FC Barcelona gegen FC Bayern:Die Resultate addieren sich zu einem Desaster

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FC Barcelona gegen FC Bayern: Zwei, an denen es in dieser Saison nicht unbedingt liegt beim FC Barcelona: Marc-André ter Stegen und Robert Lewandowski, die trotzdem bedröppelt dreinschauten nach dem 0:3 gegen die Bayern.

Zwei, an denen es in dieser Saison nicht unbedingt liegt beim FC Barcelona: Marc-André ter Stegen und Robert Lewandowski, die trotzdem bedröppelt dreinschauten nach dem 0:3 gegen die Bayern.

(Foto: NACHO DOCE/REUTERS)

Nach dem 0:3 gegen die Bayern und dem Champions-League-Aus stellt Barça ernüchtert fest, dass der einst so ruhmreiche Klub nur mehr zweitklassig ist - "heilige Kühe" wie Gerard Piqué werden gehen müssen.

Von Javier Cáceres, Barcelona

Der FC Bayern bot am Mittwochabend in Barcelona auch defensiv eine hervorragende Leistung; auf dem Rasen des Camp Nou, aber auch in den Katakomben des Stadions, wo nach dem Spiel die Pressekonferenz stieg. Vier, fünf Mal meldeten sich spanische Journalisten zu Wort, mit Fragen zum FC Barcelona, denen eine Hoffnung innewohnte: Dass Julian Nagelsmann, der Trainer des FC Bayern, verbal auf den am Boden liegenden FC Barcelona drauftreten möge.

Was dem FC Barcelona fehle, um in der Champions League im Allgemeinen und der Intensität des FC Bayern mitzuhalten, lauteten Erkundigungen, auf die Nagelsmann eine Antwort finden sollte. Das sollte man besser seinen Trainerkollegen Xavi Hernández fragen, sagte Nagelsmann so höflich wie bestimmt, er habe genug mit seiner eigenen Mannschaft zu tun. Die Fragen, sie hatten an diesem Abend ihre Berechtigung, und sie hatten eigentlich nur eine einzige, überaus knappe Antwort verdient, die sich Nagelsmann elegant verkniff: Alles.

Der FC Barcelona war dem FC Bayern mit 0:3 unterlegen, und das war einerseits deutlich und entsprach andererseits nicht dem Gefälle, das zwischen den beiden Teams herrscht. Ihre Treffer - durch Sadio Mané (10.), Eric Maxim Choupo-Moting (31.) und Benjamin Pavard (90.+5) - erzielten die Bayern mit einer Nonchalance, die doch erschlagend war.

"Der FC Bayern hat uns überrollt", sagte Xavi, als er den Platz von Nagelsmann eingenommen hatte. Er sah da hohlwangig aus wie selten zuvor. Als ahnte er, was er anderntags an den Kiosken würde lesen können. "Die Champions (League) ist ein zu großer Wettbewerb für eine kleine Mannschaft wie Barça", urteilte etwa die Zeitung El País, "Ciao. Kaputt", titelte El Mundo Deportivo unter Zuhilfenahme von Wörtern aus dem Italienischen und dem Deutschen, weil anstelle Barças nun Inter Mailand (4:0 gegen Viktoria Pilsen) in der K.-o.-Phase der Champions League steht - und der FC Bayern ebendieses Barça neuerlich zerlegt hatte.

Die letzten sechs Duelle gegen die Katalanen hat der FC Bayern ausnahmslos gewonnen; keine Niederlage war heftiger als das 2:8 von Lissabon aus dem August 2020. Seither hat Barça in vier Spielen kein einziges Tor mehr gegen die Bayern erzielen können. Am Mittwoch stellte sich die Lage aus Sicht der Katalanen umso bedrückender dar, als Barcelona in den 90 Minuten plus Nachspielzeit nicht ein Mal aufs Tor schoss.

Auch nicht Robert Lewandowski, der im Sommer aus München nach Barcelona gewechselt war und nicht damit gerechnet hatte, dass er sich die K.-o.-Spiele der Champions League nur im TV werde anschauen müssen. "Scheitern in Vollendung", titelte die Zeitung Sport. Der sechste und letzte Sieg in der Königsklasse liegt nun mehr als sieben Jahre zurück. "Es reicht nicht, um in der Champions League mitzuhalten", sagte die junge Offensivkraft Pedri, und meinte das in einer Grundsätzlichkeit, die dem Trainer Xavi offenkundig zu weit ging.

