FC Bayern: Interview mit Jörg Butt "Van Gaal hat Erfolg sehr auf sich bezogen"

FC-Bayern-Torwart Jörg Butt, 36, über das Scheitern des Trainers, Unruhe im Tor und den designierten Neu-Bayern Manuel Neuer.

Interview: Andreas Burkert und Christof Kneer

Über das hohe Tempo im Fußballgeschäfts wundert sich Jörg Butt schon lange nicht mehr. Der zurückhaltende Mann aus Oldenburg wird bald 37 und ist im 19.Jahr Profi. Die jüngste Wendung seiner Karriere hat dem Torwart aber wohl zugesagt: "ButtButtButt!" riefen sie Sonntag wieder in der Südkurve beim Sieg des FCBayern über Leverkusen, wenn er am Ball war - zuletzt hatten sie dort seinen künftigen Nachfolger Manuel Neuer beschimpft und zugleich Vorgänger Thomas Kraft besungen, den ihm der nun entlassene Trainer Louis van Gaal nach der Winterpause vorgezogen hatte. Im SZ-Interview äußerte sich der WM-Teilnehmer, der seit 2008 in München ist und bislang 58 Spiele absolvierte, als erster Bayern-Profi ausführlich zu den Hintergründen der Trainer- entlassung - bei der Butt unfreiwillig zur Schlüsselpersonalie wurde.

Jörg Butt: Der 36-Jährige ist wieder Nummer eins bei den Bayern - dann soll Manuel Neuer kommen.

(Foto: dpa)

SZ: Herr Butt, Sie haben geschwiegen, seitdem Sie van Gaal im Winter in Katar zur Nummer zwei degradierte. Lag das nur an Ihrem norddeutschen Gemüt?

Jörg Butt: Ich glaube, wenn ich mich geäußert hätte, dann hätte das dem Verein nicht geholfen und mir auch nicht. Das hätte nur noch mehr Unruhe gegeben. Dass ich mich ungerecht behandelt gefühlt habe, kann sich jeder denken. Es gab keinen sportlichen Grund, mich aus dem Tor zu nehmen.

SZ: Louis van Gaal sagt, er habe Ihnen im vergangenen Sommer angekündigt, dass er im Tor wechseln werde.

Butt: So hat er das mir gegenüber auch gerechtfertigt. Tatsache ist: Als ich meinen Vertrag verlängert habe, sagte er mir: "Du bist meine klare Nummer eins, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es mal einen Wechsel gibt." Da habe ich gesagt: "Das ist doch logisch, wir sind hier beim FC Bayern!" Ich weiß, dass es hier nur um Leistung geht. Für mich war das eine Aussage, wie sie ein Trainer halt mal macht, um positiv zu provozieren.

SZ: So haben Sie das gewertet.

Butt: Jedenfalls hat er's hinterher so erklärt. Ich glaube aber, dass er einen Wechsel im Tor vornehmen wollte. Nur: Ich gab ihm keinen Anlass. Darum war's für mich nicht nachvollziehbar, nach der Winterpause ohne Grund auf dieser so entscheidenden Position zu wechseln. Ich habe das überhaupt nicht kommen sehen. Ich kam nach einer für den Verein schwierigen Vorrunde erholt und motiviert aus dem Urlaub, und am zweiten Tag in Katar sollte ich nach dem Mittagessen zu ihm kommen. Ich dachte, er will mit mir über die Rückrunde sprechen.

SZ: Wollte er aber gar nicht.

Butt: Ja, er hat nicht mal einen Zweikampf im Trainingslager ausgerufen. Ich konnte nichts tun, nichts beeinflussen, ich hatte keine Chance. Deshalb glaube ich: Die Entscheidung stand lange fest.

SZ: In Nürnberg ist Kraft nun ein Pass zum Gegner zum Verhängnis geworden. Hätte der 36-jährige Torwart Butt den Ball auf die Tribüne geschossen?

Butt: Das ist hypothetisch, aber ich habe mir zumindest immer die Freiheit genommen, in solchen Situationen nach meinem Gefühl zu entscheiden.

SZ: Und nicht nach den Vorgaben von van Gaals Torwarttrainer Frans Hoek, der stets den konstruktiven Pass fordert.

Butt: Du kannst das als Torhüter nur machen, wenn deine Abwehrspieler das auch verstehen. In Holland ist das kein Problem, da lernt das jeder E-Jugend- liche, aber keiner von uns ist so aufgewachsen. Vielleicht hat der Trainer da manchmal zu viele Dinge vorausgesetzt.

SZ: Stimmt es, dass es eine ähnliche Szene zwei Tage vorher im Training gab? Dass Kraft von Philipp Lahm aufgefordert wurde, den Ball in engen Situationen auch mal wegzuhauen? Und dass Lahm dafür einen Rüffel kassierte?

Butt: Ja, aber eines ist mir wichtig: dass wir nicht nur über die Torwartposition reden. Wir hatten doch ständig Wechsel, keine festen Größen mehr in der Abwehr: Im Tor, aber auch auf der Doppel-Sechs ist ständig gewechselt worden, in der Innenverteidigung, der linke Vertei- diger - mit Ausnahme von Philipp Lahm die komplette Deckung! Wie soll man da die Sicherheit beim Herausspielen bekommen, das ja verlangt wurde? Vielleicht hat der Trainer da manchmal zu viele Dinge vorausgesetzt. Aber es soll hier nicht so klingen, als ob die Personalie "Kraft statt Butt" alleine für die Probleme verantwortlich war.

Von Stuhlfauth bis Neuer

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