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FC Bayern:Bayerns neuer Stratege kann fast alles

  • Der FC Bayern hat in Corentin Tolisso von Olympique Lyon eine Verstärkung für sein Mittelfeld gefunden.
  • Der 22-jährige Franzose soll bei den Münchnern das durch den Weggang von Xabi Alonso entstandene strategische Vakuum füllen.
  • Douglas Costa könnte derweil zu Juventus Turin wechseln.

Es gibt diese Geschichte über Corentin Tolisso, sein Berater hat sie vor eineinhalb Monaten in einem Interview erzählt, aber aus aktuellem Anlasse wird sie jetzt nochmal rausgekramt. Frederic Guerra, der Berater, ließ sich vom Radiosender Kiss Kiss Napoli (heißt wirklich so, d. Red.) befragen, es ging unter anderem darum, warum sein Klient 2016 nicht zum SSC Neapel gewechselt ist. Etwas habe "Ängste" in Tolisso hervorgerufen, sagte Guerra und meinte: Ängste vor der Stadt Neapel. Er, Guerra, wisse zwar, wie schön diese Stadt, wie wunderbar ihre Bewohner seien; aber Tolisso kenne nun mal die Fernsehserie Gomorrha, die vom neapolitanischen Mafia-Clan handelt. Also wechselte er lieber nicht.

Ein Fußballprofi, der nicht in eine Stadt will, weil er eine Fernsehserie geschaut hat - die Geschichte klingt im Nachhinein ein bisschen zu gut, um wahr zu sein (oder zumindest so, als wäre in irgendeiner Form der HSV involviert). Und man darf schon annehmen, dass Tolisso noch ein bisschen mehr dazu veranlasst hat, ein weiteres Jahr in Lyon zu bleiben. Dafür geht er jetzt in eine Stadt, in der die härtesten TV-Sendungen die Lindenstraße und der örtliche Tatort sind.

Bundesliga Gnabry ist eine Rakete - aber keine Granate
FC Bayern

Gnabry ist eine Rakete - aber keine Granate

Der FC Bayern puzzelt am neuen Kader. Doch ob die Verpflichtung von Serge Gnabry den knurrenden Torjäger Lewandowski beruhigen kann?   Von Klaus Hoeltzenbein

An diesem Mittwoch hat der FC Bayern die Verpflichtung des französischen Mittelfeldspielers perfekt gemacht, er bekommt einen Vertrag bis 2022. Er ist damit nach Niklas Süle, Sebastian Rudy (beide Hoffenheim) und Serge Gnabry (Bremen) der vierte Zugang der Münchner - und der bislang mit Abstand teuerste: Laut Olympique Lyon soll er 41,5 Millionen Euro kosten, die Ablöse könnte durch Bonuszahlungen auf 50 Millionen Euro steigen. Solche Zahlen werfen vor allem eine Frage auf: Wer ist eigentlich Corentin Tolisso?

Seit 2007 spielte Tolisso in Lyon

Tolisso, 22, ist zwar auf den ersten Blick keine der "Granaten", die Uli Hoeneß dem Münchner Publikum versprochen hat, aber auf den zweiten. Er gehört nicht zu den Spielern, die dem FC Bayern neue Absatzrekorde auf dem Trikot-Markt verschaffen, was auch daran liegt, dass in seiner Personalakte bislang nur drei Klubs auftauchen: ST Amplepuisien (09/2000 - 06/2004), FC du Pays de l'Arbresle (07/2004 - 06/2007) und Olympique Lyon (seit 2007). Aber es ist auch kein Geheimnis, dass die Bayern sich einen europaweit begehrten Spieler geholt haben, der unter anderem vom FC Chelsea umworben wurde.

Obwohl er noch jung ist, hat Tolisso den Status des Talents längst überschritten. Er weiß zum Beispiel, wie sich die Champions-League-Hymne live anhört, und er weiß auch, wie es ist, in einem Europa-League-Viertelfinale zu spielen. Vor allem aber gehört Tolisso zu den Spielern, die eine natürliche Autorität ausstrahlen auf dem Platz. Wenn er den Ball führt, dann sieht das ein bisschen so aus, als hätte er früher sehr viele Videos von Bastian Schweinsteiger gesehen. Er steht aufrecht, er überblickt das Feld, und ähnlich groß ist er auch (1,81 Meter zu 1,83 Meter).

Tolisso ist ein junger Fast-Alles-Könner, er führt Spielverlagerungen genauso im Repertoire wie Steilpässe, er steht oft richtig, und seine Distanzschüsse flattern Torhütern oft derart hundsgemein entgegen, dass Tolisso in der vergangenen Saison auf acht Tore in 31 Ligaspielen kam (fünf Vorlagen). Hinzu kommt, dass er in Lyon fast jede Position gespielt hat, die seine Sportart kennt - außer Torwart.