bedeckt München 20°

FC Bayern:Mächtiger Rüffel beim Sommerkick

  • Beim Vorbereitungskick gegen Fenerbahce präsentiert sich der FC Bayern in starker Verfassung.
  • Doch hinter den Kulissen gibt es erneut Ungereimtheiten zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Niko Kovac wegen Leroy Sané.

Der erste Auftritt der neuen Saison vor eigenem Publikum begann mit Pfiffen. Der Ball rollte nach mehr als zwei Monaten wieder in der Münchner Arena, gleich auch in den Reihen des FC Bayern, doch jeder Ballkontakt wurde begleitet von Pfiffen, wie sie in der Arena sonst nur bei einem 0:2 zur Halbzeit oder einem 0:3 beim Abpfiff zu hören sind. Nun kamen die Pfiffe nicht vom eigenen Anhang, sondern von dem des Gegners, von Fenerbahce Istanbul, der zumindest akustisch an diesem Abend ein Sympathieplus zu haben schien. Aber in diesen Wochen der Ungewissheit des FC Bayern bleibt als Eindruck: Es geht gleich wieder unruhig los.

6:1 (5:0) endete am Dienstagabend das Testspiel gegen Istanbul, und weil die Partie das sogenannte Halbfinale beim sogenannten Audi Cup war, darf der FC Bayern an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) das sogenannte Finale des Vorbereitungsturnieres bestreiten. Gegner ist Tottenham Hotspur, das sein Halbfinale 1:0 gegen Real Madrid gewonnen hatte. Gegen Istanbul spielte der FC Bayern durchaus flotten Fußball, doch um Fußball ging es an diesem Abend nur am Rande, wenige Tage vor dem ersten Pflichtspiel der Saison, dem Supercup am Samstag bei Borussia Dortmund. Es ging wie auch schon in den letzten Wochen der vergangenen Saison darum, wie die Stimmung im Klub zurzeit ist.

Internationaler Fußball James soll in Madrid bleiben
Internationaler Fußball

James soll in Madrid bleiben

Weil sein Verhältnis zu Trainer Zidane als belastet gilt, will James Rodríguez Real verlassen. Nun teilt ihm der Klub offenbar mit, dass er nicht gehen darf. Die Zahl unzufriedener Spieler bei den Königlichen wächst.   Von Javier Cáceres

Und der FC Bayern, der sich am Dienstag den eigenen Fans präsentiert hat, ist weiterhin weit davon entfernt, harmonisch und geschlossen aufzutreten.

Begonnen hatte der Tag mit einer Unruhe, für die kein Klubmitarbeiter verantwortlich war. Nach dem Anschwitzen am Vormittag hatte ein Mann den Trainingsplatz gestürmt und laut Bild Trainer Niko Kovac an den Füßen gepackt. Die Sicherheitskräfte beruhigten die Lage, um 12.15 Uhr wurde die Polizei gerufen und sprach gegen den Mann einen Platzverweis aus.

Kovac: "Ich habe mich bei Pep entschuldigt, weil ich zu offensiv war"

Die für das Vereinsklima viel größere Unruhe verursachte dann kurz vor dem Anpfiff Karl-Heinz Rummenigge. Der Klubboss hat in den vergangenen Monaten keine Gelegenheit ausgelassen, die Position des eigenen Trainers zu hinterfragen. Gerne verweigerte er ihm eine Jobgarantie, gerne erinnerte er auch an das verlorene Achtelfinale in der Champions League gegen den FC Liverpool. Auf der USA-Reise in der Monatsmitte hatte Rummenigge sich dann versöhnlicher gegeben. Zurück in der Heimat verschärfte er die Tonlage gegenüber Kovac nun wieder.

Der Trainer hatte dem ZDF am Wochenende gesagt, dass er "sehr zuversichtlich" sei, dass der Klub Leroy Sané verpflichten werde, jenen Außenstürmer, um den sich der FC Bayern seit zwei Monaten bemüht. "Den möchten wir", hatte Kovac gesagt. Und: "Ich gehe davon aus, dass wir ihn bekommen können." Rummenigge, der zum Trainingsauftakt an die eigenen Mitarbeiter appelliert hatte, sich weniger zu möglichen Transfers zu äußern (um sich dann selbst fast täglich zuversichtlich zu weiteren Transfers zu äußern), sagte zu Kovacs Zuversicht: "Mir hat die Aussage nicht gefallen. Da mache ich keinen Hehl daraus." Er betonte, die Klubführung habe ein gutes Verhältnis zu Ex-Trainer Pep Guardiola, der inzwischen bei Manchester City Sané trainiert. Und er erinnerte daran, wie die Kompetenzen im Klub verteilt sind: "Der Trainer muss seinen Job machen." Einen Job, der auch nach diesem Dienstag als nicht sonderlich sicher gelten darf.

Jérôme Boateng Der unverkäufliche Jérôme Boateng
FC Bayern

Der unverkäufliche Jérôme Boateng

Ende Mai riet Uli Hoeneß ihm, den Verein zu wechseln, doch zwei Monate später gehört der der Weltmeister weiter zum Team. Was ist da los?   Von Benedikt Warmbrunn

Nach dem Abpfiff sagte Kovac auch angemessen geknickt: "Ich habe mich bei Pep entschuldigt, weil ich zu offensiv war. Die Zukunft wird zeigen, was passiert."

Er werde sich "diesbezüglich in Zukunft zurückhalten". Noch warten sie in München ja sehnsüchtig auf einen wuchtigen Zugang für die Offensive; Kovacs Aussagen standen auch dafür, wie sehr sie sich im Klub Sané wünschen. Wie um zu demonstrieren, dass er weiter neue Spieler fordert, verzichtete Kovac gegen Fenerbahce in der Startelf auf Zugänge; Benjamin Pavard und Jann-Fiete Arp saßen auf der Bank, Lucas Hernández, der 80-Millionen-Euro-Mann, ist noch nicht fit. Die Startelf sah stattdessen so aus, wie auch jene am Samstag gegen Dortmund aussehen könnte. Kovac vertraute dabei auf zwei Spieler, die noch vor wenigen Wochen den Verein verlassen wollten: auf Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mittelfeldspieler Renato Sanches.

Zumindest diese Elf zeigte dann einen geschlossenen Auftritt, routiniert und ballsicher und doch stets zuversichtlich legte sie sich die Abwehr von Fenerbahce zurecht, wobei diese Abwehr sich gelegentlich auch selbst auseinandernahm. Sanches (22.), Leon Goretzka (28.), Kingsley Coman (40.) sowie dreimal Thomas Müller (31., 44., 58.) trafen zum Sieg der Bayern. Müller war in der 20. Minute ins Spiel gekommen, weil Serge Gnabry angeschlagen ausgewechselt werden musste; diesen Wechsel bezeichnete Kovac als "Sicherheitsmaßnahme". Bei allen Toren des Gastgebers feierte das Münchner Publikum übrigens angemessen laut. Den Ehrentreffer für Istanbul erzielte der frühere Bremer Max Kruse (64.). Nach einer knappen Stunde wechselte Kovac dann die ersten Zugänge ein, den französischen Weltmeister Pavard für die Abwehr und den Neuseeländer Sarpreet Singh für den linken Flügel - für die Position also, auf der so viele im Klub sich Leroy Sané wünschen, auch wenn sie sich dazu nicht mehr zuversichtlich äußern dürfen.

Bundesliga Rummenigge rüffelt Kovac wegen Sané

FC Bayern

Rummenigge rüffelt Kovac wegen Sané

Zuversichtliche Worte des Bayern-Trainers im Transfergeschacher um Leroy Sané kommen beim Vorstandsboss der Münchner gar nicht gut an.