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FC Bayern:Heynckes fordert, jetzt einen "adäquaten Trainer" zu suchen

Thema erledigt also. Man könnte die Geschichte als missglücktes Mitternachtsinterview abhaken. Ausschließen, nicht ausschließen, für möglich halten, nicht für möglich halten - viel Lärm um ein bisschen Wortklauberei.

Oder aber man wertet die Geschichte als ein weiteres Indiz dafür, dass Uli Hoeneß gerade versucht, beim FC Bayern die schöne Gegenwart einzufrieren.

Es war jedenfalls am Freitag mit Händen zu greifen, wie sehr Hoeneß den "Glückszustand" beschwor, in dem er seinen Klub gerade verortet, wie sehr er die "Stimmungsänderung" genießt, die "durch Jupp gekommen ist: Alle schweben nur noch". Könnte man da nicht einfach die Zeit anhalten? Jupp forever?

Dazu noch der reaktivierte Medizinmann Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 75, der Nachwuchschef Hermann Gerland, 63, und an der Spitze das Duo Hoeneß, 65, und Rummenigge, 62: "Vielleicht können wir nicht mehr so schnell laufen", rief Hoeneß, "aber unser Hirn funktioniert noch hundertprozentig." Nachfragen zur Trainersuche hatte Hoeneß zuletzt nicht etwa mit Verweis auf die notwendige Vertraulichkeit solcher Gespräche abgebügelt - sondern weil sie "respektlos" seien gegenüber Heynckes. Die Zukunft? Kann warten.

Einer scheint das offenbar anders zu sehen: Jupp Heynckes. Der Klub habe jetzt "genug Zeit, einen adäquaten Trainer für die neue Saison zu finden", betonte er am Samstag in Mönchengladbach. Und während Hoeneß und Rummenigge am Vorabend viel über Freundschaft gesprochen hatten, sagte Heynckes, angesprochen auf eine Verlängerung seines "Freundschaftsdienstes" über 2018 hinaus: "Das hat nichts mit Freundschaft zu tun!"

Freundschaft - für Heynckes hieß das, eigene Lebensplanungen hintenan zu stellen, als kürzlich nach dem Rauswurf von Carlo Ancelotti schnell einer her musste, der den FC Bayern stabilisiert. Freundschaft heißt für Heynckes aber auch, ihn jetzt nicht in Szenarien hineinzuträumen, die er definitiv nicht will.

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