FC Bayern:Magnet am Fuß

Jamal Musiala (FC Bayern Muenchen 42) im Zweikampf mit Lamine Diop (Bremer SV 14), GER, Bremer SV vs. FC Bayern Muenche

Offensivgeist: Jamal Musiala, zweifacher Torschütze, setzt auch gegen den Bremer SV frische Impulse.

(Foto: Michael Memmler/imago)

Jamal Musiala überzeugt beim 12:0 im Pokalspiel gegen den Oberligisten Bremer SV. Der hochveranlagte Offensivmann drängt mit Macht in die Startelf - eine Seltenheit gerade beim FC Bayern.

Von Thomas Hürner, Bremen

Am Ende des Abends, der für den Bremer SV ein ganz besonderer war, saßen zwei bestens gelaunte Trainer bei der obligatorischen Pressekonferenz. Es wurde gelacht, gescherzt, auch eine Einladung für das nächste Jahr an den FC Bayern ausgesprochen, obwohl die Münchner bei ihrem 12:0-Sieg nicht gerade zimperlich mit den Amateurkickern des Oberligisten gewesen waren. Allzu viel gab es deshalb nicht zu analysieren oder zu interpretieren, es war das erwartete David-gegen-Goliath-Duell - mit dem Erfolg für Goliath. Doch Bayern-Coach Julian Nagelsmann, der seiner Mannschaft einen insgesamt "seriösen" Auftritt attestierte, kam auf Nachfrage nicht umhin, einem seiner Spieler ein Sonderlob auszustellen.

Der Offensivmann Jamal Musiala sei schon ein ganz besonderer 18-Jähriger, sagte Nagelsmann. Manchmal wirke es gar, als habe er "Magnete eingebaut in seinen Beinen".

Nun ist es keine sonderlich neue Erkenntnis, dass es sich bei Musiala um einen ganz besonderes Talent handelt. Erst am Sonntag, beim 3:2-Erfolg gegen Köln, tänzelte er wieder durch die gegnerische Abwehrreihe und brachte die entscheidende Wendung ins Spiel. Seine unbekümmerten Dribblings verhehlen freilich nicht, dass Musiala noch fast ein Teenager ist, er kann es selber nicht ganz verbergen. Nach dem Pokalspiel in Bremen stand er vor der Fernsehkamera zum Interview, manchmal fielen ihm die deutschen Worte nicht ein, er sagte zum Beispiel "new system" statt "neue Taktik". Eine Kleinigkeit, die einem zweifachen Torschützen und Profi des FC Bayern hätte egal sein können. Musiala, der in England aufgewachsen ist, wirkte aber, als sei ihm das ein bisschen peinlich.

"Das ist schon gut", sagte Nagelsmann über die Leistung von Vierfach-Torschütze Choupo-Moting

"Da haben wir noch sehr viel Potenzial", sagte Nagelsmann - und meinte damit freilich nicht Musialas deutschen Wortschatz, sondern seine prognostizierte Entwicklung als Fußballer. Nagelsmann, 34, weiß aber: Auf diesen Offensivmann - Teenager hin, Teenager her - kann er sich schon heute gut verlassen. Gegen Bremen schoss Musiala drei schöne Tore, zwei nach einem Dribbling und eins mit einem satten Schuss in den Winkel. Musiala ist frei von Allüren, flexibel einsetzbar und leistungstechnisch erstaunlich frühreif, egal ob er von der Bank kommt oder in der Startelf steht. Er ist also ein ziemlich idealer Fußballer, um die Münchner Startelf mal ein bisschen durchzumischen, der Mannschaft neue Impulse zu geben oder etablierteren Akteuren auch mal eine Pause. Kurzum: Musiala ist aktuell ein zuverlässiger Kaderspieler - und die fehlende Breite im Team ist ja ein Thema, das die Münchner bereits länger beschäftigt und für kontroverse Debatten auf der Führungsetage sorgte, an deren Ende Hansi Flick Bundestrainer wurde und Nagelsmann zu den Bayern kam.

So ein Pokal-Erstrundenspiel gegen einen Oberligisten ist daher eine gute Gelegenheit, um eine breite Testreihe mit Akteuren zu starten, die sonst nur selten in der Startelf stehen. Nagelsmann hatte bereits vor der Reise nach Bremen angekündigt, dass in Manuel Neuer, Leon Goretzka und Robert Lewandowski drei anerkannte Säulen geschont würden. Sie ersetzten, wie erwartet, der kaum beschäftigte Sven Ulreich im Tor, der mal wieder ballsicherere Corentin Tolisso im Mittelfeld sowie der vierfache Torschütze Eric Maxim Choupo-Moting im Sturm. "Das ist schon gut", sagte Nagelsmann zur Leistung Choupo-Motings, über dessen Eignung als punktueller Lewandowski-Ersatz in München ohnehin nur wenige Zweifel bestehen.

Bayern-Sportchef Salihamidzic schließt Zugänge in diesem Sommer nicht aus

Von Interesse war da eher, wie sich die Außenverteidiger Omar Richards und Bouna Sarr präsentieren würden, die bislang eher rudimentär zu Einsätzen gekommen waren - und natürlich der Auftritt von Angreifer Leroy Sané, der derzeit nicht zu den unumstößlichen Stammkräften zählt und beim Bundesliga-Sieg gegen Köln von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde. Sie spielten allesamt solide, was bei einem Kantersieg gegen einen Oberligisten freilich nur geringe Aussagekraft hat. Doch auch im Bremer Weserstadion, in dem das Spiel ausgetragen wurde, waren wieder vereinzelte Pfiffe unter den rund 10 000 Zuschauern zu vernehmen, als Sané nach einem Treffer und zwei Torvorlagen in der 67. Minute ausgewechselt wurde. Könnten aber auch Bremer gewesen sein.

Nagelsmann erwähnte die Unmutsbekundungen gegenüber seinem Angreifer nicht, womöglich, um das Thema nicht größer zu machen, als es ohnehin schon ist. Dafür ließ der Trainer durchblicken, dass er sich gegen Verstärkungen keineswegs wehren würde. "Wenn alle gesund sind, haben wir alles im Griff", sagte Nagelsmann: "Wenn wir Verletzte haben, dann wird es dünn." Verletzt fehlen bei den Bayern gerade die Verteidiger Benjamin Pavard, Alphonso Davies, Lucas Hernandez sowie Mittelfeldspieler Marc Roca, was die Variationsmöglichkeiten für Nagelsmann schon sehr einschränkt. "Wenn sich etwas ergibt, sind wir da", sagte Bayerns Sportchef Salihamidzic beim Streamingdienst Dazn über mögliche Zugänge. Bis zum 31. August ist das Transferfenster noch geöffnet, zuletzt war über die Verpflichtungen von Leipzigs Mittelfeldmotor Marcel Sabitzer und Gladbachs Dauerläufer Jonas Hofmann spekuliert worden.

Sicher erscheint aber zu sein: Fußballer mit Magneten in den Beinen dürften in diesem Jahr eher nicht zu den Bayern stoßen.

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