FC Bayern:Kovac hat eine seltsame Passivität erfasst

Sollte Kovac in den nächsten Tagen und Wochen beurlaubt werden, wäre er, einerseits, das Opfer einer großen, vereinsumfassenden Schläfrigkeit. Als er im Sommer nach München gekommen war, übernahm er eine satte Mannschaft, die ein Dreivierteljahr lang von Jupp Heynckes vitalisiert werden konnte, nach dem Aus im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid aber trotzdem auseinandergefallen war. Kovac muss mit einem gealterten, kleinen Kader arbeiten, den er nicht mitgestalten durfte, der überhaupt nur gestaltet wurde, indem die Verträge von Franck Ribéry und Arjen Robben noch mal um je ein Jahr verlängert wurden. Der Sommer 2018 war vielleicht der falsche Zeitpunkt, um als Trainer in München anzufangen, für jeden Trainer, nicht nur für Kovac.

Andererseits hat diese seltsame Passivität auch den Trainer erfasst. Kovac beharrt stur auf seinem System, er will einen kontrollierten Spielaufbau, der über die Außen fortgesetzt werden soll. Auch seine Wechsel sind erwartbar: Spielt Arjen Robben, geht er als Erster. Spielt Franck Ribéry, geht er als Erster. Eingewechselt wird dann derjenige der beiden, der auf der Bank sitzt. Den Gegnern reicht zudem oft ein Gedanke, Düsseldorf zum Beispiel der, einfach den Ball zu Lukebakio zu schlagen. Vielleicht fehlen Kovac die Spieler, um andere Ideen umzusetzen. Vielleicht fehlen ihm aber auch die Ideen.

Arsène Wenger sucht bekanntlich einen Job

Dass Kovac womöglich nur noch das Spiel gegen Lissabon bleibt, um für sich zu werben, verdeutlichte spätestens der Auftritt von Hoeneß. Der Präsident kritisierte zwar auch die Mannschaft, sprach von "dilettantischen" Fehlern und solchen, die "hanebüchen" seien. Er sagte aber auch, dass die Mannschaft "Fußball ohne Selbstvertrauen" spiele. "Man hat ja immer auf der Tribüne das Gefühl, auch bei einer klaren Führung, dass man bei jedem Angriff gefährdet ist, ein Gegentor zu kriegen." Dieses Gefühl verspüren die Bosse nicht erst seit Samstag, nach SZ-Informationen sollen sie sich zuletzt schon vorsichtig im Umfeld der Mannschaft umgehört haben.

Hoeneß und der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, mögliche Kandidaten vorsichtig nach deren Bereitschaft zu befragen. Schwierig ist diese Aufgabe vor allem, weil es so viele mögliche Kandidaten gar nicht gibt. Der frühere Leipziger Ralph Hasenhüttl kommt aus einer ähnlichen Kategorie wie Kovac (unverbraucht, auf hohem Niveau aber unerfahren), der ewige Heynckes wird kaum noch einmal sein wohlverdientes Dasein als international geachteter Fußball-Rentner unterbrechen. Zu den wenigen, einigermaßen plausibel erscheinenden Lösungen zählt Arsène Wenger, der als Vordenker 20 Jahre lang den FC Arsenal geprägt hat, der Deutsch spricht, der Lust auf einen neuen Job hat. Wenger ist allerdings auch schon 69 Jahre alt und in den vergangenen Jahren nur noch bedingt als Vordenker aufgefallen.

Aber das sind ja ohnehin Gedankenspiele, mit denen sich Hoeneß offiziell nicht befasst. Zumindest nicht bis Mittwoch.

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