FC Bayern:Gnabry ist eine Rakete - aber keine Granate

San Marino v Germany - FIFA 2018 World Cup Qualifier

Erzielte sechs Tore für Olympia-Silber 2016 in Rio: Serge Gnabry.

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern verpflichtet Serge Gnabry für die kommende Saison von Werder Bremen.
  • Der Transfer hat eine andere Dimension, als wenn etwa Alexis Sanches nach München käme.

Von Klaus Hoeltzenbein

Der FC Bayern sollte schnellstens eine Detektei einschalten, um zu prüfen, ob es wirklich stimmt, dass die Kanone entwendet wurde. Dass nämlich die Münchner Kollegen schuld seien, dass dieses Geschütz samt untergeschraubter Platte für den erfolgreichsten Torjäger der Bundesliga nicht an Robert Lewandowski, sondern an dessen Dortmunder Herausforderer Pierre-Emerick Aubameyang ging. Mit nur einem einzigen Treffer Vorsprung.

Diese Detektei, so sie tüchtig ist, dürfte alsbald auf eine Szene in der Nachspielzeit des letzten Münchner Saisonspiels gegen den SC Freiburg stoßen. Zu sehen ist da, wie Arjen Robben und Frank Ribéry in der eigenen Hälfte lossprinten, der eine rechts, der andere links. Zu sehen ist, wie Lewandowski hinterherzukommen versucht. Wie Robben dem Ribéry auflegt, wie der das 3:1 erzielt, wie das Rib-Rob-Duo gefeiert wird - und wie Lewandowski mit traurigem Blick abdreht. Zu sehen ist aber auch, dass beide ihren Verfolger allenfalls im Rückspiegel erkennen konnten. Hätten sie bremsen, hätten sie warten sollen?

Es war wohl eine jener Szenen, an die sich Lewandowski nun bitter erinnerte, kurz bevor er am Samstag alle Tore für Polen zum 3:1-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Rumänien erzielte. Zwei verwandelte Foulelfmeter waren dabei, zudem ein Kopfball mit extrem hohem Luftstand. Wenige Tage vor diesem Warschauer Dreierpack fürs Nationalteam hatte der Stürmer in der polnischen Zeitung Super Express noch seinem Ärger im Klub Luft gemacht.

Lewandowski ist "enttäuscht" bis "verärgert"

Er sei nicht wirklich zufrieden gewesen, "wie meine Mannschaft mich unterstützt hat". Je nach Übersetzung äußerte sich der 28-Jährige "enttäuscht" bis "verärgert" über die Einstellung der Kollegen beim FC Bayern. Man hatte dies schon nach jenem Freiburg-Spiel auf dem Foto mit der Schale erkennen können: Alle gaben sich Mühe, im Konfettiregen zu jubeln, um so der Routine des jetzt fünften Titels in Serie zu entkommen - nur Robert, der verhinderte Kanonier, kauerte nebenan, er war der traurigste aller deutschen Meister.

Gewiss, erfolgreiche Stürmer pflegen stets ihre egomanen Züge. Trotzdem ließe sich der Auftrag an eine Detektei, die im Sinne des FC Bayern ermittelt, jetzt doch um eine Frage erweitern: Was sind Lewandowkis Motive? Warum fährt er diese öffentliche Attacke auf das Betriebsklima?

Sind es nur die unterbliebenen Serviceleistungen der Kollegen? Oder ist es mehr? Schwingt da, wie es in Polen bereits interpretiert wird, die Sorge mit, der Bayern-Kader könne im Sommer nicht ausreichend verstärkt werden, um den dortigen Volkshelden endlich die Champions League gewinnen zu lassen? 2013, als dies den Bayern letztmals gelang, griff Lewandowski im Finale noch für Borussia Dortmund an.

Und hat nicht Uli Hoeneß, der Klubpräsident, selbst gesagt, dass ein Titel "auf Dauer ein bisschen wenig" sei? Weshalb man jetzt "Granaten" kaufen werde?

Zitiert man Hoeneß genau, so hat er auf der Meisterfeier am Rathausbalkon erklärt: "Wir haben einen Kader, wenn man den verstärken will, muss man schon ziemliche Granaten kaufen." Allerdings bewege man sich in einem Markt, auf dem Summen gezahlt würden, "die wir nicht für möglich gehalten haben".

Weshalb jetzt, wie am Sonntag zur Mittagszeit verkündet, erst einmal Serge Gnabry von Werder Bremen kommt - und nicht etwa Alexis Sánchez vom FC Arsenal. Also einer, der laut der Militaria-Terminologie des Uli Hoeneß aufgrund enormer Grundschnelligkeit sicher als "Rakete" durchgeht, noch nicht aber als "Granate".

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