Auch Xavi sagte zwar, dass der Bayern-Sieg vollumfassend verdient war. Sie seien in allen Aspekten des Spiels überlegen gewesen, auch in Sachen Zweikampfführung. Aber Xavi bat um mildernde Umstände, wegen der komplizierten Ausgangslage, die sein Team vor Anpfiff in die Depression stürzte.

Die Spieler des FC Barcelona wussten schon beim Aufwärmen, dass sie fortan donnerstags spielen müssten - Inter war durch den Sieg gegen Pilsen durch, das Spiel in Mailand war bereits vorbei, als in Barcelona die Partie begann. Er habe an "den Stolz, die Ehre und den Mut" appelliert, sagte Xavi. Doch das war nicht genug, "das Aus hat uns psychologisch getroffen", konzedierte Xavi.

Wie geht es mit Trainer Xavi weiter in Barcelona?

Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als der Klub schon einmal in der Europa League spielen musste (und dann spektakulär gegen Eintracht Frankfurt ausschied), habe er in diesem Jahr nicht das Gefühl gehabt, dass Barça insgesamt nicht auf der Höhe der Rivalen sei. In München und auch bei den Duellen gegen Inter seien Siege zum Greifen nahe gewesen.

Nur: Die Resultate addierten sich eben doch zu einem Desaster namens Vorrunden-Aus. Von bislang fünf Gruppenspielen hat Barcelona lediglich eins - gegen Viktoria Pilsen - gewonnen. Gleichwohl waren die meisten unter den 84 000 Zuschauern auf Vergebung gepolt. Als Xavi am Ende der Partie gefeiert wurde, waren nur vereinzelt Pfiffe zu hören.

Und nun? Es gilt als wahrscheinlich, dass Kapitän Sergio Busquets sein letztes Champions-League-Spiel im Dress des FC Barcelona bestritten hat, zwei weitere "heilige Kühe", Linksverteidiger Jordi Alba und vor allem Innenverteidiger Gerard Piqué, die nicht mal eingewechselt wurden, sollen so schnell wie möglich den Klub verlassen. In Barcelona hat zudem niemand vergessen, dass Präsident Joan Laporta vor anderthalb Jahren, bei seinem Amtsantritt, einen Satz gesagt hatte, von dem man meinen muss, er könnte Xavi bald auf die Füße fallen: "Niederlagen werden Konsequenzen haben."

Am Mittwoch klang Laporta vergleichsweise gnädig. "Wir wussten, dass es in diesem Prozess des Wiederaufbaus Höhen und Tiefen geben würde", sagte er im vereinseigenen Sender; der FC Bayern sei "eine konsolidierte und mächtige Mannschaft, die vielleicht die beste, in jedem Fall eine der besten Teams in Europa ist." Und natürlich betonte er, dass Xavi allen Rückhalt habe. Doch es ist verbürgt, dass sich der Klub auf die Eventualität einer Beurlaubung Xavis vorbereitet hatte.

Man müsse nun nach vorne blicken, sagte Vereinschef Laporta, "uns bleibt die Liga", in der Barcelona nach elf Spieltagen drei Punkte hinter Real Madrid liegt, "und andere Wettbewerbe", sprich: der Pokal, der spanische Supercup und eben die Europa League. Trainer und Mannschaft sei kein Vorwurf zu machen, was auch daran lag, dass immer noch mit kontroversen Schiedsrichterentscheidungen aus den Partien in München und Mailand gehadert wird. So oder so: Die Ausbeute ist ein wenig dünn - gemessen daran, dass der Klub im Sommer Tafelsilber verscherbelt hatte, um die Mannschaft aufzurüsten, und im kommenden Jahr ins ungleich kleinere Olympiastadion von Montjuïc ausweichen wird, weil das Camp Nou umgebaut werden soll.

Xavi blies ins gleiche Horn wie Laporta: "Wir können noch eine sehr gute Saison spielen", sagte er, "ich sage das aus voller Überzeugung". Auf der VIP-Tribüne saß unter anderen der Abt von Montserrat, ein Pater namens Manel Gasch, und es darf davon ausgegangen werden, dass er am Mittwoch gebeten wurde, bei seinen höheren Stellen ein gutes Wort für Barça einzulegen.

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