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Fan-Rückkehr in der Bundesliga:"Das soll jetzt erst einmal eine Art Experiment werden"

Fans beim Pokalspiel zwischen Duisburg und Dortmund.

(Foto: AP)

Die Bundesländer genehmigen eine 20-Prozent-Auslastung der Stadien. Doch direkt beim ersten Spiel in München ist fraglich, ob Zuschauer zugelassen werden können.

Von Ulrich Hartmann

"Ich würde mir den Samstagabend mal freihalten", hatte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Montag den seit März darbenden Stammkunden seines BVB geraten. Die Formulierung suggerierte Insiderwissen, am Dienstag bestätigte sich die Vermutung. Die Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer beschlossen, dass schon am kommenden ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga wie auch der zweiten Liga wieder mindestens 1000 Zuschauer in die Arenen kommen können, dass aber bloß maximal 20 Prozent der jeweiligen Stadionkapazität genutzt werden dürfen. Für das Eröffnungsspiel des FC Bayern München gegen Schalke 04 am Freitagabend würde dies bedeuten: Etwa 15 000 Zuschauer wären erlaubt in der normalerweise 75 000 Zuschauer fassenden Allianz-Arena. Für das Spitzenspiel am Samstagabend zwischen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach wären 16 300 Zuschauer erlaubt; der BVB plant indes bloß "mit etwa 10 000", wie er am Abend verlauten ließ.

Das Ganze muss auf Basis jener Maßnahmen funktionieren, welche die Deutsche Fußball-Liga (DFL) Anfang August präsentiert hat: mit personalisierten Tickets, unter Einhaltung der Hygieneregeln inklusive des Abstandsgebots, ohne Alkoholausschank, ohne Gästefans. Über eine Maskenpflicht während des Spiels soll von den lokalen Behörden entschieden werden. Die Regelung gilt zunächst für sechs Wochen auf Probe, also bis Ende Oktober. Danach wird die Lage neu beurteilt. "Das soll jetzt erst einmal eine Art Experiment werden, ein Probestart", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ermahnt potenzielle Stadionbesucher vorsichtshalber schon mal zur Disziplin: "Es muss allen klar sein: Wenn die Vereine nicht in der Lage sind, das einzuhalten, dann wird das sofort wieder zurückgenommen - darüber darf nicht der geringste Zweifel bestehen."

Nach dem Beschluss der Staatskanzleien gibt es außerdem eine weitere relevante Einschränkung: Sollte die Zahl der Neuinfektionen in einer Stadt binnen sieben Tagen auf mehr als 35 pro 100 000 Einwohner steigen und sollten sich die Infektionen nicht lokalisieren lassen, so wären an diesem Standort keine Zuschauer erlaubt. Für München und das Bundesliga-Eröffnungsspiel am Freitag ergibt sich daraus direkt die erste Unwägbarkeit, denn diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz betrug für die Stadt München zuletzt 40,09 und lag damit über dem erlaubten Wert von 35. Der Zweitligist Würzburger Kickers bestätigte aus genau diesem Grund schon jetzt, dass sein Heimspiel am Samstag gegen Erzgebirge Aue vor leeren Zuschauerrängen stattfinden wird.

Die 20-prozentige Auslastung soll auch für Mannschaftssportarten in der Halle gelten. Die Klubs beim Handball, Basketball oder Eishockey sind mehr noch als beim Fußball von den Zuschauereinnahmen abhängig. Beim Handball beginnt die Bundesliga am 1. Oktober, beim Volleyball am 17. Oktober, beim Basketball am 6. November und beim Eishockey am 13. November. Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), atmete demonstrativ auf, auch wenn seine Liga durch den späteren Start im November gar nicht zu den unmittelbaren Nutznießern zählt. Für ihn zählt aber das Wohlwollen der Politik: "Eine bundeseinheitliche Lösung ist eine wichtige Botschaft und ein Vertrauensvorschuss, das ist ein erster positiver Schritt zur Rückkehr der Fans." Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), spekuliert mittelfristig sogar mit weiteren Lockerungen: "Das ist ein großer Schritt nach vorne, aber wir hoffen darauf, dass wir die Auslastung ab Ende Oktober noch weiter steigern können. Denn 20 Prozent reichen für uns auf Dauer nicht aus, um profitabel zu wirtschaften."

Erleichterung über wieder normalisierte Verhältnisse beim Publikumssport war auch dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet anzuhören: "Sportveranstaltungen leben von der Unterstützung der Fans, von der Atmosphäre mit Publikum. Mit sicheren Infektionsschutzkonzepten und Grenzen bei der Kapazität können die Vereine ihre Sportstätten jetzt endlich wieder mit Leben füllen. Dabei gilt: Hygienekonzepte, Schutzmaßnahmen und ein umsichtiges Vorgehen haben Priorität."

Weil für Nordrhein-Westfalen parallel zur bundeseinheitlichen 20-Prozent-Regelung für den Profifußball eine höhere prozentuale Auslastung von Sportstätten erlaubt werden soll, nämlich sogar von bis zu einem Drittel der Kapazität, könnte sich die Konstellation ergeben, dass zu einem Viertligaspiel von Alemannia Aachen etwa 11 000 Zuschauer ins dortige Tivoli-Stadion kommen dürften, während bei einem Heimspiel des Bundesligisten Bayer Leverkusen nur etwa 6000 Menschen in der Bay-Arena erlaubt wären.

Auch Schleswig-Holstein will trotz der Einigung der Länder auf eine einheitliche Regel an seiner eigenen Quote von 25 Prozent festhalten. Die Öffnung für weitere Zuschauer war zuvor bei einer Klausurtagung des Kabinetts festgelegt worden.

Einen Fußball-Erstligisten hat das Land aber nicht, nur den Zweitligisten Holstein Kiel.

BVB-Boss Watzke war trotz seiner Ahnung erleichtert, als der Beschluss am Dienstag offiziell war: "Ich danke allen, die an dieser Entscheidung mitgewirkt haben. Wir Klubs gehen damit die Verpflichtung ein, gemeinsam mit den Fans mit dieser Probezeit verantwortungsvoll umzugehen."

© SZ vom 16.09.2020/schm
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