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Bundesliga:Hinten wackelt Bayern wie seit Jahren nicht mehr

Bayern München - Fortuna Düsseldorf

Niklas Süle kann sich strecken, so viel er will: An Dodi Lukebakios Schuss kommt der Innenverteidiger des FC Bayern nicht mehr heran.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Die Anfälligkeit in der Verteidigung ist ein Symptom der Bayern-Krise in diesem Spätherbst.
  • Die drei Gegentore gegen Düssseldorf legen die Probleme in der Münchner Defensive offen: mangelndes Tempo, mangelnde Sicherheitsmechanismen und eine große Portion Verunsicherung.

Leon Goreztka hat am Samstagabend gesagt, dass er sich vorkomme "wie in einem schlechten Film", aber er hat nicht gesagt, wie dieser schlechte Film heißen könnte. Stattdessen ärgerte er sich über dieses 3:3 (3:1) in der Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf, welches er als "surreal" empfand. Andererseits: Ein paar erhellende Momente hatte er doch ausgemacht. "Auch wenn es jetzt wieder lächerlich klingt", sagte Goretzka, "aber wir haben gezeigt, dass es nach vorne wieder besser gelaufen ist." Er kam zum Fazit: "Wir hätten fünf, sechs Tore schießen können, müssen."

Goretzka klang damit ein wenig wie sein Trainer Niko Kovac, der das Spiel an sich auch "in Ordnung" fand. Was allerdings niemand an diesem Samstag in Ordnung fand, weder Goretzka noch Kovac noch sonst jemand: das Verhalten der Münchner bei allen Gegentoren.

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Hat man den FC Bayern in den vergangenen Jahren jemals so konstant so wacklig verteidigen sehen? Die Münchner schleppen viele Probleme mit sich durch diesen Spätherbst, die Chancenverwertung, das berechenbare Offensivspiel, dieser und jener Ärger um einzelne Spieler, seltsame Pressekonferenzen, all das. Aber ein konstanter Begleiter der Münchner in dieser dunklen Jahreszeit ist auch dies: die Anfälligkeit in der Defensive.

Das Slapstick-Potenzial: durchaus hoch

Als Niko Kovac den FC Bayern übernahm, da hieß es, er sei mehr ein Defensivtrainer. Kovac-Mannschaften, so war die allgemeine Lehre, verteidigen sicher, sind grantig im Zweikampf, halten den Ball vom eigenen Tor weg. Aber nun, nach diesem 3:3 gegen Düsseldorf, nach dieser verspielten 3:1-Führung saß Kovac in der Pressekonferenz und nannte zwei Zahlen. Die eine war die Zahl der Gegentore, die andere jene der absolvierten Bundesliga-Spiele. Kovac trug also vor: 17 Gegentore in zwölf Spielen. Was er sagen wollte: Das ist zu viel. Genau genommen ist es so viel wie in der gesamten Saison 2015/16 (und ein Tor weniger als in der Saison 2014/15).

FC Bayern in der Einzelkritik

Süle lässt sich abhängen

Präsident Uli Hoeneß bat die Journalisten hinterher gar darum, die Tore nochmal zu studieren. Er forderte auf, "schon auch mal kritisch mit dem einen oder anderen Spieler" umzugehen (was angesichts seiner "Pressekonferenz" vor einigen Wochen sehr erstaunlich klang). Als "hanebüchen" empfand er die Gegentore, "Slapstick" war ein weiteres Wort, das er wählte. In all ihrer Seltsamkeit legten die drei Treffer, jeder auf seine Weise, die Probleme in der Münchner Defensive offen: mangelndes Tempo, mangelnde Sicherheitsmechanismen, womöglich auch eine große Portion Verunsicherung.

Da war das 1:0 in der 44. Minute. Jean Zimmer war hinter Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng und Mittelfeldspieler Javi Martínez weggelaufen. Boateng, einst einer der schnellsten Verteidiger seiner Sportart, hatte vorher schon ein, zwei Sprints gegen den späteren Dreifach-Torschützen Dodi Lukebakio verloren. Nun also musste er Zimmer stellen. Dieser wollte einen langen Pass schnell in die Mitte weiterleiten, per Fallrückzieher. Der Ball flog aber von Boateng zurück, woraufhin der sitzende Zimmer diesem nun einen Ball durch die Beine spielte. In der Mitte war Lukebakio von Bewacher Niklas Süle allzu sehr vernachlässigt worden und konnte aus drei, vier Metern treffen. Slapstick-Potenzial: durchaus hoch.