Bundesliga:Negative Last in Augsburg

Trainingsauftakt FC Augsburg - Kevin Danso

Er will den FC Augsburg schnellstmöglich hinter sich lassen: Kevin Danso, hier noch auf dem Augsburger Trainingsgelände.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Die Vorbereitung des FC Augsburg wird durch den Zoff um Kevin Danso erheblich gestört. Weil der seinen Wechsel zu erzwingen versucht, beschäftigt Trainer Weinzierl nun ein Engpass.

Von Maik Rosner

Es gibt Geschichten, die sich am besten vom Ende her erzählen lassen. Bei jener von Kevin Danso und dem FC Augsburg ist das allerdings nicht möglich, weil diese Geschichte noch kein Ende gefunden hat. Vielmehr geht es gerade um die Frage, wie dieses Ende aussehen oder ob die Geschichte überraschenderweise doch über diesen Sommer hinaus fortgesetzt wird. Dieses Szenario nutzt Manager Stefan Reuter zumindest als Drohgebärde in einem Transferpoker, in dem Danso bereits sein größtes Druckmittel, einen Streik, angewandt hat.

Begonnen hat dieses unrühmliche Kapitel der Geschichte vor einiger Zeit, als Danso, 22, dem Verein mehrfach zu verstehen gab, ihn trotz seines Vertrages bis 2024 verlassen zu wollen. Die vergangenen beiden Spielzeiten hatte der Innenverteidiger schon anderswo verbracht, zunächst beim FC Southampton in der englischen Premier League, dann beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Nach diesen Leihen strebt Danso nun einen festen Wechsel an, weil er in Augsburg keine Chance sieht, dauerhaft auf hohe Spielanteile zu kommen.

Interesse an Danso gab es, zuletzt vom RC Lens aus der französischen Ligue 1. Doch dessen Offerte beinhaltete laut Reuter eine Ablösesumme, die weit unter Dansos Marktwert gelegen haben soll. Ohnehin würden sie den Österreicher lieber beim FCA behalten, weil sie gerade einen Engpass in der Innenverteidigung bewältigen müssen. Stammkraft Felix Uduokhai nimmt mit der deutschen U23 an den Olympischen Spielen in Tokio teil, Reece Oxford fällt nach einer Operation am Meniskus aus.

Zuletzt im Test gegen Qarabag Agdam (2:2) musste Mittelfeldspieler Tobias Strobl neben Jeffrey Gouweleeuw in der Abwehr aushelfen. Das lag an jenem Streik, mit dem Danso immer vehementer auf einen Abschied drängt und der zum Eklat im inzwischen beendeten Trainingslager am Walchsee führte.

Wenige Stunden vor dem Test gegen Qarabag hatte Danso am Donnerstag erklärt, nicht mehr für den FCA spielen zu wollen, auch am Training nimmt er seither nicht mehr teil. Trainer Markus Weinzierl bezeichnete Dansos Streik als "Schlag", nach dem sich die Augsburger gezwungen sahen, den Spieler heimzuschicken, eine Entscheidung, "die wir alle nicht wollten und die uns allen nicht gefällt", sagte Weinzierl. "Mir ist es wichtig, dass wir eine positive Stimmung haben." Nicht gebrauchen könne man "Negativität".

Doch die lastet nun längst auf der Vorbereitung, und dass beide Parteien gegenseitige Schuldzuweisungen erheben, spitzt die Lage weiter zu. Auch deshalb dürfte Danso an diesem Dienstagnachmittag kaum mittrainieren, wenn Weinzierl nach dem freien Montag zur nächsten Einheit bittet. Danso hatte sich am Samstag krankgemeldet. Als ausgeschlossen gilt nach dieser Eskalation, dass er am Test gegen Paris Saint-Germain am Mittwoch in Orléans teilnimmt. Dansos Bruder und Berater Emmanuel kündigte an, dass Kevin nicht mehr für den FCA auflaufen werde.

Es ist ein Zoff, der umso mehr auffällt, weil zuletzt eine neue Harmonie beim FCA betont worden war. Als Weinzierl das Team im April, drei Spieltage vor Saisonende, von Vorgänger Heiko Herrlich übernahm, sprachen sie beim FCA rasch von Aufbruchsstimmung und Euphorie. Auch deshalb, weil mit Weinzierl die Erinnerungen an seine erste Amtszeit zwischen 2012 und 2016 verbunden sind, in der sich der kleine Bundesligist bis in die Zwischenrunde der Europa League beim FC Liverpool spielte, begleitet vom selbstironischen Motto "In Europa kennt uns keine Sau".

Jetzt ist es erstmal vorbei mit der Euphorie. Die Vorgänge um Danso erinnern an Zwischenfälle aus der jüngeren Vergangenheit, in der der einst ruhige Standort bundesweit Aufsehen erregte. Dazu zählte der Fall des Innenverteidigers Martin Hinteregger, Dansos Landsmann, der 2019 seinen Wechsel zu Eintracht Frankfurt erzwang. Für Hinteregger, damals 26, sollen die Augsburger neun Millionen Euro Ablöse erhalten haben. Etwa die Hälfte schwebt Reuter nun wohl für Danso vor.

Es wäre aus Sicht des Vereins auch ein Schmerzensgeld am Ende einer Geschichte, zu deren Anfang Berater-Bruder Emmanuel Danso ebenfalls maßgeblich beigetragen hatte. Mit einer Initiativbewerbung per E-Mail machte er den Österreichischen Fußball-Verband (ÖFB) 2013 auf Kevin aufmerksam, bald danach wurde dieser vom FCA in einer Jugendauswahl des ÖFB entdeckt.

Drei Jahre später erlebte Danso als 18-Jähriger in Augsburg sein Profidebüt. "Wir haben volles Vertrauen, dass er beim FCA zu einem gestandenen Bundesligaspieler reifen kann", sagte Reuter danach, und Danso kündigte an, dieses Vertrauen zurückzahlen zu wollen. Das war noch ziemlich am Anfang dieser Geschichte.

© SZ
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