnt nun aber die andere Geschichte.

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