Fall Hoeneß Warum Hoeneß vermutlich mit Bewährungsstrafe zufrieden wäre

Gilt wirklich die Regel, bei einer Million Euro und mehr Steuerhinterziehung muss der Täter in den Knast?

Die Praxis kennt diese Regel nicht. Sie kennt nur Ausnahmen. Unter all den vielen Hinterziehungsfällen in der Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg, die durch Steuer-CDs ans Licht kamen, ist kein Fall bekannt geworden, bei dem ein Steuerbetrüger in Haft musste. In vielen Fällen wurde hinter den Kulissen gedealt, um eine öffentliche Verhandlung zu vermeiden. Dabei scheint die Norm klar und einfach zu sein: Wer eine Million Euro oder mehr hinterzieht, das haben Richter des Bundesgerichtshofs 2008 und 2012 entschieden, muss in der Regel ins Gefängnis. In dieser Größenordnung, urteilte der BGH, müssten schon "besonders gewichtige Milderungsgründe" vorliegen, um einer Haftstrafe zu entgehen. Selbst "erhebliche psychische Belastungen" angesichts einer drohenden Haft sind aus Sicht des BGH kein besonders wichtiger Milderungsgrund.

Wie könnte das Urteil ausfallen?

Hoeneß betrachtet sich als unschuldig, weil er die Selbstanzeige gestellt hat. Dennoch wäre er vermutlich froh, wenn es auf eine Bewährungsstrafe hinausliefe. Bewährung ist bis zu einem Strafmaß von zwei Jahren möglich. Zusätzlich könnte eine Geldstrafe verhängt werden, im Höchstfall 720 Tagessätze. Die Tagessätze bemessen sich nach dem Netto-Einkommen, abzüglich von Unterhaltsverpflichtungen. Doch auch Haft ist möglich - bis zu fünf Jahre.

Welche Möglichkeiten bleiben Hoeneß, sollte er verurteilt werden?

Der Weg zum BGH könnte im Fall eines Schuldspruchs für die Verteidigung steinig werden. Allerdings hat sich der 1. Strafsenat des BGH, der für seine harte Linie bekannt war, seit 2013 personell stark verändert. Vorsitzender ist nicht mehr der in Steuerangelegenheiten sehr entschiedene Armin Nack, sondern der Richter Rolf Raum, der vom eher liberalen 5. Strafsenat des BGH aus Leipzig kommt. Auch andere Mitglieder des Senats sind neu, nur der Berichterstatter Markus Jäger ist geblieben. Der BGH könnte im Fall Hoeneß eine Revision verwerfen oder aber als berechtigt ansehen und den Fall dann an eine andere Strafkammer des Münchner Landgerichts zurückverweisen. Dann müsste in München noch einmal verhandelt werden. Bis das Urteil rechtskräftig würde, könnte es dauern. Und erst dann müsste Hoeneß in Haft - falls er dazu verurteilt wird.

Hoeneß hat mit "Veräußerungsgeschäften" in Deutschland 118,9 Millionen Euro Verluste gemacht. Wie geht das? Ist er vielleicht sogar pleite?

Der Hinweis auf diese riesige Summe ergibt sich aus einem Verlustvortrag, den Hoeneß vor einigen Jahren bei der Steuer eingereicht hat. Er hat auf seinem offiziellen Konto bei einer Münchner Privatbank riskante Spekulationsgeschäfte gemacht und dabei offenbar gewaltig verloren. Vermutlich zum gleichen Zeitpunkt machte er in der Schweiz auf dem geheimen Konto Gewinne in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro.

Hat Hoeneß gegen Hoeneß gesetzt?

Es gibt bislang keine Erklärung für den Umstand, dass er einen solch hohen Verlust verkraften konnte. Er hat eine Wurstfabrik gegründet, die heute von seinem Sohn als Geschäftsführer betrieben wird. Aber Gewinne, mit denen man dreistellige Millionenverluste kompensieren könnte, sind mit Würsten nicht zu machen. Vielleicht wird im Prozess das Rätsel um Verlustvorträge und die 118,9 Millionen Euro gelöst.

Kann Hoeneß bei einer Verurteilung seine Ämter als Aufsichtsratschef und Präsident des FC Bayern behalten?

Bei einer Haft ohne Bewährung würde das nicht gehen, bei jeder anderen Strafe aber schon. Hauptanteilseigner der FC Bayern München AG ist der Verein. Wenn die Fans wollen, bleibt er vermutlich. Als Präsident steht ihm ein Platz im Aufsichtsrat zu.

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