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FC Bayern:Der "Lolli" sei "jetzt mal ausgelutscht"

Kovac hat das nicht mehr erklärt, aber dieser Satz zeigt seine Lage ganz gut. Man hat das Gefühl, der Trainer kann gerade nicht viel richtig machen. Gibt er seine Aufstellung intern früh bekannt, muss er damit rechnen, dass ein Maulwurf sie nach draußen trägt. Folgt er angeblichen Ratschlägen und hält sie bis zum Spieltag zurück, kann es passieren, dass Spieler wie Ribéry pikiert sind, weil ihnen niemand vorher gesagt hat, dass sie draußen sind.

Der "Lolli" sei "so langsam ausgelutscht", sagte Kovac, als es am Dienstag wieder um die Rotation ging. Verständlich, dass der Trainer versucht, dieses Thema klein zu halten, denn mit diesem Thema lässt sich die komplexe Krisenlage des Vereins am besten bebildern. Die Rotation hat in München immer dann funktioniert, wenn sie auf Basis einer bestehenden Hierarchie zum Einsatz kam; wenn der Trainer also früh seine vier, fünf Führungsspieler definierte, die dann genau wussten, dass ein Bankaufenthalt nur eine Erfrischungspause ist. Aktuell aber weiß kein Ribéry, kein Robben, kein Hummels, kein Boateng und kein Müller, was das bedeutet, wenn sie draußen sitzen: Ist das noch Rotation, oder ist das schon Misstrauen? Schont der Coach mich, oder steht der nicht auf mich?

Tatsächlich hat es Kovac bisher versäumt, seiner Elf fußballerisch und hierarchisch eine klare Struktur zu verpassen, aber es hat ihm auch keiner geholfen dabei. Kovac ist neu in München und neu auf dieser großen Bühne, und auch ein Trainer muss geführt werden. Von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ist nicht bekannt, dass sie häufiger in der Kabine auftauchen, und der kraft Amtes für die Führung des Trainers zuständige Sportdirektor Hasan Salihamidzic fiel zuletzt nur auf, als ihm Rummenigge in der legendären Pressekonferenz das Wort abschnitt.

Das ist offenbar das Problem: Von oben führt keiner den Coach, der die anspruchsvollen Charaktere im Team deshalb seinerseits nur schwer führen kann, weshalb das Team sich auch nicht selbst führt - unterlassene Hilfeleistung auf allen Ebenen.

Dem anspruchsvollen Arjen Robben, immerhin, wird Kovac nicht erklären müssen, warum er gegen Athen nicht spielt, er fällt wegen einer Blockade im Knie aus. Der Einsatz des anspruchsvollen Kolumbianers James (Wadenprobleme) ist fraglich.

Was mit Niko Kovac passiert, sollte er in Dortmund krachend verlieren? Diese Frage beantwortet natürlich keiner, aber sieben Punkte Rückstand lassen sich die Bayern nicht gerne von jemandem gefallen, auch nicht von ihrem eigenen Trainer.

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