bedeckt München 17°

FC Bayern:Die Risiken der englischen Monate

FC Bayern München: Leon Goretzka beim Training

Alle müssen sich strecken: Die Saison werde "eine sehr große Herausforderung", sagt Goretzka.

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Leon Goretzka denkt darüber nach, ob Triple-Sieger FC Bayern für die Corona-Saison seinen kraftraubenden Spielstil ändern muss.

Von Christopher Gerards

Leon Goretzka hatte erst ein paar Sätze gesprochen an diesem Dienstagmittag, da formulierte er noch eine Entschuldigung. Gut 20 Minuten verspätet war er zur virtuellen Pressekonferenz erschienen, doch er konnte das erklären: Es lag am Training. Man habe diesmal ja nur "quasi eine Woche" der Vorbereitung. "In der Woche müssen wir sehr gut arbeiten", sagte Goretzka also, "deswegen hat es ein bisschen länger gedauert."

Ja, das Champions-League-Finale liegt erst gut dreieinhalb Wochen zurück, aber der FC Bayern ist schon wieder mitten in der Saison-Vorbereitung. Diese Saison-Vorbereitung wiederum wird - wie von Goretzka angedeutet - keine Längenrekorde brechen. Am Dienstag vor einer Woche haben die Münchner mit ihrem Cyber-Training begonnen, seit Freitag trainiert die Mannschaft auch wieder zusammen; am kommenden Freitag hat sie dann gegen Schalke ihr erstes Saisonspiel. Nur mal zur Einordnung: Am 18. September 2019, genau ein Jahr vor der diesjährigen Saisoneröffnung also, traten die Münchner in der Champions League gegen Roter Stern Belgrad an. Das war das siebte Pflichtspiel der Saison.

"Schon sehr, sehr speziell" sei die Vorbereitung, sagte Goretzka, 25, und dieses Attribut lässt sich leicht auf die gesamte Saison übertragen, in der zwar viele Spiele anstehen, aber wenig Zeit vorhanden ist, um diese vielen Spiele zu absolvieren. Theoretisch alle paar Tage könnten Nationalspieler des FC Bayern in diesem Jahr in irgendeinem Fußballstadion stehen, es könnte für sie eine Zeit der englischen Wochen und Monate geben, die erst an Weihnachten - zumindest kurz mal - aufhört.

"Wir werden tatsächlich den kompletten Kader benötigen"

Hier, einfach mal herausgepickt, das Programm Mitte/Ende Oktober: Da spielt Bayern im Pokal gegen Düren, muss dann nach Bielefeld, tritt dann in der Champions League an und empfängt Eintracht Frankfurt, um bald darauf wieder in der Champions League anzutreten und schließlich in der Bundesliga nach Köln zu reisen - all das in etwas mehr als zwei Wochen. Oder, Ende November: Da kommt Bremen nach München, muss Bayern in der Champions League ran, muss Bayern nach Stuttgart. Hier und da mögen sich Lücken auftun im Spielplan - die betreffen allerdings nur jene Bayern-Spieler, die nicht gerade zur Nationalmannschaft müssen. Wobei man erwähnen muss, dass die Vereine und Verbände von den vielen Spielen natürlich finanziell profitieren.

"Es ist definitiv eine sehr, sehr große Herausforderung für alle", sagte Goretzka am Dienstag - und deutete an, inwiefern sich der Terminplan fußballerisch auswirken könnte. "Wir werden tatsächlich den kompletten Kader benötigen, um durch die Saison zu kommen, das ist gar keine Frage", sagte Goretzka. Da passte es fast ins Bild, dass am Dienstagabend auch noch bekannt wurde, dass sich Kingsley Coman in häusliche Quarantäne begeben muss.

Der Franzose hatte nach Angaben der Münchner Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person aus seinem Umfeld. Coman dürfe deshalb aktuell nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen, teilten die Bayern mit. Ein am Sonntag bei ihm vorgenommener Coronatest sei allerdings negativ ausgefallen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite