Abwehr des FC Bayern:Der Chef und der Kämpfer

Lesezeit: 2 min

Champions League: Mattjis de Ligt gegen Inter Mailand

Bayern-Verteidiger Matthijs de Ligt (rechts) geht genauso mutig in die Zweikämpfe wie Abwehrkollege Lucas Hernández.

(Foto: Daniele Mascolo/Reuters)

In Mailand spielen Matthijs de Ligt und Lucas Hernández erstmals auf großer Bühne gemeinsam im Zentrum. Beide glänzen mit unterschiedlichen Qualitäten - dass sie nun das Stammduo in Bayerns Innenverteidigung bilden, ist aber nicht gesagt.

Von Sebastian Fischer, Mailand

Ein Spiel im San Siro ist für Fußballer immer ein spezielles Erlebnis: die steilen Tribünen, der Klang der Gesänge, die Geschichte dieses Stadions. Zwei Spieler des FC Bayern allerdings dürften das 2:0 in Mailand noch mal anders wahrgenommen haben - ziemlich verschieden, obwohl sie nebeneinander in der Abwehr aufliefen: Lucas Hernández hatten die Tifosi von Inter zum Ziel ihrer Pfiffe auserkoren. Die wahrscheinlichste Erklärung: Sein Bruder Theo steht beim Rivalen AC Milan unter Vertrag, und die Familie ist in Italien nun mal besonders wichtig. Matthijs de Ligt dagegen ist der Münchner, für den Reisen nach Mailand am gewöhnlichsten sind: Er hat die vergangenen drei Jahre bei Juventus Turin verbracht.

Man konnte beides, die Provokationen und die Erfahrung, durchaus aus ihren fußballerischen Auftritten herauslesen. Hernández wirkte am Mittwoch fast ein bisschen aufgekratzt. Das zeigte sich nicht nur an seiner mutigen Zweikampfführung, sondern auch an einem Fehler kurz vor Schluss. Er schenkte den Ball im eigenen Aufbau her, was nichts an einer guten Leistung änderte. De Ligt ging zwar nicht weniger mutig in die Zweikämpfe, aber bei ihm wirkte alles eine Spur ruhiger.

Wer weiß: Vielleicht wird man eines Tages dieses 2:0 in Mailand im Kopf haben, wenn man sich an die ersten Partien eines neuen Abwehrduos des FC Bayern erinnert, ein Duo aus dem leidenschaftlichen Kämpfer Hernández und dem abgeklärten Chef de Ligt. Dafür müssten sie aber natürlich erst mal so weitermachen. Und sie müssten dafür überhaupt das Stammduo werden.

Manuel Neuer lobt Bayerns Defensive

De Ligt war in der Sommerpause Bayerns teuerster und wichtigster Einkauf. Seit dem Wechsel von David Alaba zu Real Madrid 2021 fehlte ein kommunikationsfreudiger Organisator der Abwehr. Weder Hernández noch Dayot Upamecano erfüllten diese Rolle, de Ligt soll das ausdrücklich tun. "Er spricht und dirigiert viel und war unser absoluter Wunschspieler", sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Zu Saisonbeginn saß de Ligt zunächst auf der Bank, der 23-Jährige musste noch an seiner Fitness arbeiten. In seiner Abwesenheit profilierten sich zunächst Upamecano und Hernández. Beim 7:0 gegen Bochum spielte de Ligt erstmals von Anfang an, danach saß er wieder draußen und spielte jeweils einmal mit Upamecano und Hernández im Zentrum, mit Letzterem allerdings als Innenverteidigerduo nur im Pokal beim Drittligisten Viktoria Köln.

Abwehr des FC Bayern: Nicht der größte Kommunikator, aber ein großer Zweikämpfer: Lucas Hernández (li.).

Nicht der größte Kommunikator, aber ein großer Zweikämpfer: Lucas Hernández (li.).

(Foto: Miguel Medina/AFP)

Dass sich Hernández in Zukunft als Nebenmann von de Ligt eignet, ist zum einen mit seinem starken Fuß zu begründen: Er passt als einziger Münchner Innenverteidiger besser mit links, was in der Spieleröffnung nicht unwichtig sein kann. Außerdem wäre da aus Vereinssicht noch die wirtschaftliche Sicht der Dinge: Der Franzose hat 2019 eine Ablöse von 80 Millionen Euro an Atlético Madrid gekostet.

Und de Ligt? "Nicht nur verbal, sondern auch von der Körpersprache her ist er immer aktiv und kommuniziert immer", sagte in Mailand Torwart Manuel Neuer, er wollte das Lob aber nicht nur auf den Niederländer beziehen: "Das machen die anderen Innenverteidiger auch. Im Moment sieht es richtig gut aus, was unsere Defensive betrifft." Vielleicht war das Spiel gegen Mailand also auch nur ein weiteres, in dem Julian Nagelsmann in der Abwehr rotierte. Etwas nachhaltiger gemessen werden die Münchner Verteidiger wohl ohnehin am Duell mit Barcelona und Robert Lewandowski in der kommenden Woche.

Zur SZ-Startseite

Niederlage in der Champions League
:Tiefpunkt in Klopps Liverpool-Ära

Der Vorjahresfinalist lässt beim 1:4 in Neapel all seine charakteristischen Tugenden vermissen. Jürgen Klopp sagt, es sei Zeit, sich "neu zu erfinden".

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB