Fußball-Bundesliga FC Bayern steht auf schmächtigen Beinchen

Xabi Alonso und Rafinha: Probleme in der Feinabstimmung.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Xabi Alonso sucht die Anspielstationen, Mats Hummels fehlen die Wege in die Tiefe. Trainer Carlo Ancelotti bastelt noch an der Struktur der Münchner Mannschaft.

Von Benedikt Warmbrunn

Lange bevor er Gouverneur von Kalifornien wurde, lange bevor er als Barbar oder als Android zu einer Kultfigur des Kinos wurde, lange bevor er also der berühmteste Steirer der Welt wurde, war Arnold Schwarzenegger ein Junge mit zu schmächtigen Beinchen. Das war zu wenig für seine Träume, er begann mit dem Krafttraining, und schon bald hatte er neue Träume. Sein ursprünglicher allerdings war es gewesen, mit kräftigeren Beinen ein besserer Fußballer zu werden

Arnold Schwarzenegger ist also ein Mann vom Fach, als diesen kennzeichnete ihn am Samstag auf der Tribüne der Münchner Arena der rot-weiß gestreifte Schal, wie ihn auch Uli Hoeneß trägt, der frühere und wohl zukünftige Präsident des FC Bayern. Sein erstes Spiel in der Münchner Arena sei das gewesen, sagte Schwarzenegger dem Vereins-TV, und er schwärmte: "Und obendrein noch so ein spannendes. Bayern gegen Köln, es war wirklich hervorragend, es war der Höhepunkt meiner Europareise." Was allerdings nur bedingt für diese Reise spricht.

Für den FC Bayern war das 1:1 gegen den 1. FC Köln allenfalls spannend, hervorragend jedoch war es nicht, und ein Höhepunkt gleich gar nicht. Dieses 1:1 war vielmehr ein weiteres Beispiel dafür, dass die Mannschaft zum Herbstbeginn 2016 noch etwas auf schmächtigen Beinchen steht.

Die Niederlage am Mittwoch in der Champions League bei Atlético Madrid und das 1:1 gegen Köln waren die ersten Punktverluste des Teams unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti, von einer Krise ist es also noch so weit entfernt wie Schwarzenegger von einem Job als Fußballexperte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und doch zeigte sich nun auch in den Ergebnissen, dass Ancelotti noch das Gefühl für die Struktur seiner neuen Mannschaft sucht. "Die letzten zwei Spiele waren nicht gut", sagte der Trainer, "aber das Vertrauen in meine Spieler ist groß."

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Was er ändern wolle? "Ich muss nichts Besonderes machen", sagte Trainer Ancelotti

Bei seinen bisherigen Stationen zeichnete Ancelotti stets aus, dass er irgendwann eine Mannschaft gefunden hatte, an der er personell nur noch Feinheiten veränderte - als er 2014 mit Real Madrid die Champions League gewann, baute er die Startelf in den letzten Spielen meist nur auf einer Position um. Gegen Köln dagegen tauschte Ancelotti gleich sieben Spieler aus - Philipp Lahm, Arturo Vidal, Thomas Müller, David Alaba, Jérôme Boateng saßen auf der Bank; Franck Ribéry und Thiago Alcántara waren erst gar nicht im Kader. Auf dem Rasen standen dann elf Spieler, zu denen Ancelottis Vertrauen groß sein mag, allein, es fehlt noch das letzte Vertrauen in die Abläufe, die der Trainer von seiner Mannschaft fordert. "Unsere Spielweise hat sich schon verändert", sagte der Zuschauer Lahm, "das muss sich erst einspielen." Unter Ancelottis Vorgänger Pep Guardiola hätten zum Beispiel er und die anderen Außenverteidiger immer weit innen gespielt, in dieser Saison seien sie wieder ganz klassisch nah an der Seitenlinie gefordert, erklärte der Kapitän.

Das fehlende Verständnis für die Wege wurde gegen Köln besonders deutlich nach einer Viertelstunde. Verzweifelt breitete Xabi Alonso die Hände aus, so wenige Anspielstationen hatte er; überhaupt war der Spanier etwas allein gelassen mit der Aufgabe, Struktur in das Spiel der Münchner zu bringen. Auch Innenverteidiger Mats Hummels war "explizit aufgefallen, dass uns noch die Laufwege in die Tiefe fehlen, die das Spielfeld öffnen". Und Torwart Manuel Neuer sagte: "Man muss gegen eine gut stehende Mannschaft schnell spielen und Tempowechsel im Spiel haben. Wir müssen dem Gegner gerade in der Arena wieder auf die Nase binden, dass gegen uns nichts zu holen ist."

Selbst gegen in der ersten Halbzeit biedere Kölner erspielte sich die Mannschaft nur wenige zwingende Torchancen. Angreifer Robert Lewandowski unterliefen mehrere Fehlpässe, zweimal blockierte er den Schuss eines Mitspielers. Arjen Robben fehlt nach seiner langen Verletzungspause noch die Spritzigkeit; aufgrund einer leichten Rippenprellung schonte ihn Ancelotti in der zweiten Halbzeit. Das einzige Tor bereitete der prächtig aufgelegte Linksverteidiger Juan Bernat vor, es traf der Dauertorschütze der vergangenen Wochen, Joshua Kimmich (40.). Beim Ausgleich profitierte Kölns Anthony Modeste dann davon, dass ihn Javier Martínez davonlaufen ließ und Manuel Neuer zu vorausschauend schon ins lange Eck unterwegs war, noch so eine mangelhafte Abstimmung.

Ancelotti hat nun zwei Wochen Zeit, um sich weiter in die Struktur seiner Mannschaft hineinzudenken, dramatisieren wollte er die jüngsten Punktverluste jedoch nicht. Er sagte: "Ich muss nichts Besonderes machen." Am größten bleibt also das Vertrauen des Trainers in die Kraft der eigenen Ruhe.

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